Herzlich willkommen auf der vorläufigen Webseite des DFG-Graduiertenkollegs 2190 „Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen“. Das Graduiertenkolleg nimmt seine Arbeit am 1. April 2017 auf.

Es bietet 13 DoktorandInnen, bis zu fünf durch Dritte geförderten assoziierten KollegiatInnen sowie einer/m PostDoc die Möglichkeit, sich in einem fachlich heraus­ragenden Umfeld unter der Betreuung von Berliner Wissenschaftler­Innen und unterstützt von internationalen Partner­institutionen zu qualifizieren.

Kleine Formen des Schreibens sind kein Novum unter den Texttypen und -genres, gewinnen aber gegenwärtig – angesichts von aktuellen Heraus­forderungen durch mediale Mobilitäts­schübe und Vernetzungs­möglich­keiten – erhöhte Relevanz. Durch knapper werdende Aufmerksamkeitsressourcen wird es zur anspruchsvollen Aufgabe, kulturelle Merkwelten zu organisieren. Die Frage, wie Beobachtungen verwaltet, Ideen gesammelt, Kenntnisse vermittelt und Lernprozesse gelenkt werden, betrifft deshalb – über die Kapazitäten von Wissensspeichern hinaus – speziell die Routinen und Darstellungs­praktiken, in denen die Produktion und Vermittlung von Wissen multiple Formen annimmt. Je unübersichtlicher die Fülle des Wissbaren wird, je zügiger Neuigkeiten registriert werden müssen und je höher die Anforderungen an die soziale Kommunikations­ökonomie steigen, desto mehr sind Wege gefragt, um begrenzte Zeit- und Platzspielräume ebenso effizient wie kreativ zu nutzen. Für die Praxis von Forschung und Unterricht, Kunst und Medien­öffentlichkeit sind Kleinformen des Schreibens wie Skizzen, Abstracts, Notizen, Protokolle, Exzerpte, Essays, Artikel und Glossen deshalb unentbehrlich. Ihre Genese und Evolution, mit der sie zugleich an der Erfolgsgeschichte der Prosa teilhaben, sind bislang jedoch nur punktuell erforscht.

Das Graduiertenkolleg wird dazu einen Beitrag leisten, indem es ihre Literatur- und Wissensgeschichte im historischen Aufriss von der Antike bis zur Gegenwart untersucht. Mit dem systematischen Schwerpunkt auf Literatur, Wissenschaft und Populärkultur wird es – erstens – sondieren, welche Kleinformen des Schreibens und Darstellens innerhalb dieser Felder entstehen und wie mit ihrer Hilfe Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert, kritisiert und medienspezifisch kanalisiert werden. Zweitens richtet es den Fokus auf die Austauschdynamiken von kleinen Formen zwischen diesen Feldern.

Studien- und Betreuungs­programm sind auf fachliche wie auf historische Breite angelegt und schaffen einen Rahmen für die Ausbildung von DoktorandInnen auf höchstem methodischem Standard und internationalem Niveau. Das Qualifizierungskonzept gewährleistet die Durchführ­barkeit des Programms, indem es erfolgreich erprobte Betreuungsformen – bestehend aus Seminaren, Kolloquien, Workshops und Retreats – mit berufsnahen Studienangeboten kombiniert. Bestandteil der Ausbildung ist darum im zweiten Förderjahr eine Praxiswerkstatt, in der die KollegiatInnen einerseits mit praxeologischen Forschungs­ansätzen vertraut gemacht werden, andererseits Einblicke in die Arbeitswelt von Zeitungs­redakteurInnen und Online-JournalistInnen, BibliothekarInnen und ArchivarInnen erhalten, die mit kleinen Formen umgehen.

Small forms are no newcomers among textual types and genres, but in the effort to cope with and exploit advancing media-technological reticulation and mobility they have acquired new prominence – as well as new urgency for research in the philosophy and history of science. The organisation of cultural memory has become increasingly difficult even as attentional resources are dwindling. The impact of this development on the management of observation, the accumulation of ideas, the dissemination of knowledge, and the guidance and control of learning processes cannot be understood without investigating the routines and practices of representation that differentially format the production and mediation of knowledge. The expansion of the realm of attainable knowledge, as well as the concomitant dispersal of attention and the relentless acceleration of the speed at which new discoveries must be recorded, demand new efficiency and creativity in the use of limited time and space. Outlines, abstracts, notes, protocols, previews, essays, articles etc. have thus become indispensable in the practice of research and education as well as in media and the arts. Thus far, however, the genesis and evolution of these forms, which are integral to the larger success story of prose, have received only selective attention.

This graduate program will advance the analysis of small forms by exploring their literary and epistemic history in broad historical scope from antiquity to the present. With its systematic focus on literature, science and popular culture, the program seeks – firstly – to determine what small forms emerge within each domain with its particular writerly and representational procedures, examining how these forms serve to control, reflect, criticize and (media-specifically) channel processes of communication. Secondly, the program will analyse the development and circulation of small forms through exchange between these fields.

Both in research and supervision, the program is set up for historical and disciplinary breadth and offers an ideal framework for training doctoral students at the highest methodological levels and international standards. Our qualification procedures guarantee the feasibility of the program by combining methods of supervision that have been employed successfully in the PhD-network »The knowledge of literature« – including seminars, colloquia, retreats and a writing workshop – with course offerings relevant to professional careers. The curriculum thus includes a »Praxiswerkstatt« in the second year, which introduces students not only to praxeological research but also to the work of newspaper and online journalists, librarians, and archivists professionally concerned with small forms.

Warum
kleine Formen?

Die Klage über die ‚Flut‘ von Nachrichten, Informationen und Novitäten, die zur Kenntnis genommen werden wollen, ist spätestens seit der Frühen Neuzeit notorisch. Gegenwärtig gewinnt sie jedoch im Sog von medialen Mobilitätsschüben und digitalen Vernetzungsmöglichkeiten an Aktualität. In dem Maß, wie soziale Aufmerksamkeitsressourcen knapper und Interessenlagen von Individuen volatiler werden, wächst der Druck, der Überfülle des Wissbaren mit einer effizienten Organisation von Merkwelten zu begegnen und neue Kreativitätsspielräume ebenso rasch zu erkennen wie versiert zu nutzen.

Das macht kleine Formen des Schreibens und Notierens attraktiv, die bei der Buchführung über Beobachtungen und Ideen, bei der Vermittlung von Kenntnissen und bei der Lenkung von Neugierden helfen und zugleich den Umgang mit beschränkten Zeit- und Platzvorgaben erleichtern. Textsorten wie Skizzen, Abstracts, Notizen, Protokolle, Exzerpte, Essays, Artikel und Glossen können die Vorzüge des Kompakten, Kondensierten, schnell zu Überschauenden geltend machen, aber auch das Vorläufige, Flüchtige und Ergänzungsbedürftige des Festgehaltenen ausstellen und sich auf diese Weise als verlässliche Garanten von Verständigungsroutinen wie als Störer, als Quelle produktiver Irritationen empfehlen. Trotz der elementaren Bedeutung, die sie damit gerade für die Gebrauchskontexte von Forschung und Unterricht, Kunst und Medienöffentlichkeit besitzen, sind Genese und Evolution ihres Formenspektrums bislang jedoch nur punktuell erforscht.

Das Graduiertenkolleg wird die Literatur- und Wissensgeschichte solcher Formen im historischen Aufriss von der Antike bis zur Gegenwart untersuchen. Es richtet den systematischen Fokus auf die Praxisfelder von Literatur, Wissenschaft und Populärkultur und erforscht, welche Kleinformen des Schreibens und Darstellens sich innerhalb dieser Felder etablieren, wie mit ihrer Hilfe hier Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert, kritisiert und medienspezifisch kanalisiert werden. Des Weiteren gilt sein Interesse den Austauschdynamiken kleiner Formen zwischen diesen Feldern: den Wechselbeziehungen, die durch deren Trennungsgeschichte ermöglicht, aber auch blockiert werden.

 

Begriff
„kleine Form“

Der Begriff „kleine Form“ ist elastisch und unterbestimmt, in der Literaturwissenschaft aber seit langem eingeführt. Begriffsgeschichtlich geht die Bezeichnung auf das ausgehende 19. Jahrhundert zurück. Damals bezog sie sich in erster Linie auf die mannigfaltigen Spielarten der Kurzprosa, die sich speziell im Feuilletonteil der Presse – in der optisch abgeteilten Randzone im unteren Drittel der Zeitungsseite – entwickelten, wobei ihr Duktus skizzenhaft, impressionistisch und flüchtig sein konnte, in anderen Fällen lyrisch verdichtet, gedanklich konzentriert und gleichnishaft.

Inzwischen wird der Begriff weiter gefasst und sowohl für Kürzestformen wie das Sprichwort und den Witz als auch für kleine Erzählgattungen – die Kurzgeschichte beispielsweise – verwendet. So überschneidet sich das Feld der „kleinen Formen“ einerseits mit dem der „einfachen Formen“, das André Jolles absteckte. Andererseits fallen unter diese Rubrik didaktische Gebrauchsformen wie das Exemplum oder die Fabel, die für den antiken Rhetorikunterricht genauso unentbehrlich waren wie in der christlichen Homiletik für die Moralpredigt oder später, im 18. Jahrhundert, für die Vernunfterziehung der Aufklärer. Derselben Tradition rhetorischer Topik entstammen die knappen Reflexionsformen mit Lehrsatz-, Sentenz- oder Maximencharakter, die anfangs als instruktive dicta gesammelt wurden, bevor sich die Kollekte auf Gedanken, Einfälle und Ideen aller Art ausdehnte, die durch die regelmäßige und minutiöse Privatbuchhaltung Eingang in Notiz- und Tagebücher fanden. Infolge dieser Praxis veränderten im 17. Jahrhundert nicht nur hergebrachte, aus der antiken Medizin hervorgegangene Textsorten wie der Aphorismus ihre Form. Sie führte auch zum Aufschwung neuer Genres wie des Essays, deren formale Offenheit später gerade auf die Feuilletonprosa ausstrahlte.

Als unbestritten gilt, dass sich das Spektrum dieser kleinen Formen vor allem seit der Neuzeit beträchtlich ausdifferenziert hat und in überwiegendem Maß von Spielarten der Kurzprosa geprägt wird, die auf Modernität Wert legen, ohne ihre Herkunft aus älteren Traditionen zu leugnen. Auch herrscht Konsens darüber, dass sich die Disparatheit des Felds kaum durch die rigide Definition von Ausschlusskriterien vermindern lässt, mit der die hier interessierenden Formaspekte etwa auf Fragen der Gattung – erst recht nicht der literarischen – verengt werden könnten. Gattungen setzen zwar Formkonventionen voraus, doch verfestigt sich nicht jede Form zu einer Gattung, und speziell an den kleinen Formen, denen das Interesse des Kollegs gilt, lässt sich beobachten, dass sie unterschiedliche Genres durchwandern. Diese generische Beweglichkeit hängt mit dem Umstand zusammen, dass die ‚Kleinheit‘ der Formen von vornherein nur relational bestimmt werden kann: in Wechselbeziehung zu größeren Komplexen. Kleinformen entstehen als Abbreviaturen, durch Selektion und Verdichtung; sie stimulieren durch ihre Partikularität aber gleichzeitig Ergänzungen, können rekombiniert und amplifiziert werden und sich als Formen auf diesem Weg ganz unterschiedlich zur Geltung bringen.

