Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

Elisabeth Décultot: Der Schriftsteller als Kopist: Vom Umgang mit Exzerpten in der europäischen Literatur des 18. Jahrhunderts

Vortrag

13/07/2017

18:15

Elisabeth Décultot: Der Schriftsteller als Kopist: Vom Umgang mit Exzerpten in der europäischen Literatur des 18. Jahrhunderts

Institut für Klassische Philologie, Unter den Linden 6, Raum 3059

Gastvortrag am Graduiertenkolleg von Prof. Dr. Elisabeth Décultot (Humboldt-Professorin für Neuzeitliche Schriftkultur und europäischen Wissenstransfer, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Der Schriftsteller als Kopist

Vom Umgang mit Exzerpten in der europäischen Literatur des 18. Jahrhunderts

In der frühen Neuzeit wurden die europäischen Gelehrten für gewöhnlich angehalten, Exzerpthefte – mit anderen Worten, Sammlungen von Leseaufzeichnungen – anzulegen. Die allzeit verfügbaren Exzerpthefte, die bei jeder Lektüre mit neuen Informationen angereichert wurden und gelegentlich den Umfang von ganzen handgeschriebenen Bibliotheken einnehmen konnten, waren einerseits Zeugnisse gelehrter Lesetätigkeit und lieferten andererseits wertvolle Baumaterialien für die Herstellung eigener Werke. Mit Exzerptsammlungen haben nicht nur die bedeutendsten Humanisten gearbeitet, sondern auch Schriftsteller nachfolgender Jahrhunderte – wie etwa Montesquieu, Winckelmann, Herder oder Jean Paul. Ziel des vorliegenden Vortrags ist es, die Beziehungen zu analysieren, die diese Sammlungen von Leseaufzeichnungen zu ihrer gedruckten Vorlage im 18. Jahrhundert unterhalten. Was vollzieht sich beim Abschreiben von gedruckten Auszügen, die in eigene handschriftliche Hefte ausgelagert und ggfs. nach eigenen Rubriken sortiert werden? Welche Beziehung unterhält dabei das lesende und aufschreibende Subjekt zum gedruckten und handschriftlichen Material? Mit der Beantwortung dieser Fragen sollen auch einige Kernbegriffe des modernen Literaturverständnisses – wie etwa der Begriff der Autorschaft oder der Originalität –  vom Standpunkt einer weit verbreiteten Lese- und Schreibpraxis beleuchtet werden.

 

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