Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

Chiara Sartor

Chiara Sartor

Kurzvita

seit 2021 Promotionsstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung

2021 Humboldt Research Track Scholarship

2021 M.A. Romanische Kulturen

2020 M.A. Euromaster für Französische und Frankophone Studien, Humboldt-Universität zu Berlin & Université Sorbonne-Nouvelle Paris 3

2016/17 Studienaufenthalt Université Jean Moulin Lyon 3

2017 B.A. Französisch / Philosophie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Publikationen

‚Andere‛ Schreibszenen. Zur kuratorischen Rahmung handschriftlicher Autographen in zeitgenössischen Ausstellungen von Art brut-Schriften, in: Grenzen und Brücken in der Romania. Beiträge zum 35. Forum Junge Romanistik in Innsbruck (18.-20. März 2019), hg. von Jannis Harjus u.a., München 2022, 239–252.

Rezension zu: Pandemie und Literatur, hg. von Angela Oster und Jan-Henrik Witthaus, Wien/Berlin 2021, in: literaturkritik.de, 11 (2021). https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=28314

Anstaltstexte / Sprachkunstwerke. Zur Schreib-, Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte der écrits bruts

Im Zentrum des Projekts stehen Schriften aus der Kunstsammlung Collection de l’Art Brut: Briefe und andere Aufzeichnungen, die überwiegend während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Anstaltsinsass:innen und Psychiatriepatient:innen in Frankreich, der französischsprachigen Schweiz und Belgien verfasst wurden und seit 1978 unter dem Begriff écrits bruts firmieren. Aufgrund ihrer experimentellen Schreibweisen und originellen Schrift-Bild-Kombinationen verblieben diese Texte nicht in den Krankenakten ihrer Verfasser:innen, sondern wurden ab 1945 – teilweise über den Umweg der Privatsammlungen interessierter Psychiater – von dem französischen Künstler Jean Dubuffet für seine Sammlung akquiriert. Sie gelangten als auratische Manuskripte auf Ausstellungswände, in transkribierter Form auf Buchseiten und wurden für die Bühne adaptiert. Mit der Aufnahme in die Collection de l’Art Brut vollzog sich ein fundamentaler Statuswechsel: Aus Patient:innentexten wurden Sprachkunstwerke. Diese Geschichte verfolgt das Projekt in drei Schritten: von den vielfältigen Anstalts-Schreib-Szenen, die die Schriften selbst entwerfen, über die Verfahren des Sammelns, Ordnens, Transkribierens, Edierens, Kompilierens und Kommentierens, die zwischen Avantgarde und Antipsychiatrie zur Profilierung der Gattung écrits bruts führten, bis hin zu rezenten Ausstellungen und Bühnenbearbeitungen.

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