Dem trägt der Ansatz des Kollegs Rechnung, indem er von einer terminologischen Zwangsvereinheitlichung absieht und den Akzent auf praxeologische Gesichtspunkte verschiebt, indem er die Kleinformen als Produkt und Motor von Kommunikations- und Zirkulationsprozessen ins Zentrum rückt. Anstelle von fixen Merkmalen werden damit die Dynamiken fokussiert, die sie in ihren jeweiligen Gebrauchszusammenhängen entfalten.

 

Forschungsansatz:
Ästhetik und Pragmatik
kleiner Formen

Ziel des Kollegs ist die Klärung der Funktionen und Leistungen, die diese Formen insbesondere in epistemischen, schulischen, bildungshistorischen, publizistischen und literarischen Praxiskontexten erbringen. Dabei ist die These leitend, dass die Kleinformen am Erwerb von Kenntnissen, an der Weitergabe von Erfahrungen und der Lenkung von Neugierden aktiv beteiligt sind und zugleich durch die entsprechenden Prozeduren sowie durch die in sie involvierten Medien selbst geformt werden.

Der Ansatz impliziert, dass ästhetische und pragmatische Faktoren in ihrer jeweiligen Interdependenz beleuchtet werden müssen. Statt typologische Verschiedenheiten unter literarischen und nicht-literarischen Kleinformen bereits vorab vorauszusetzen, soll deshalb einerseits gefragt werden, durch welche ästhetischen Bearbeitungen derlei Differenzierungen hervorgebracht oder aber unterlaufen werden. Andererseits ist zu klären, welche pragmatischen Produktions-, Zirkulations- und Rezeptionsbedingungen kleiner Formen über die Weite ihrer ästhetischen Spielräume entscheiden und ihrem Erfolg entgegenkommen oder im Weg stehen.

Zur Erschließung dieses weitläufigen Felds soll das Graduiertenkolleg einen gewichtigen Beitrag leisten, indem es Genese und Evolution kleiner Formen in der historischen Breite untersucht: in einer von der Antike bis zur Gegenwart reichenden Perspektive.

Es richtet den systematischen Fokus auf die Praxisfelder von Literatur, Wissenschaft (unter Einbeziehung des Schulunterrichts) und Populärkultur (in ihren vormodernen und modernen Spielarten der oralen ‚Volkskultur‘ und multimedialen Massenkultur).

Dabei sollen die Studien die Karrieren kleiner Prosaformen und -formate in den Vordergrund stellen, um die Gegenstände der Untersuchung auf den Bezirk der größtmöglichen Schnittmengen zu konzentrieren.

Im Blick auf die drei Praxisfelder lauten die übergeordneten Forschungsfragen des Kollegs:

  • Welche Kleinformen des Erzählens, Räsonierens und Darstellens konnten und können sich innerhalb dieser Felder etablieren, und wie werden mit ihrer Hilfe Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert, kritisiert und medienspezifisch kanalisiert?
  • Welche Austauschbeziehungen lassen sich zwischen den Feldern beobachten? Welche Wechselbeziehungen ergeben sich im Zuge ihrer Trennungsgeschichte, welche werden durch sie blockiert?
  • Welche Parameter bestimmen die Interdependenz von kleinen Formen, Gebrauchskontexten und Wissensproduktion?
  • Welchen Beitrag leisten gerade die kleinen Formen für den kulturellen Relevanzgewinn der Prosa insgesamt?

Die nähere Charakterisierung der Kleinheit kann dabei nicht auf quantitative Kriterien der Knappheit fixiert bleiben, sondern muss qualitative Gesichtspunkte – Konzentration, Verdichtung, Formalität, Aperçuhaftigkeit, Flüchtigkeit, minderes Prestige etc. – berücksichtigen. Das Kolleg wird die Modalitäten der Beschränkung, die das „Kleine“ der Form bedingen, deshalb als Wechselbeziehung verschiedener Faktoren untersuchen und dabei vor allem drei Aspekte unterscheiden: nämlich ästhetische, ökonomische und ökologische Gesichtspunkte, aus denen sich die Forschungsfragen ableiten, die in den Arbeitsschwerpunkten des Kollegs (vgl. 2.1 bis 2.4) verfolgt werden.

A   ästhetische Perspektive

In ästhetischer Hinsicht sind der Formcharakter und die repräsentative Kraft der Kleinprosa zu spezifizieren. Diese können sich heterogen darstellen und als Formstrenge ebenso ausprägen wie als Regellosigkeit, die selbst zur Regel wird. Dabei sind unterschiedliche Steuerungs- und Deregulierungsfaktoren im Blick zu behalten: die Rolle von Mustern und Vorbildern, Lehrwerken und Programmschriften in Prozessen der Normenbildung etwa, die Migrationen solcher Formen aber auch zwischen Wissenschaft, Literatur und Populärkultur. Hier ist danach zu fragen, welche Möglichkeiten der ästhetischen Bearbeitung solcher Orts- und Statuswechsel realisiert wurden (z.B. durch die Neubestimmung des Verhältnisses zur Rhetorik), welche hingegen ungenutzt geblieben sind.

In diesem Kontext bedürfen zudem die wissenschaftlichen Deutungsroutinen der damit verbundenen Transformationen einer kritischen Diskussion. Insbesondere betrifft das die Bewertung von Kleinformen als „einfach“ oder „komplex“, die konzeptgeschichtlich durch Jolles’ Einfache Formen nahegelegt wird. Zumeist sind mit der Zuschreibung von Komplexität Entwicklungshypothesen verbunden, die Steigerungen unterstellen: ob diese temporal begründet werden (als Modernisierung und Überwindung früherer Simplizitäten), sozial (als Hierarchisierung z.B. von höherer Kunst und primitiver Volks- und Massenkultur) oder personal (als Niveaugefälle zwischen Genies und Epigonen, ForscherInnen und LehrerInnen, SchriftstellerInnen und JournalistInnen, ExpertInnen und Laien). Gegenüber solchen Oppositionen, die ihrerseits simpel sind, wird das Kolleg auf die Interdependenzen von „einfachen“ und „komplexen“ Strukturen Wert legen müssen. So wenig die „Kleinheit“ der hier interessierenden Formen generell mit Schlichtheit gleichzusetzen ist, so wenig ist in genetischer Hinsicht von einsinnigen Ableitungen des Komplexen aus dem Einfachen auszugehen. Stattdessen ist im Blick zu behalten, dass Einfachheit nicht nur als Prämisse von Komplexitätssteigerung in Betracht kommt, sondern ebenso als Folge von Komplexitätsreduktionen. Darum muss typologisch differenziert werden, wie genau die jeweils beleuchteten kleinen Formen in diesem Spektrum einzuordnen sind, welche Komplexitätsgewinne sie ermöglichen, welchen Traditionsbrüchen und Neueinsätzen sie aber auch gerade durch absichtsvolle Vereinfachungen den Weg ebnen.

B   ökonomische Perspektive

In ökonomischer Hinsicht sind die Techniken, Darstellungs- und Aufzeichnungsverfahren sowie die materiellen und organisatorischen Zugzwänge des Haushaltens zu reflektieren, die dafür sorgen, dass der sprachliche und stilistische Aufwand in Grenzen gehalten werden kann. Auch hier kann man verschiedene Ebenen unterscheiden: die rhetorisch beschreibbaren Mittel der Abbreviatur, der Ellipse, der Pointierung und der Figuration, die dabei zum Zug kommen; die damit verbundenen Nähen und Abgrenzungen zu alternativen Formen der Verdichtung – namentlich zu Versformen, doch genauso zu Bildern –; das Knowhow von Techniken und Requisiten des Exzerpierens, Notierens, Buchführens, Sammelns und Verwaltens; die mechanischen und medientechnischen Gerätschaften mitsamt der dafür vorgesehenen Anwendungen bzw. applications zum cut & paste; schließlich die Kalküle von Zeit-, Platz- und Geldkosten, die keine großen Umschweife zulassen und für die erfolgreiche Durchsetzung der Kleinformen in den jeweiligen Praxisfeldern essentiell sind. Die Untersuchung solcher Formökonomien schließt die Berücksichtigung der vielfältigen portable media ein, die durch ihre Kleinformate (Notizbücher, Broschüren, Groschenhefte, Taschenbücher usf.), ihre Handlichkeit auch als Werkzeuge für die Tasche (Bleistifte, Reisefüller, Mobiltelefone usf.) die Ausbildung von Kleinformen begünstigen.

C   ökologische Perspektive

In ökologischer Hinsicht müssen schließlich die Umwelten beleuchtet werden, durch die das „Kleine“ der betreffenden Formen aufgewertet oder aber mit dem Stigma des Minderen und Inferioren belegt wird. Das beginnt bei den jeweiligen Textumgebungen, in denen kleine Formen produziert, in Umlauf gebracht und rezipiert werden und durch die sie ihren Stellenwert erhalten, von dem ihre funktionale Nützlichkeit wie ihre symbolische Wertschätzung abhängt. Wenn Texte – im Hinblick auf ihren Umfang wie unter Gesichtspunkten ihres normativen Gewichts – Größe beanspruchen, bilden sie Randzonen aus, über die sie als „Haupttexte“ definiert werden. So entstehen Paratexte, die sich ihnen unterordnen, indem sie Nebensächliches und Entbehrliches ausweisen, durch Titel und Kapitel, Kommentare und Glossen aber auch zu deren Konsolidierung beitragen, ihnen Autorität und Geltung verschaffen und sich durch die Wahrnehmung unterschiedlicher Funktionen von Textkritik – das Äußern von Dissens inbegriffen – selbst aufwerten. Andere intertextuelle Wechselbeziehungen ergeben sich, wenn kleine Formen unter sich bleiben oder das Ferment von Großformen (z.B. monographischen Studien, Biographien, Memoiren) bilden, die allererst aus ihnen hervorgetrieben werden.

Zur Ökologie der Kleinformen gehören des Weiteren die sozialen Umgebungen in Gestalt der Gruppen und Öffentlichkeiten, an deren Verständigung sie beteiligt sind und die sie – im mehrfachen Wortsinn – ‚unterhalten‘. Das Kolleg wird prüfen müssen, wo diese Kleinformen zur Erhöhung und zur Absenkung von Zugangsschwellen genutzt werden und dadurch exklusiv bzw. inklusiv wirken. Das macht eine genaue Untersuchung auch der Allianzen erforderlich, die diese Kleinformen mit den jeweiligen Kommunikationsmedien eingehen, über die sie zirkulieren. Greift man einen Vorschlag Niklas Luhmanns auf, so lassen Formen sich zunächst ganz generell als „feste Kopplungen“ von Elementen begreifen, die sich gegen die „losen Kopplungen“ von Medien differenzieren, wobei die Möglichkeiten des Mediums durch solche Formbildungen nicht nur verbraucht, sondern auch regeneriert werden. Luhmann diskutiert das Verhältnis von Form und Medium im Kontext der „Kunst der Gesellschaft“ und fasst dort seinen Medienbegriff allgemein, so dass er indifferent sowohl gegenüber den unterschiedlichen Ebenen der Materialität von Kommunikation – d.h. des Kanals und des Codes – bleibt als auch gegenüber der Verschiedenheit von Texttypen. Wenn man die Medienfrage dagegen konkreter auf Darstellungs- und Verbreitungsmedien sowie, damit verbunden, auf analoge und digitale Technologien zuspitzt, so müssen als formbildende Faktoren auch Prozesse der „Remediation“ – im Sinne der Adaptation eines Mediums durch ein anderes – berücksichtigt werden, genauso wie Phänomene der Regeneration kleiner Formen durch den Wechsel von Medien.

