Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

Poetik der Skizze. Verfahren und diskursive Verortungen einer Kurzprosaform vom Poetischen Realismus bis zur Frühen Moderne

Poetik der Skizze. Verfahren und diskursive Verortungen einer Kurzprosaform vom Poetischen Realismus bis zur Frühen Moderne
10. September 2018 Florian Glück

Poetik der Skizze. Verfahren und diskursive Verortungen einer Kurzprosaform vom Poetischen Realismus bis zur Frühen Moderne

Workshop am Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik von 28.-29. September, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Unverkennbar reüssiert im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Skizze als literarische Form. Die Zunahme von Kurprosastücken, die in ihrer Singularität und Kürze vollständig sind, zugleich aber Effekte des Unausgearbeiteten zeitigen, ist dabei nicht nur eine literaturhistorische Tatsache, sondern bietet zugleich Anlass für Kulturkritik: Schon vom zeitgenössischen Diskurs bestenfalls als ,gern genossene Lesekost‘ gefasst, zumeist jedoch als literarisch ,ungeheuer überschätzt‘ abgewertet, werden die frühen Formen der Skizze, die sich bereits im Spätrealismus finden, bis heute literaturgeschichtlich häufig marginalisiert.

An dieser Stelle setzt der Workshop an. Wir gehen erstens davon aus, dass die für die frühe Phase dominante Abwertung der Skizze als lediglich populärem, dem Medium der Zeitschrift und dessen Anforderungen geschuldetem Verfahren das Spezifische der Skizze einseitig verdeckt. Folgerichtig behaupten wir zweitens, dass der Fokus auf die beginnende Moderne als Blütephase der Skizze deren literaturgeschichtliche Relevanz zu stark verengt. Auf diesem Hintergrund fragt der Workshop nach Beschreibungsmodellen dieser peritextuell oder diskursiv als ,Skizze‘ bezeichneten Texte vom Spätrealismus bis in die Frühe Moderne, um im Anschluss die Funktionen der Skizze als Verfahren in der Literatur der Jahrzehnte um die Jahrhundertwende zu diskutieren.

 

Programm

Freitag, 28. September

13:00–14:15 Uhr

Begrüßung und Einführung durch die Veranstalter: Verfahren und diskursive Verortungen der Skizze vom Poetischen Realismus bis zur Frühen Moderne

Maren Jäger (Berlin): Skizzen und Fragmente, Funken, Sämereien, Splitter, Miniaturen, Extracte … Die kleine Form im 19. Jahrhundert und ihre Namen

 

14:15–14:45 Uhr – Kaffeepause

 

14:45 Uhr–16:15 Uhr

Elisabetta Mengaldo (Padua): Bausteine zu einer Vorgeschichte der Skizze. Zur Rhetorik und Poetik von Entwurf und Notiz bei Novalis und Arnim

Leonie Süwolto (Paderborn): Literarisches Skizzieren als Körperpoetik: Theodor Storms ,Marthe und ihre Uhr’ (1848)

 

16:15–16:45 Uhr – Kaffeepause

 

16:45–18:15 Uhr

Daniela Gretz (Köln): „Freilich, nur bruchstückartig ist, was er erzählt; aber er erzählt gut.” Wilhelm Raabes ,Poetik der Skizze’

David-Christopher Assmann (Turin/Frankfurt): Einseitiges Wiedererkennen. Hermann Conradis frühe Skizzen

 

19 Uhr – Gemeinsames Abendessen

 

Samstag, 29. September

9:30–11:00 Uhr

Matthias Agethen (Weimar): „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen”. Funktionsgeschichtliche Überlegungen zu literarischen Skizzierungen von Wirtschaft und Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts

Sabine Haupt (Fribourg): Ungeformte Zeugnisse des Lebens. Das Protokoll als literarisches Experiment

 

11:00–11:30 Uhr – Kaffeepause

 

11:30–13:00 Uhr

Jörg Schuster (Oldenburg): Skizze und Imagination. Zu einer ästhetischen Praktik um 1900

Stefan Tetzlaff (Kassel): „Wie ich es sehe“. Zur bildlichen Logik der literarischen Skizze

 

13:00–14:00 Uhr

Abschlussdiskussion und Ergebnissicherung

 

Konzept und Organisation

David-Christopher Assmann

Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik, Goethe-Universität Frankfurt

Stefan Tetzlaff

Institut für Germanistik, Universität Kassel

 

Veranstaltungsort

Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend

IG-Gebäude

Raum 1.418

 

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier. Der Workshop ist öffentlich. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Der Workshop wird gefördert durch die FAZIT-Stiftung und den Fachbereich 10 der Goethe-Universität.

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