 

Indem das Kolleg die Genese und Evolution kleiner Formen über das je konkrete Zusammenwirken solcher ästhetischer, ökonomischer und ökologischer Faktoren nachzeichnet, trägt es dem Umstand Rechnung, dass diese Formen sich auf heterogene Texttypen und Paratextsorten der Kleinprosa verteilen, die weder in derselben Weise „klein“ sind noch einander als Formen ähneln, aber auf einer Beobachtungsebene zweiter Ordnung in eine gemeinsame Perspektive treten, sofern sie mit der Bandbreite ihrer Diminutivbildungen auf Praxisgebote, auf normative oder situative Zugzwänge zur Selbstbesch(n)eidung und Selektion reagieren.

Zur Strukturierung der Analysen wird das Kolleg vier Schwerpunkte setzen, die den Charakter von Querschnittthemen haben und Ebenen spezifizieren, auf denen kleine Formen in der Literatur- und Wissensgeschichte als Produkt und Motor von Kommunikations- und Zirkulationsprozessen virulent werden. So soll eine problemorientierte Untersuchung der Vorzüge und Leistungen gewährleistet sein, durch die sich diese Formen in Literatur, Wissenschaft und Populärkultur bewähren. Um den Nachweis zu führen, dass die betreffenden Kleinformen – im Sinne unserer Leitthese – am Erwerb von Kenntnissen, an der Weitergabe von Erfahrungen und der Lenkung von Neugierden aktiv beteiligt sind und sich in ihrer Prosa zugleich durch diese Praxiszwecke ästhetisch, ökonomisch und ökologisch ‚informiert‘ zeigen, bietet sich die Konzentration auf folgende Untersuchungsaspekte an:

  1. die Gebrauchsroutinen kleiner Formen in historischen Lehr-, Lern- und Forschungskontexten
  2. die Sammelaktivitäten, durch die sie verwaltet und (re-)generiert werden
  3. die Aktualitätsprogramme, mit denen sie auf Forderungen der Zeit reagieren
  4. die Theoriegeschichte kleiner Formen

 

→  Forschungsschwerpunkte

Gebrauchsroutinen –
Lehren, Lernen und Forschen
in kleinen Formen

Großen Bedarf an Kleinformen hat beizeiten schon die Rhetorik entwickelt, indem sie die Kunst des guten Sagens professionalisierte und damit auch auf die Poetik rückwirkte. Dichter sollten, wie Horaz riet, das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und ihr Publikum durch Lehrreiches erfreuen. Weil Poesie und Verskunst dabei allerdings – trotz früher Einsprüche Aristoteles’ – als synonym galten, standen Prosaformen in diesem Kontext lange Zeit gar nicht zur Debatte. Deren Konturen schärften sich zunächst in dem Maß, wie die Rhetorik systematisch Argumentationshilfen zum besten Redeerfolg erfasste. Für die kommunikative Vorratshaltung wurden Register angelegt, die den Rückgriff auf Gesagtes und Berichtetes, wo nötig auch Erdichtetes ermöglichten. Entwickelt waren diese Register als Archive von Mustern und Versatzstücken, die zur Weiterverwendung bereit standen. So erklärt sich die gezielte Kollekte kleiner Sentenzen und Historien, später auch von Beobachtungen, Gedanken und Einfällen, die gewährleisten sollten, dass der Aufwand der Beweisführung sich für ihre Nutzer in Grenzen halten ließ, indem sie ein rasches Herstellen von Evidenzen ermöglichten.

Ein erster Arbeitsschwerpunkt des Kollegs wird sich vor diesem Hintergrund den vielfältigen Dienstleistungen widmen müssen, die solche Kleinformen in der Unterrichts- und Erziehungspraxis, für den Bildungsbedarf, aber auch für Zwecke der Forschung, bei Invention und Improvisation erbringen. Für die Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen ihrer Ästhetik und Pragmatik werden insbesondere die folgenden Forschungsfragen leitend sein:

  • Welcher Art ist das Wissen, das durch sie gewonnen, vermittelt, gesichert oder erschüttert werden soll?
  • Welches Vorwissen, Unwissen oder Noch-nicht-Wissen setzen sie auf Seiten ihrer jeweiligen Nutzer und Adressaten voraus?
  • Welche Ökonomiegebote und ökologischen Zugzwänge ergeben sich daraus für die Ästhetik ihrer Form?
  • Wie wirkt die Ausdifferenzierung von Wissenschaft, Literatur und Populärkultur auf die Handhabung dieser Formen zurück?
  • Von welchen Faktoren wird eine Migration über deren Grenzen hinweg begünstigt?

Die Dissertationsprojekte können synchron oder diachron angelegt sein. Querverbindungen zu den anderen Forschungsvorhaben ergeben sich entweder über die typologische bzw. generische Affinität zwischen den Kleinformen, über historische Konvergenzen oder über die Analogie von Verfahrensrationalitäten. Den größten Gewinn für solche Verzahnungen versprechen wir uns von Projekten mit folgenden Akzentsetzungen.

Kleinformen als „little tools of knowledge“ I: Epistemologische Funktionen

Beispiele geben. Didaktische Kleinformen wie die Fabel und das Exemplum erteilen einer breiten Hörer- und Leserschaft Lektionen in Moral und Lebensklugheit, indem sie Geschichten – die im Fall des Exemplums historisch verbürgt sind – zu Lehrmeisterinnen des Lebens erheben. Prüft man die damit verknüpfte Epistemologie des Exemplarischen genauer, so erweist sich der Wechselbezug zwischen Beispiel und Regel, Einzelfall und Allgemeinheitsanspruch jedoch weder als konstant noch als trivial. Damit Exempel verlässlich als „autoritäre Fiktionen“ (Susan Suleiman) wirken, d.h. eine und nur eine Botschaft übermitteln, sind einige Zurüstungen nötig – und entsprechende Kunstfertigkeiten auf Seiten derer, die sie zur Überzeugungsarbeit brauchen. So erklärt sich die Prominenz dieser topischen Kleinerzählungen auch im Rhetorikunterricht selbst, wo sie über Jahrhunderte Paradebeispiele für die Einübung von Persuasionstechniken lieferten. De facto können sich aus dieser Praxis Kontinuitäten entwickeln, die zu den Regelbehauptungen quer stehen. Gerade an Fabeln lässt sich zeigen, dass die alten Erzählstoffe ein großes Beharrungsvermögen entwickelten, während die Lehren, deren zeitlose Geltung sie bestätigen sollten, laufend ausgetauscht wurden.

Aufzeichnungen machen. Das Ausmaß, in dem die Rhetorik Basis für die Wissensproduktion in Europa geblieben ist – durch das Training der eloquentia, aber auch durch die Steuerung von Mikroprozeduren im Ideenhaushalt – wird dabei womöglich noch immer unterschätzt. Wie jüngere Untersuchungen der Wissenschaftsgeschichte gezeigt haben, folgte gerade das Exzerpieren bis weit über das 17. Jahrhundert hinaus den Vorgaben einer gelehrten, durch Manuale vermittelten Technik. Konvolute wie Georg Christoph Lichtenbergs Sudelbücher kommen in diesem Licht weniger als Vorläufer des romantischen Aphorismus in Betracht denn als Exzerpthefte in der Tradition neuzeitlicher Notierpraktiken. Dagegen überwiegt in der Literaturwissenschaft die Tendenz, die seit dem 16. Jahrhundert rapide wachsende aphoristische Kleinprosa auf kritische Distanznahmen zu den Lehrsätzen rhetorischer Merkwelten zu durchmustern.

Um kleine Formen dieser Art – wie im Kolleg beabsichtigt – in ihrer Effizienz als „little tools of knowledge“ (Peter Becker / William Clark) zu erfassen, genügt es jedoch nicht, sie auf die Funktionen von Lehre und Kritik festzulegen. Es lohnt sich, auch die Verfahren des Suchens, Entwerfens und Erfindens zu erkunden, die sie organisieren und an Exerzitien und Beobachtungsrituale koppeln. Die historisch wechselnden Praktiken des Annotierens – aus denen Glosse und Fußnote hervorgehen, mit denen aber auch die Genese des Essays verknüpft ist – bieten dazu genauso ergiebiges Material wie Protokolle, Tabellen und Formulare, die für die Habitualisierung von Wahrnehmungsweisen und Denkstilen die nötige paper technology bereitstellen, oder Fragebögen und Interviews, mit denen empirisches Erhebungswissen generiert wird. Außerdem müssen Rezepte einbezogen werden, die Erfahrungswissen bündeln, gleichzeitig zum Experimentieren auf eigene Faust einladen.

Fakten schaffen. Mit der Präparation von Fakten wiederum verknüpft sich im späten 17. Jahrhundert, im Zuge einer Verlagerung der wissenschaftlichen Neugierde vom Wunderlich-Monströsen zum Unscheinbaren und Gewöhnlichen, eine prononcierte Rhetorik der Rhetorikvermeidung. Wenn Präzision, dem lateinischen Wortsinn von praecisio entsprechend, die „Abschneidung“ von Überflüssigem gebietet, so liefert dieses Ethos nicht nur eine Rechtfertigung für die Gradlinigkeit der Prosa (von prorsus, „geradewegs“), sondern lässt als Faktum überhaupt nur ein Artefaktum gelten, das erst durch die Reduktion aufs Knappe seinen nackten Kern enthüllt, sich aber genauso als Essenz und opaker Rest darstellen kann, der ein noch auszulotendes Entfaltungspotenzial in sich birgt. Im Eruieren solcher Potenziale liegt die Ratio von Skizzen und Notizen, die zwischen Einfall und Beobachtung, Gedankenspiel und nomothetischer Aussage, Faktographie und Epigrammatik changieren und in der Vielfalt ihrer Kleinformen an der Pluralisierung von Normen mitwirken, die Forschungsrationalitäten begründen. ‚Wahr‘ und ‚falsch‘ sind hier längst nicht die einzigen Urteilskriterien. Genauso erheblich ist für epistemische Prozesse die Abschätzung von ‚Fruchtbarkeiten‘, ‚Plausibilitäten‘ und ‚Anschlussfähigkeiten‘ angestellter Vermutungen und eingeschlagener Fährten.

Kleinformen als „little tools of knowledge“ II: Exemplarische Praxisfelder

Praxeologie der Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften. Während Forschungen dieser Art auf dem Feld der Natur- und Humanwissenschaften bereits sehr differenziert sind – etwa hinsichtlich der Verfahren des Notizenmachens oder der vielfältigen Typen von Fallgeschichten –, stecken vergleichbare Studien zu den Geistes- und Sozialwissenschaften noch in den Anfängen. Welchen Beitrag gerade Kleinformen des Schreibens und Publizierens für die Bildung und Kohäsion von (Gelehrten-)Netzwerken, Schulen und ›Richtungen‹ leisten, bleibt an Rezensionen, Briefwechseln, Streitschriften und Pasquillen genauso aufzuarbeiten wie an Widmungen und Vorworten, an Motti, Grußadressen und Empfehlungsschreiben. Wenn außerdem die Hypothese stimmt, dass als Laboratorium der Philologie das Seminar zu betrachten ist, noch vor Bibliothek und Studierstube, dürfen akademische Lehr-, Übungs- und Prüfungsformate nicht ignoriert werden. Das betrifft die wechselnden Standards der Vortragspraxis genauso wie die von Klausurtypen, Hausarbeiten und Referaten.

Didaktik des Sprach- und Literaturunterrichts. Ähnliche Fragen stellen sich, mit verschobenen Akzenten, für die schulische Wissensvermittlung: beispielsweise beim Unterricht in alten und neuen Sprachen. Mit Blick auf die „kleinen Gattungen“ hat Manfred Fuhrmann schon früher daran erinnert, dass diese einst – angefangen mit den Disticha Catonis – eine erhebliche Rolle in der abendländischen Schule spielten. Was in der Antike gang und gäbe war, avanciert in späterer Zeit zur Trumpfkarte von Reformpädadogen. Man kann das an den Kanonisierungserfolgen von Autoren wie Herodot studieren, der als Chronist der Persischen Kriege rezipiert worden war, bevor ihn preußische Gymnasiallehrer um 1800 als begnadeten Erzähler leichter Anekdoten entdeckten. Unter inversen Vorzeichen ist dafür ebenfalls die Karriere aufschlussreich, die im 20. Jahrhundert die Kurzgeschichte im Deutschunterricht machte, da sie hierzulande, anders als im angelsächsischen Raum, mit der arte povera der Nachkriegsliteratur synonym war und so die heikle Auseinandersetzung mit Faschismus, Weltkrieg und Holocaust vereinfachte.

Ausgeweitet werden muss die Perspektive jedoch außerdem auf die kleinen Textsorten, mit denen Grundfertigkeiten des Erzählens und Argumentierens trainiert werden. Deren Vielfalt wuchs im 18. Jahrhundert mit Novitäten wie dem Schulaufsatz, der erst dank der Schiefertafel zu dem werden konnte, was er war: eine Schreibübung in individueller Autonomie, zu der die Schrift die Form, die Tafel jedoch – indem sie ein Löschen und Neuschreiben nach Gusto gestattete – die unabdingbare Mechanik lieferte. Inzwischen wird großer Wert auf Präsentationstechniken wie Poster oder PowerPoint-Folien gelegt. Da sich die Fachdidaktiken zunehmend empirisch ausrichten, könnte die wissenshistorische Analyse solcher Entwicklungen ein Ansatz sein, um den Dialog mit aktuellen Forschungen in der Literatur- und Kulturwissenschaft wieder aufzunehmen.

Wissens- und Wissenschaftspopularisierung. Kleine Formen können Zugangshürden gering halten und Fach- und Sachwissen als Gemeingut verbreiten. Im 19. Jahrhundert erklärt das die Popularität des Tableaus, das Ästhetiken der Genremalerei für die Kleinprosa adaptiert. In Form von „Naturgemälden“ oder „Geologischen Bildern“ führt es bildungshungrige Leser an Erdkunde und Botanik heran und macht es Volkskundlern leicht, Regionalsitten und -gebräuche in Kulturbildern festzuhalten. Derzeit ist eine Konjunktur von Spielformen zu beobachten, die kleine Prüfungsrituale mit sportlicher Kompetition verquicken. In diesem Rahmen kann das Prinzip des prodesse aut delectare noch Formate des Kurzauftritts vom Typ der Science-Slams legitimieren, in denen Vortragende – meistens NachwuchswissenschaftlerInnen – unter hartem Zeitdiktat Sachverstand und Entertainer-Qualitäten beweisen. Im Glücksfall können sich daraus Blitzkarrieren ergeben, die in der Universität mit ihren epischen Bewährungszeiten unmöglich wären, dank YouTube aber Wirklichkeit werden: so im Fall der Medizinstudentin Giulia Enders, die 2014 mit ihrem Buch Darm mit Charme auf Anhieb einen Bestseller landete.

Arbeiten, die Fragen der hier umrissenen Art behandeln, werden in ihren Untersuchungen Ergebnisse von Forschungen zur „Materialität der Kommunikation“ berücksichtigen müssen, zu Kulturtechniken sowohl des Redens, Schreibens und Lesens wie des Zählens (im Hinblick auf Seiten, Kapitel, Zeilen, Verse, Bände, Fuß- oder Endnoten, Spalten, Listen etc.) und des Buchens (Tage- oder Hausbuchführung). Genauso sind medienhistorische Umbrüche in Rechnung zu stellen, die mit der Ausbreitung analoger, elektronischer und digitaler Medientechnologien einhergehen, schließlich sozial- und bildungsgeschichtliche Zugangsbedingungen zu Lehranstalten und Lernmedien.

 

 

Sammelaktivitäten –
kleine Formen
in größeren Corpora

Ein zweiter Arbeitsschwerpunkt des Kollegs ist mit den Praktiken und Medien des Sammelns verbunden, durch die kleine Formen verwaltet, gesichert und für die historische Überlieferung präpariert werden. Je kleiner die Form – so unsere Hypothese –, desto weniger verträgt sie den Singular, und desto eher ist sie in ihrer Ökonomie auf die Ökologie von Kollektionen und die Einlagerung in Großformen angewiesen. Zu untersuchen sind deshalb die medialen, materialen, generischen und editorischen Kontexte, in denen solche Formen gehortet, tradiert und rearrangiert, aber auch selbst zum Ferment für generische Evolutionen werden. Die Forschungsfragen lauten:

  • Welche Nachbarschaftsbeziehungen gehen die Kleinformen in solchen Kompilationen, Enzyklopädien, Werkkomplexen, Serien und Alben ein, inwieweit werden selektive Rezeptionen damit befördert oder erschwert?
  • Welche Folgen haben diese Kollektions- und Adaptionspraxen für die Formökonomie, Theoretisierung und Ästhetisierung der betreffenden Kleinprosa?
  • Welche Wissenstypen profilieren sich mit solchen Sammlungen?
  • Welche historischen Kontinuitäten zwischen Kleinformen werden durch solche Praxen gestiftet, welche Traditionsbrüche und Neueinsätze vorbereitet?
  • Wie werden über die Varianten der Kleinprosa hermeneutische Großzusammenhänge entwickelt oder unterlaufen?

Im Interesse größtmöglicher Synergieeffekte zwischen den Projekten sollen Dissertationen auf diesem Feld den Fokus einerseits auf die Ratio der Ordnungsverfahren richten, die für die Praxis der Kompilation und Edition grundlegend sind. Andererseits bietet sich die Untersuchung ausgewählter Sammlungen an, die Kleinformen in paradigmatischen Werkkomplexen verorten und darüber legitimieren, kanonisieren und privilegieren. Das gibt den folgenden Aspekten Vorrang.

Kleinformen als Sammlungsobjekte I: Funktionen des Hortens und Ordnens

Wissensreichtum anhäufen. Archive, Bibliotheken und Wunderkammern sind in den letzten Jahren vermehrt ins Blickfeld der Forschung geraten, und eingehend wurde an Speichertechnologien (von der Aktenablage über Registraturen, Karteisysteme und Zettelkästen bis hin zu Digitalisaten und elektronischen Datenbanken) gezeigt, wie diese zugleich an der (Re-)Produktion von Wissen, an der Stimulation literarischer Kreativität beteiligt sind. Damit sind wichtige Vorarbeiten geleistet, an die das Kolleg anknüpfen kann. Eine besondere Herausforderung stellen die frühneuzeitlichen Thesauri, Analecta, Commonplace-Books und Aeraria poetica dar, die von der Literaturwissenschaft lange gemieden wurden, seit einiger Zeit aber auf reges Interesse stoßen. Es handelt sich dabei um Sammlungen von Gleichnissen, Sprichwörtern, Adagia und Sentenzen, die als „Schatzkammern“ rhetorischer Topoi für die inventio angelegt sind. Typologisch halten diese Kollektaneen die Mitte zwischen generisch enger festgelegten Formen der Kompilationsliteratur einerseits und dem Sektor der „Buntschriftstellerei“ anderseits, in der Disparatestes nach dem Prinzip unterhaltsamer Varietät vermischt wird: im Sinne des Römers Aulus Gellius, der seine Noctes Atticae – das spätantike Paradigma solcher Kompilatorik – als Darbietungen einer „varia et miscella et quasi confusanea doctrina“ charakterisierte.

Da die enorme Bandbreite dieser Mischliteratur bislang erst in Ansätzen erforscht worden ist – auch in ihrer Kontinuität zu mittelalterlichen Sammelhandschriften und ebenso zu aktuellen Thesauri im Netz –, kann das Graduiertenkolleg hier in größerem Maßstab Erschließungsarbeit leisten. Neben der Unterscheidung von homogenen und „bunt“ angelegten Kompilatoriken dürfte es ratsam sein, verschiedene Typen von Kleinformen auseinanderzuhalten. Man wird solche Formen, die bereits als selbständige Kleingenres in die Sammlungen eingehen – Spruchweisheiten, Maximen, Scherzfragen, Rechtsformeln, Legenden –, von anderen unterscheiden müssen, die durch Abbreviaturen, durch Isolation und selektives Zitiert-Werden überhaupt erst entstehen: als Exempel, Apophthegmata, Exzerpte oder ›verdaulich‹ portionierte Auszüge in Anthologien vom Stil des „Reader’s Digest“ oder der „Beauties of…“.

Wissenstypen differenzieren. Zu untersuchen ist ferner, wie diese Sammlungscorpora zur Ausdifferenzierung von Wissenstypen – nach Weisheiten, Erfahrungsregeln, Erfolgsrezepten, kanonischem, häretischem oder esoterischem Wissen, offenen und intimen Geheimnissen – beitragen. Davon hängt ab, inwieweit dieses Wissen privat bewahrt oder publik werden soll. Anekdotensammlungen etwa zehren davon, dass sie Geschichten kolportieren, die Historikern als zu heikel oder nichtig gelten. Ihre Basis ist das Historem, verstanden als „smallest minimal unit of the historiographical fact“ (Joel Fineman). Anlass für das Ausbreiten von Randständigem anderen Typs – in Gestalt von Paralipomena, Exkursen, Quaestiones – wiederum bieten seit der Zeit des Humanismus Kommentare, in denen einzelne Gemeinplätze Aufhänger sein können für ein eklektisches Allerlei von Wissenswertem unterschiedlichster Provenienz.

Wissenserwerb leicht machen. Weil solche Kompilationen sowohl in einem Konkurrenz- als auch in einem Allianzverhältnis zu Enzyklopädien und Romanen wie zu Zeitungen und Zeitschriften stehen – darauf verweist bereits die Mehrdeutigkeit des Magazinbegriffs, der ursprünglich einen Stauraum bezeichnet –, muss außerdem geklärt werden, in welcher Weise solche Kompilationen nicht nur das selektive Interesse ihrer Verfasser und Redakteure bedienen, sondern auch das der Leserschaft. Zum einen betrifft das deren Lese-, Auslese- und Nichtlese-Gewohnheiten, die durch die Textökonomie und materiale Gestaltung der Sammelwerke und Magazine bedient werden (Typographie, Bild-Text-Verhältnis, Layout, Papier- und Buchformat) und erst kürzlich in den Mittelpunkt einer Begriffsgeschichte des Mediengebrauchs gerückt sind. Hinzu kommen zum zweiten die sozialen Gesprächsrituale und mündlichen Kanäle des ›Geredes‹, an denen solche Thesauri ausgerichtet sind. In barocken Kompilationswerken wie den „Conférences“ (Théophraste Renaudot) oder „Gesprächsspielen“ (Georg Philipp Harsdörffer) z.B. wird enzyklopädisches Wissen spielerisch vermittelt, im Rahmen einer inszenierten Unterhaltung, die ebenso geistreich wie „kurzweilig“ sein und durch ihre Gesprächsstoffe auch die Konversationskultur der LeserInnen befördern soll.

Von dort führt ein direkter Weg sowohl zu den apostrophierten „Conversations-Lexika“ des 18. und 19. Jahrhunderts, die ein „kurz gefaßtes Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der älteren und neueren Zeit“ (Untertitel des Brockhaus von 1809) liefern wollen, als auch zu den nachmaligen Sammlungen des mündlichen Zitatwissens von Zeitgenossen: Büchmanns „Geflügelten Worten“ oder Flauberts Dictionnaire des idées reçues, in dem Geflügelte Worte relativ rar sind, dafür aber der realistische Roman als Archiv bourgeoiser Gemeinplätze ausgebeutet wird. Des Weiteren kann man an die „-ana“-Literatur denken, in der die Buntschriftstellerei älteren Typs als residuales Spielfeld von Eigenbrötlern überlebt – vorzugsweise von Professoren und Künstlern – und Zeugnisse von deren geistiger Zerstreutheit anhäuft, aus denen die Restwelt ihre Anekdoten bezieht.

Kleinformen als Sammlungsobjekte II: Paradigmatische Werkkomplexe

Referenzwerke. Unter den Sammelwerken besitzen jene Corpora einen besonderen Rang, die durch ihren Aufbau, ihre In- und Exklusionen eine Referenzfunktion gewonnen haben und für die Pflege von Professionen und Künsten sowie für die Hegung von Disziplinen konstitutiv geworden sind. Ohne Thora, Bibel und Koran gäbe es keine Theologien, ohne Gesetzeskodices kein Recht, ohne Beispielsammlungen keine Kasuistik, ohne Magazine von Fallgeschichten oder Sammlungen von Märchen, Sagen und Mythen keine Erfahrungsseelenkunde und Kriminologie, keine Volkskunde, Ethnologie und Psychoanalyse. Einen analogen Status können für die Einweisung in Künste – die Koch- oder Arzneikunst z.B., aber auch die Rede- und die Dichtkunst – Rezeptsammlungen beanspruchen, die ein lokal gehütetes Praxiswissen auf den Punkt von Maßen und Formeln, Regeln und to do-Listen bringen, um auf diese Weise dessen kontrollierte Weitergabe zu ermöglichen.

Verbunden mit dieser Erfassung von Kleinformen als Exempel, Regeln, Fälle usf. sind in den betreffenden Kollektionen redaktionelle Eingriffe und zielgerichtete ›Reinigungen‹, die sicherstellen, dass die Einzelstücke wahlweise als integrale Teile eines gegliederten Ganzen, als repräsentative Muster, als typische Exemplare, ersetzbare Proben, Überlieferungsreste oder als Unica zur Geltung kommen und die Sammlungen entweder als geschlossene – vollständige – Corpora oder als offene – zu fortgesetzter Akkumulation einladende – Aggregate adressiert werden. Auswahl, Anordnung und Sequenzbildung können dabei ihrerseits dem Vorbild anderer historischer oder zeitgenössischer Sammlungen abgeschaut sein und Traditionsbezüge herstellen oder kappen. Gefragt werden muss deshalb nach den Redaktions- und Kompositionsprinzipien solcher Referenzwerke; nach den dadurch gestifteten Formparadigmen für die Kleinprosa; schließlich nach ihrem Autoritätsanspruch und ihrer Rezeptionslenkung.

Collected Works. Ein anderer Stellenwert wächst Kleinformen im Kontext von Sammlungen zu, die Lebenswerke bilanzieren, Charakterstudien anstellen oder über die Entwicklung von Subjekten Buch führen. Das Spektrum solcher Sammlungen reicht von staatstragenden Enzyklopädien wie der Biographia Britannica – einem Archiv kompakter Lebenslauf-Darstellungen von „most eminent persons“ im Dienst der englischen Nationalgeschichtsschreibung – über Kurzporträt-Reigen vom Typ der Brief Lives John Aubreys bis hin zu Tagebuchnotizen, Essays und Briefwechseln als Kleinformen einer écriture de soi. Diese lassen für introvertierte Meditationen ebenso Raum wie für Sprünge von Witz und Laune, auch für spontane Eingebungen in der jeweiligen „Schreibszene“ (Rüdiger Campe).

Eigene Studien verdienen in diesem Kontext Editionsprojekte, die das Schriftwerk Einzelner gebündelt darbieten, geleitet durchaus von werkpolitischen Kalkülen. Im 19. Jahrhundert kommt es zu einer enormen Verbreiterung der Palette von Collected Works, an deren Spitze die Gesamtausgaben einzelner Autoren stehen. Dass solche Ausgaben nicht nur unter allerhand kleinen Schriften anschwellen, sondern auch mit verworfenen Varianten sowie anderweitigen Bruchstücken aus dem Nachlass aufwarten – letztere oft auratisiert durch Faksimiles der Handschrift –, macht auf Seiten der Leserschaft die Würdigung solcher Aufzeichnungen nicht nur bequem möglich, sondern regelrecht zur hermeneutischen Pflicht. Eine andere Möglichkeit, Zerstreutes – jetzt im Sinn verstreut publizierter Kleinigkeiten – zusammenzutragen, bietet sich AutorInnen durch den narrativen Einschluss in Prosawerke zweiter Ordnung. Man kann das an Novellensammlungen im Stil des „Decameron“ zeigen, die im 19. Jahrhundert häufig durch Zweitverwertungen von Erzählungen zustande kommen, inseriert nun in Rahmenhandlungen, die deren Erzählt-Werden nachträglich motivieren, und zwar wiederum durch Gesprächsspiele.

Zugleich bleiben solche Konstruktionen fragil und lassen die Disparatheit der kleinen Geschichten in der Großerzählung keineswegs aufgehen. Inwieweit kleine Formen Anlass geben, um grands récits überhaupt mit Skepsis zu begegnen und Subsumtionen abzuweisen, steht nicht nur in der Literatur zur Debatte, sondern spätestens im 20. Jahrhundert auch in der Geschichtsschreibung. Ausdruck epistemologischer Skrupel werden dann Ansätze wie die microstoria sein, die aus partikularen Fallgeschichten, die anderen eine Fußnote wert sind, ganze Monographien heraustreibt. Dem entspricht im New Historicism der programmatische Rekurs auf Anekdoten, in der Sozialgeschichtsschreibung der Literatur – die damit ebenfalls wissenschaftlichen Reformbedarf anmeldet – der Verzicht auf Individualmonographien einsamer Fachgrößen zugunsten von Sammelbänden mit verteilter Autorschaft.

Serien – Alben – Netzwerke. Von solchen Kompilationen abzuheben sind die Verkettungsprinzipien von Serien, die insbesondere für die populäre Medien- und Wissenskultur prägend sind. Auf Kleinformate abonniert – die nicht umsonst in Groschenheften und Taschenbüchern zirkulieren –, entwickeln sie eine Vielzahl von Verfahren, um ihr Publikum für Fortsetzungen zu interessieren, die keine sequels sein müssen, sondern auch durch Reihen, Remakes oder transmediale Adaptionen garantiert werden können. Ähnlicher Beliebtheit erfreuen sich Alben, die als Bücher im Potentialis Freiraum für provisorische und reversible Kombinationen von Kleinformen und -bildern lassen, aus denen kein Werk hervorgehen muss.

Mit ihrer Ordnung der Wiederkehr stimulieren solche Alben im Kleinen, was das World Wide Web im Großen umsetzt, in dem es auf elaborierter technologischer Basis unendlich viele Verknüpfungsmöglichkeiten von posts ermöglicht. User werden durch solche neo-enzyklopädischen Strukturen zum cut & paste animiert, sind aber auch – in den Grenzen, die ihnen Programme und apps setzen – zur Kollaboration aufgefordert. Zu beobachten ist, dass kleine Formen dadurch nicht allein mit produktiven, sondern auch mit destruktiven Konsequenzen Auftrieb erhalten. Auf Zeitungs- und Nachrichtenforen etwa entwickelt sich der Leserbrief im Diminutiv des kurzen ‚Kommentars’ zum Ventil für rüde Pöbeleien.

Das Kolleg wird solche Gegenwartsentwicklungen zum Anlass nehmen müssen, um die Prädisposition der kleinen Form für kleine Formlosigkeiten auch in ihren reflexionsbehindernden Effekten zu bedenken. Zur Wissensgeschichte solcher Formen gehört – gerade im Zeitalter der Wissensgesellschaft – auch die Züchtung von Ignoranz. Aufgeworfen wird damit aber zugleich die Frage nach den Möglichkeiten der Protektion von Kommunikationssphären innerhalb der Netzwelt. Im Kontext des Kollegs sind insbesondere die technischen und ästhetischen Ökonomien jener little tools von Interesse, die User unaufdringlich, aber effizient einem Minimaltest unterziehen – als Passwörter bzw. passphrases und Captchas (Akronym für „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“) –, damit Schreibräume vor unerwünschten menschlichen MitleserInnen genauso geschützt bleiben wie vor mitlesenden Maschinen.

 

 

Aktualitätsprogramme
kleiner Formen

Ein dritter Arbeitsschwerpunkt des Kollegs liegt auf den ästhetischen, medientechnischen und ökonomischen Spielräumen, die kleine Formen ausschöpfen, um auf Aktualitätsforderungen zu reagieren. Leitend für die gemeinsame Arbeit sollen die folgenden Forschungsfragen sein:

  • Welche Kleinformen kommen dem Anspruch auf Zeitgemäßheit im Gefolge medialer Innovationsschübe besonders entgegen, und wie verändern und erweitern sich dadurch die Kriterien des Wissenswerten?
  • Welchen ökonomischen Diktaten werden sie dadurch unterworfen?
  • Mit welchen ästhetischen Verfahren operieren sie, um sich dem damit entstehenden Zeitdruck – durch Neuigkeiten, verkürzte Zeittakte und knappe Aufmerksamkeitsressourcen – zu beugen oder zu widersetzen?
  • Mit welchen Kleinformen und Medien treten sie in einen Aktualitätswettbewerb, und welche Synchronien und Asynchronien gestehen sie sich in diesem Umfeld zu?
  • Inwiefern sind kleine Formen damit zugleich an der Modellierung, Korrektur und Unterminierung von Geschichtsbegriffen beteiligt?
  • Wie wirkt die Emergenz neuer Kleinformen auf das Repertoire überkommener Kleinformen zurück?

Die hier verfolgten Dissertationsprojekte stehen in zwangsläufiger Kontinuität zu den Forschungen der bereits erläuterten Arbeitsschwerpunkte, verschieben den Fokus thematisch jedoch auf das zeitkritische Potenzial kleiner Formen und nehmen deren Evolution in Gebrauchskontexten in den Blick, die sich aus Medieninnovationen ergeben. Ins Zentrum rücken damit die Funktionalität und Attraktivität solcher Formen für die Information und Reflexion der Gegenwart über sich selbst.

Kleinformen als Zeitsonden I: Innovationsleistungen

Zeitschichten differenzieren. Mit der Neuzeit setzt, so die in der Forschung verbreitete Annahme, eine rege Proliferation kleiner Formen ein, in der sich eine Dominanz des Aktuellen und Ephemeren manifestiert. Kleine Formen gelten als große Nutznießer, Zeugen und Schrittmacher einer Moderne, zu deren Signaturen die Beschleunigung gehört – nicht zuletzt, weil Presse, Photo- und Phonographie, Telefon, Funk, Fernsehen und digitale Medien das Begehren nach immediacy steigern. Befördert wird dadurch zugleich eine intensive, philosophisch dominierte Reflexion des Prosabegriffs, die eine Neubestimmung seiner Semantik zur Folge hat. Ist der Terminus vor 1800 noch durch die Rhetorik geprägt – und in diesem Kontext gleichnamig mit der oratio soluta, der metrisch ungebundenen Rede –, so wird er nun zum Generalnenner für die „eigentliche Natur der Modernen“ (Friedrich Schlegel, Über das Studium der griechischen Poesie) und avanciert zum Angelpunkt von Zeitdiagnosen, die an den Veränderungen der Gegenwart zugleich deren Kontingenz konstatieren, wenn sie diese mit Attributen des Zerfalls verbinden. Vorgegeben sind damit jedoch vorerst Deutungsmuster mit geschichtsphilosophischem Weitwinkel. Zum Inbegriff moderner Verhältnisse erhoben, kommt die Prosa dort wahlweise als Revers eines Verlusts stabiler Ordnungen in Betracht oder als Resultat historischer Prozesse der Komplexitätssteigerung, die mit Rationalisierungs-, Technisierungs- und Verwissenschaftlichungsschüben erklärt werden.

Das Kolleg wird diese grands récits der Moderne schon deshalb einer Re-Lektüre unterziehen müssen, weil die Forschungsbeiträge zur neuzeitlichen Kleinprosa darauf vielfach zurückgreifen. Allerdings lassen sich damit Ungleichzeitigkeiten innerhalb der betreffenden Zeitalter sowie Kontinuitäten über die Epochenbrüche hinweg kaum erfassen. Im Blick auf die empirische Fülle an neuzeitlicher Kleinprosa soll deshalb untersucht werden, welches Zeitwissen ihre vielfältigen Formen transportieren, indem sie sich als up to date, als avantgardistisch, anachronistisch oder zeitlos profilieren und auf diese Weise auch ihre Affinität oder Distanz zu den jeweiligen Aktualitätsstandards ausstellen, die mit der Erscheinungsfrequenz und Übertragungsgeschwindigkeit der Verbreitungsmedien gesetzt werden, in denen sie auftreten.

Trends verzeichnen. Die Hausse neuer Kleinformen kommt im 15. Jahrhundert durch die Druckerpresse in Gang, die Kalender und Flugblätter en masse unters Volk bringt, um saisonal Relevantes oder Tagesaktuelles zu kolportieren und zu illustrieren. Zum Inbegriff kleiner Formen sind aber speziell jene Spielarten der Kurzprosa avanciert, die seit dem späten 18. Jahrhundert in Zeitschriften und Zeitungen gepflegt wurden. Das beginnt bei Romantiker-Fragmenten, die sich in ihrer ausgestellten Vorläufigkeit auf Prozesse des Werdens hin entwerfen, und führt über die journalistische „Zeitschriftstellerei“ von Autoren, die sich als „Geschichtstreiber“ statt als „Geschichtsschreiber“ (Ludwig Börne, Briefe aus Paris) begreifen, bis hin zu kurzlebigen Modeberichten, physiologies des Pariser Gesellschaftslebens, tagespolitischen Karikaturen und Großstadtfeuilletons. Alfred Polgars Apologie der „kleinen Form“, die 1926 betont, ihre „episodische Kürze“ sei „der Spannung und dem Bedürfnis der Zeit gemäß“ (Polgar, Orchester von oben), erhebt die Feuilletonminiatur zum paradigmatischen Genre für all jene, die sich, im Sinne Charles Baudelaires, als „Maler des modernen Lebens“ betätigen.

In den bisherigen Studien zur kleinen Prosa der Großstadt kommt neben der Ästhetik des Feuilletons die Pragmatik der gleichnamigen Zeitungsrubrik meist zu kurz. Dort finden noch immer vorrangig Essays und Denkbilder Beachtung, die sich durch ihre philosophische Dichte aus der Menge impressionistischer Skizzen herausheben. Das hat deren Abwertung zur minderen Dutzendware verschärft. Es bleibt ein Desiderat der Feuilletonforschung, in einer vergleichenden, über die Profile einzelner Autoren hinausgehenden Perspektive zu sondieren, wie divers die Kleinformen sind, die sich der Zeitgeistphysiognomik verschreiben, und wie sie mit den Produktions-, Vertriebs- und Rezeptionsbedingungen der Zeitung, aber auch mit der Informationspolitik ‚über dem Strich‘ interagieren – z.B. durch eigene Formate der Serienbildung. Zu fragen ist außerdem, wie solche Textformen im Internet und in E-Books neu kultiviert werden. Dann ist zu klären, wie darin ältere Textsorten (Brief, Reisebericht, Legende, Kommentar, Rezension) im Interesse der Aktualität zitiert, abgewandelt und umfunktioniert werden. Was Medienhistoriker als Remediation beschrieben haben – als Übersetzung und Integration eines Mediums in ein anderes –, lässt sich analog für generische Formprozesse geltend machen.

Neuigkeiten notieren. Die Beschleunigung und Erleichterung von Telekommunikationen bringt auch eine Erweiterung des Spektrums der Faktographie mit sich. Im journalistischen Tagesgeschäft erhält die Notiz eine neue Funktion. Aufgezeichnet werden jetzt keine Beobachtungen und Einfälle, sondern Vorfälle. Durch die knappe Mitteilungsform ist ein Minimalabstand zwischen Geschehen und Meldung garantiert, der nicht nur die Kolportage von Neuem, sondern von „Neuestem“ erlaubt. Eine systematische Dimension gewinnt die Sicherstellung von Aktualität durch Updates dort, wo die Korrelation von kleiner Form und Neuigkeit definiert, was Information heißt.

Als Neuigkeit wird das journalistische Faktum – das unterscheidet es von der wissenschaftlichen Tatsache – nicht für spätere Verwertungen festgehalten. Es fordert Aufmerksamkeit dadurch, dass es „das Infinitivische einer noch unabgeschlossenen Gegenwart in das Partizip Perfekt des Faktischen überführt und in dieser vorläufig definitiven oder definitiv vorläufigen Form zur Kenntnis bringt“ (Juliane Vogel). „Tatsachen“ vom Typ der faits divers – deren Konjunktur nicht von ungefähr steigt, als Presseagenturen für den raschen Umschlag von Telegrafiemeldungen aus aller Welt auf dem Nachrichtenmarkt sorgen – sind das Paradebeispiel für Kleinstnotizen, mit denen sich das Wissenswerte auf die Merkwürdigkeiten des Alltags ausdehnt und das Wunderbare neben dem Monströsen im Gewöhnlichen aufscheint: in Lottogewinnen, glücklichen Rettungen, Unfällen, Gaunereien oder mysteriösen Todesfällen. In der Rubrik des „Vermischten“ sammelt die Presse allerlei bunte Realitätssplitter auf, die sich auch in dem Sinn als nackte Tatsachen darstellen, dass sie sonst nichts preisgeben und mithin ungewiss bleibt, ob dahinter eine Geschichte steckt, die ausgegraben zu werden lohnt.

Kleinformen als Zeitsonden II: Hotspots der Aktualitätsbewirtschaftung

Novellistik. Literarisch profitiert vom enormen Wachstum des Faktenmarkts zunächst die Novelle, die von den Stoffvorräten der tradierten historia abrückt, von der Lizenz zur blanken Fiktion aber selten Gebrauch macht und dem Erfinden das Vorfinden vorzieht. Unter verschobenen Vorzeichen kommen Prinzipien der rhetorischen inventio dort neu zur Geltung. Näher zu untersuchen ist aber in synchronen und diachronen Studien, wie die Novellen selbst die Fasslichkeit ihrer Form verteidigen, indem sie sich einerseits ein Anschwellen zu epischer Breite versagen, andererseits bei der Schilderung unerhörter Begebenheiten ins Detail gehen. Man kann dabei – wiederum – alle möglichen Anverwandlungen von anderen Kleinformen beobachten: von rhetorischen Formularen des Exemplums z.B., die oft jedoch contre cœur verwendet werden, wenn die Moraldidaxe primär als Alibi für ein Erzählen herhält, das die neugierige Leserschaft lieber unterhalten als belehren will. Auch trifft man auf Fallgeschichten, die zur Gegendarstellung genutzt werden. Als Quelle „unwahrscheinlicher Wahrhaftigkeiten“ (Heinrich von Kleist), die gegen die Wahrscheinlichkeit der Geschichte in Stellung gebracht werden, erhält außerdem die Anekdote beträchtlichen Kredit. Ebenso begierig saugt die Novellistik das mündliche Gerede auf und kolportiert die Geschichten, die dort zirkulieren. Selbst alte Sagen. Wenn man das nicht als Regression beargwöhnen oder, umgekehrt, der Progressivität einer Erzählliteratur zugutehalten will, die ihr höheres Niveau beweist, indem sie die Einfachheit oraler Formen ‚vorführt‘, so wird man die komplexen zeitgenössischen Nachrichtenlagen eingehend studieren müssen, in die sich die Novellen einschalten – nicht zuletzt, weil sie ihr Publikum selbst über Zeitungen und Zeitschriften erreichen.

Avantgarden. In den Avantgarden seit 1900 findet die Lakonik der kleinen Faktenprosa einen eigenen Resonanzraum. Einerseits springen hier experimentelle Schreibweisen und Ästhetiken des Minimalismus ins Auge, in denen sich Lyrik und Prosa – wie zuvor schon in Baudelaires wegweisenden Petits poèmes en prose (1857) – einander annähern. Im Gegenzug wächst damit der Rätselcharakter der Kleinformen. Es entstehen Texturen an der Grenze der Unverständlichkeit, in denen auch das Banalste bizarr wirkt und Skurriles normal erscheint. In spanischen und lateinamerikanischen microrrelatos, amerikanischen Formen der sudden fiction oder flash fiction sowie skandinavischen „Punktromanen“ aus den 1990er Jahren (Merete Morken Andersen, Helle Helle, Christina Hesselholdt, Hanne Ørstavik u.a.) finden solche Mikroerzählungen jüngere Nachfolger.

Andererseits motiviert der Anspruch, an der Radikalverfremdung der Wirklichkeit zu arbeiten, um das Neue an ihr freizulegen, kollektive Sammelaktivitäten im Interesse des Dokumentarischen. Sergej Tret’jakov zum Beispiel beginnt im revolutionären Russland, knappste „očerks“ (Skizzen) anzufertigen, um auf dem Weg des reflexionslosen Schnellschreibens die eigene Wahrnehmung zu entautomatisieren. Wenn zur selben Zeit die Aktivisten des DADA zur Schere greifen, um das Material ihrer Collagen aus Zeitungsabfällen zu generieren, so stehen hinter diesen cut & paste-Techniken hingegen maliziöse Zeitbeobachter, in deren Montagen die Restwelt ihre eigene Absurdität sehen soll. Derzeit kommt dem zumindest dem Verfahren nach eine Popliteratur nahe, die Songfetzen, Werbeslogans und Markennamen aufliest und Romane als Enzyklopädien von Zitaten mit generationellem Signalcharakter anlegt. Hier sind neue Archivisten am Werk, deren Arbeitsformen sich als Aktualisierungen älterer Exzerpierpraktiken studieren lassen – wobei die Notationen nun Kommunikationen festhalten, die sich „gerade eben jetzt“ (Eckhard Schumacher) ereignen.

Plattform Internet. Wer ein Smartphone besitzt, kann solche Rückkopplungen der Gegenwart mit sich selbst inzwischen nicht nur schreibend und lesend, sondern auch audiovisuell und telekommunikativ produzieren – an jedem Ort und zu jeder Zeit. Als Kurznachrichtendienste sind Live-Ticker, Twitter und SMS auf Updates im Sekundentakt eingestellt und rechnen mit schreibenden followers, die ihre timeline ständig im Auge haben. Daraus ergeben sich Kommunikationsgewohnheiten, die bisher geltende Form- und Funktionsdifferenzen einebnen, sie zumindest in operativer Hinsicht belanglos machen. Im Gezwitscher von Tweets und Re-Tweets gehen Mündlichkeit und Schriftlichkeit nahtlos ineinander über. Ebenso kollabiert der Unterschied zwischen schriftlicher und bildlicher Aufzeichnung. Integriert in Mobiltelefone, können Digitalkameras alles Mögliche per Knopfdruck aufnehmen und ermöglichen ihren BenutzerInnen stets und überall das Produzieren, Versenden, Revidieren und Rekonstellieren von Filmen, wobei das „Teilen“ oft wichtiger ist als das Mitteilen.

Das Kolleg wird sich vor diesem Hintergrund nicht nur mit jenen Typen von posts beschäftigen müssen, die durch rigide Zeichen- und Zeitvorgaben auf Kürzestformate festgelegt sind – dazu zählen mittlerweile auch Plattformen wie Vine oder Instagram, auf denen Filme von 60 bzw. 15 Sekunden hochgeladen werden können –, sondern auch die Strukturen der Serialität zu diskutieren haben, die durch sie hervorgebracht werden. Wenn Bilder ihre Wirksamkeit vor allem in Prozessen entfalten und jeder Tweet mit seiner Verdrängung durch den nächsten rechnen muss, lässt sich von ‚kleinen‘ und ‚großen‘ Formen kaum mehr trennscharf sprechen. Tatsächlich stimuliert Twitter sowohl den spielerisch-kompetitiven Umgang mit pointierten Schreibweisen bzw. Bildsequenzen, die eine Nähe zum Aphorismus und Witz haben, als auch ein instantanes Schreiben im Dauerfluss und mit dem Selbstverständnis eines filterlosen, unentwegten dumb writing, bei dem jede Ambition des Scharfsinns nur stört. Welche Formen der Faktographie davon begünstigt werden, bleibt zu sondieren.

 

 

Theoriegeschichte
kleiner Formen

Die Aufarbeitung der Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen muss die Erforschung der Theoriegeschichte von Formkonzepten einschließen. Darin kommen die kleinen Formen sowohl als Gegenstände der Reflexion in Betracht wie als Formen, in denen solche Reflexionen – auch über große Formen – sich vollziehen. Die Untersuchung soll von folgenden Forschungsfragen ausgehen:

  • Welche historischen Formbegriffe aus dem Kontext von Rhetorik, Poetik und Literaturtheorie sind vorauszusetzen bzw. zu aktualisieren, um den Formcharakter der jeweils beleuchteten kleinen Formen zu kennzeichnen? Welches analytische Vokabular bieten die AutorInnen bzw. HerausgeberInnen von sich aus an?
  • Welche aktuellen Formkonzepte sind für die theoretische Beschreibung der Formtypen nützlich?
  • In welchem Verhältnis stehen die jeweiligen Formkonzepte zu Gattungs- und Medienbegriffen? Unter welchen Prämissen sind Gleichsetzungen möglich, wo differenzieren sie sich gegeneinander aus?
  • Welche Aufwertungen bzw. Stigmatisierungen sind mit ihrer Adressierung als kleine Formen verbunden?
  • Welche Vorzüge bzw. Defizite gegenüber großen Formen werden dabei geltend gemacht?
  • In welcher Weise wird das „Kleine“ in solchen Kontexten zum Gegenstand literaturtheoretischer Programmatik?

Auch hier können Dissertationsvorhaben synchron oder diachron angelegt sein, wichtige Theoriepositionen behandeln oder Debattenkontexte aufarbeiten. Nahe liegt eine besondere Berücksichtigung der folgenden Bereiche.

Rhetorik. Die griechische und römische Rhetorik theoretisiert kleine Formen im Teilbereich der Topik und erfasst sie dort als Gemeinplätze für den kommunikativen Wiedergebrauch. Die Begründungen für den Aufbau solcher Inventare verquicken Desiderate der inventio mit Maßgaben der elocutio, die sich etwa aus den virtutes narrationis – in denen das brevitas-Ideal eine Rolle spielt – oder der Dreistillehre und ihren Angemessenheitskriterien für die Gattungen der Rede ergeben. Welche Kleinformen dank solcher Stilideale Mustergültigkeit erlangen und in welcher Weise historische Unterrichtswerke mit ihren Abschreibesystemen zu deren Konstitution und Stabilisierung als Formen beitragen, ist in historischen, auf das Mittelalter und die Frühe Neuzeit ausgreifenden Analysen jedoch weiter zu klären. Dabei muss zugleich sondiert werden, wie sich kleine Vers- und Prosaformen gegeneinander profilieren. Ebenso lohnenswert erscheint es, historische Debattenschauplätze aufzusuchen, an denen solche Kleinformen in die Kritik geraten bzw. an denen ausgehandelt wird, durch welche Neulegitimationen und daraus abgeleiteten Reformanstrengungen sie das vorgebliche Ende der Rhetorik überdauern.

Poetik und Ästhetik. Auf dem Fundament der Rhetorik basierend, sind es vor allem die im 16. und 17. Jahrhundert in Italien, Frankreich und England entstehenden Poetiken, die im Interesse der Sicherung gelehrten Regelwissens an der Zusammenstellung eines Katalogs von Normen – jetzt bezogen auf poetische Gattungen im engeren Sinn – arbeiten. Dass die Regulierungseffekte dieser Lehrwerke auf Europas Literatur sich tatsächlich in Grenzen gehalten haben dürften, tut der Langzeitwirkung keinen Abbruch, mit der diese Poetiken den geschmacksrichterlichen Diskurs über Dichtung und Literatur geprägt haben. Kleine Formen sind darin keineswegs ausgespart. Sie bleiben aber eben auf die Versgattungen beschränkt – und werden hier sogar mit Vorrang behandelt. Schon für die Kunstbegriffe der Antike setzen Elegie, Satire und Epigramm höchste Maßstäbe, weil ihr beschränkter Umfang die wahren Meister verlangt. Dagegen kommt die kleine Prosa in diesen Verständigungen nicht in Betracht. In den alteuropäischen Ordnungen des Redens und Schreibens bleibt ihr Stellenwert trotzdem solange unangefochten, wie ihr durch die Rhetorik pragmatische Funktionen und klar bezeichnete soziale Einsatzorte zugewiesen sind.

Das ändert sich, als die Verbindlichkeit der Redekunst und ihrer Regeln und Erfolgsrezepte erodiert und Ästhetiken entstehen, die zwar die Prosa neu bewerten, dabei aber vor allem auf den Roman Bezug nehmen. „Hierdurch wird die Kleine Prosa gleich mehrfach ausgegrenzt: sie ist keine große Prosa, und sie ist keine kleine Lyrik“ (Thomas Althaus / Wolfgang Bunzel / Dirk Göttsche). Nicht nur die emergierenden Formen der Kleinprosa selbst, sondern auch die Reflexionen über sie und ihren Formcharakter sind deshalb darauf angewiesen, sich auf Ränder, Schwellen und Zwischenräume zu verlagern. So erklärt sich die Bedeutung, die Briefe, Vorworte, Rezensionen usf. für die Verständigung über die Vorzüge und Grenzen solcher Formen gewinnen. Als Paratexte werden sie zur Plattform für die Kommentierung anderer Formen und Genres. Als Produkte eines Schreibens, deren Formen und Stile nur individuell zu kennzeichnen sind, charakterisieren sie sich aber auch selbst.

Evident ist das insbesondere bei der philosophischen Gedankenprosa und experimentellen Kurzprosa, die mit anspruchsvollen, emphatisch vertretenen Formkonzepten aufwartet. So schwer sich diese Texttypen begrifflich auf einen Nenner bringen lassen – Aphorismen sind als „Réflexions“ (La Rochefoucauld) oder „Pensées“ (Pascal) verzeichnet und in „Sudelbüchern“ (Lichtenberg) notiert, Feuilletons als „Spaziergänge“ und „Seifenblasen“ (Walser) betitelt –, so sehr muss sich ihr Selbstverständnis im Medium ihrer selbst erläutern: als Reflexion der kleinen Form in praxi. Friedrich Schlegels Fragmente sollen in ihrer Partikularität zugleich die Unverfügbarkeit des Ganzen ausstellen, das sie anvisieren. Die Erkundungen des Essays als Form brauchen bei Lukács, Bense und Adorno notwendig die Form des Essays. Auch viele Feuilletons handeln vom Feuilletonschreiben, wenngleich oft aus apologetischen Gründen: zur Abwehr des Verdachts der Banalität. „In der AUFZEICHNUNG (so wie ich sie verstehe), komprimieren sich das NOTARE und das FORMARE“, notiert Roland Barthes über die von ihm geschätzte Kleinform der Notiz (Die Vorbereitung des Romans).

Weitere Konturen können diese Formbegriffe, die im Zuge dieser Diskussionen entwickelt und verteidigt werden, durch ihre theoriehistorische Einordnung gewinnen. Darum ist herauszuarbeiten, von welchen traditionellen und gegenwärtig favorisierten Formkonzepten sie sich absetzen. Erforderlich ist dazu nicht nur eine Rekapitulation der Ein- und Ausschlüsse, die Referenzwerke in Poetik und Ästhetik dekretieren. Aufgearbeitet werden muss genauso, wie in den betreffenden Reflexionen die kleinen Formen zueinander ins Verhältnis gesetzt werden, welche immanenten Hierarchiebildungen in der Rezeption daraus erwachsen und welche genealogischen Beziehungen auf diese Weise verschüttet werden. Dabei ist die vergleichende Betrachtung der Diskussionen wichtig, die in den verschiedenen Disziplinen – häufig unter Missachtung der jeweils anderen – geführt werden.

Theorieprogramme des 20. Jahrhunderts. An den jüngeren Theorieprogrammen fällt die Regelmäßigkeit auf, mit der sie sich auch vormodernen Kleinformen zuwandten. Prononcierter gerieten die Strukturen dieser Kleinformen in den Blick, als die Literaturtheorie der 1960er Jahre Linguistik und Poetik miteinander engführte. In der Folge des linguistic turn verlagerte sich das Interesse von der Hermeneutik individueller Kreationen auf typische Erzählgrammatiken, die zugleich die Grundlage schufen, um den Literaturbegriff zu erweitern und auf die ‚Texte‘ und Formenrepertoire der Massenkultur auszudehnen. Den Anstoß dazu gaben Formalisten und Strukturalisten, die Volksmärchen, Mythen und Bibellegenden minutiös sezierten. Deren Ergebnisse wurden durch eine umfassende Kultursemiotik aufgenommen, an die inzwischen narratologische Makromodelle anknüpfen.

Untersucht wurden „einfache Formen“ – darunter wiederum Märchen und Mythe – aber zuvor schon bei André Jolles, der sie 1930 ins Zentrum einer Morphologie auf anthropologischer Basis stellte. Wie seit dem 18. Jahrhundert häufig zu beobachten, kreuzt sich die Literaturtheorie hier mit der Geschichte anderer Humanwissenschaften, die für die Begriffsbildung Konzepte anbieten, von der Literaturtheorie im Gegenzug aber auch mit deren Hypothesen über ›den‹ Menschen, seine Natur- und Kulturhistorie beliefert werden. Das lässt es lohnenswert erscheinen, speziell die einfachen Kleinformen als Leitfossilien einer Wissenschaftsgeschichte der Literaturwissenschaft ernst zu nehmen, die aufklärt, welche Form-Konjunkturen und -Theorien sich hier durch die Koevolution von Volkskunde, Ethnologie und Anthropologie entwickeln.

Eigene Studien verdienen schließlich die theoretisch-programmatischen Reflexionen kleiner Formen, die von Nietzsches Perspektivismus – als Hintergrund seiner Aphoristik – und Musils Essayismus bis hin zu gegenwärtigen Poetiken des Kleinen reichen. Hier ist etwa an das Konzept der „kleinen Literatur“ zu denken, das nach wie vor eine hohe politische Strahlkraft besitzt. Aus Kafkas Notizbüchern entlehnt, haben Gilles Deleuze und Félix Guattari den Term in den 1970er Jahren auf Idiome aller Art bezogen, die „minoritär“ sind, sofern sie von einer hegemonialen Form abweichen und mit dem Stigma des Minderen behaftet bleiben. In jüngeren Globalisierungsdebatten ist das auf (National-)Literaturen gemünzt worden, die keine internationale Marktmacht besitzen. Theoriepolitisch motivierte das Konzept aber auch einen minoritären Publikationstypus, der zur Formulierung dissidenter Positionen einlud: kleine Bücher; Separatdrucke von Aufsätzen, Einzelvorlesungen und öffentlichen Interviews; Bände mit rhizomatischem Aufbau, in denen „tausend Plateaus“ miteinander kommunizieren. Man kann darin Remediationen des Essays als Theorieform erkennen, die sich strengen Systemidealen entzieht. Schreibweisen des Zeitalters digitaler Vernetzungen, mit denen sich zugleich bestimmte online-Foren profilieren – gerade von Theorieverlagen und Zeitschriften mit ambitionierten Programmen der Gegenwartsreflexion –, können sich hier problemlos antizipiert sehen.

Das Studienprogramm sieht ein gestaffeltes Ausbildungskonzept vor, durch das sich der Arbeitsverlauf der DoktorandInnen in drei Phasen (Konzept-Phase, Profil-Phase, Final-Phase) gliedert. Es baut sich aus sechs Komponenten auf.

Pflichtveranstaltungen

Basisseminar (wöchentl., 2 SWS; obligatorisch für alle DoktorandInnen im 1. und 2. Semester): Das Basisseminar dient der gemeinsamen Erarbeitung zentraler Aspekte der vier Forschungsschwerpunkte und soll die historische und systematische Konturierung tragfähiger Formbegriffe mit der problembezogenen Vermittlung praxeologischer Forschungsansätze verbinden.

Plenum (14-tg., 2 SWS): Hier sollen die KollegiatInnen über den Fortgang ihrer Dissertations- und PostDoc-Vorhaben berichten und die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis einüben.

Praxiswerkstatt (14-tg., 2 SWS, ergänzt um Labors): Die Praxiswerkstatt soll die praxeologische, medien- und wissenshistorische Orientierung des Kollegs ausbauen und mit einem bedarfsgerecht gestalteten Angebot an Übungen und Arbeitsgesprächen verknüpfen. Die Praxiswerkstatt setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  1. einem 14-tägig stattfindenden Seminar, an dem alle Graduierten teilnehmen;
  2. eintägigen Labors, die fakultativ – je nach Ausrichtung der geförderten Projekte – besucht werden können und in denen die Graduierten zugleich Einblick in verschiedene Ressorts und Berufsfelder – von ArchivarInnen, BibliothekarInnen, LektorInnen, VerlegerInnen, ZeitungsredakteurInnen, LiteraturkritikerInnen, Online-JournalistInnen etc. – erhalten. Jede/r DoktorandIn sollte an mindestens einem Labor pro Semester teilnehmen.

Retreats (Ende des 1. und Anfang des 5. Semesters, obligatorisch für alle Graduierten): Die Retreats sind als mehrtägige Klausurtagungen des Kollegs außerhalb Berlins konzipiert. Neben den KollegiatInnen sollen daran beteiligte bzw. assoziierte HochschullehrerInnen sowie GastwissenschaftlerInnen teilnehmen. Die zweite Klausurtagung »50 Seiten Manuskript« ist der kritischen Diskussion fertiger Dissertationskapitel vorbehalten; die PromovendInnen dürfen als KommentatorInnen auswärtige GastwissenschaftlerInnen ihrer Wahl einladen.

Wahlpflichtveranstaltungen

Hier haben die KollegiatInnen bei der konkreten Ausgestaltung weitgehende Planungsfreiheit und werden von den beteiligten HochschullehrerInnen des Kollegs unterstützt.

 

Projektveranstaltungen: Die Projektveranstaltungen können zu Vorträgen, Workshops und Tagungen genutzt werden, um im Dialog mit GastwissenschaftlerInnen einzelne Aspekte des Forschungsprofils aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und mit Rücksicht auf die spezifischen Interessen der KollegiatInnen zu vertiefen.

Kursprogramm Schlüsselkompetenzen: In Zusammenarbeit mit der Humboldt Graduate School werden Veranstaltungen zum Erwerb überfachlicher Schlüsselkompetenzen angeboten, die von den KollegiatInnen, je nach Bedürfnis, genutzt werden können

Überblick über das dreijährige Studienprogramm

Studienprogramm
PromotionsstellenEnglish version below
 
 

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs 2190

Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen
(The Literary and Epistemic History of Small Forms)

sind zum 1.6.2017

5 Promotionsstellen (TV-L 13, 65%, Laufzeit 3 Jahre) — DR/032/17

zu besetzen. Das Graduiertenkolleg beschäftigt sich mit der literatur- und wissenshistorischen Dimension kleiner Prosaformen von der Antike bis zur Gegenwart und konzentriert sich auf deren Funktion in unterschiedlichen Praxisfeldern: Literatur, Wissenschaft und Populärkultur. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Wechselverhältnisse zwischen ästhetischen, epistemischen und praxeologischen Aspekten kleiner Formen. Genauere Informationen zum Forschungsprogramm des Kollegs sind abrufbar unter: Forschungsschwerpunkte.

Bewerbungsvoraussetzungen
Die Stellen sollen an NachwuchswissenschaftlerInnen aus literatur-, geschichts-, kultur- oder medienwissenschaftlichen Fächern vergeben werden. Bewerbungen aus dem Ausland sind ausdrücklich erwünscht. Die BewerberInnen um die Promotionsstellen müssen überdurchschnittliche Leistungen, insbesondere beim Hochschulabschluss (Master, Master of Education, Staatsexamen oder Vergleichbares), vorweisen.

Die Bewerbungen sollen folgende Unterlagen umfassen:

  • Exposé eines Arbeitsvorhabens (bis zu 10 Seiten einschl. Zeitplan)
  • Arbeitsprobe (Ausschnitt aus Abschlussarbeit, 15–20 Seiten)
  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Kopien der Hochschulzugangs- und Universitätsabschlusszeugnisse
  • Empfehlungsschreiben von zwei HochschullehrerInnen
  • BewerberInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch oder Englisch ist, sollten Sprachnachweise für Deutsch (C1 / DSH 2 / ZOP / TestDaF 4 / DSD II) oder Englisch (B2 / IELTS 5.0 / TOEFL 500-170-80 / Cambridge Examination CEA / 7 Jahre Englischunterricht in einer deutschen Schule) beibringen

Zur Sicherung der Gleichstellung sind Bewerbungen qualifizierter Frauen besonders willkommen. Schwerbehinderte BewerberInnen werden bei gleicher Eignung bevorzugt.

Ihre Bewerbungen richten Sie bitte bevorzugt in elektronischer Form (in einem PDF-Dokument per E-Mail) bis zum 16.4.2017 an den Sprecher des Kollegs:

Prof. Dr. Joseph Vogl
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für deutsche Literatur
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin

Bitte beachten Sie unbedingt die Rubrik Termine!

 

Doctoral Positions
 
 

Within the framework of the DFG-supported Research Training Group 2190

Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen
(The Literary and Epistemic History of Small Forms)

we are accepting applications for

5 Doctoral Positions (TV-L 13, 65%, duration of 3 years) — DR/032/17

to begin on 1 June 2017. The Research Training Group analyzes small forms from a literary perspective and with regard to the history of knowledge, from antiquity to the present, and concentrates on their functions in different fields of praxis: literature, science, and popular culture. The main focus is on the interrelationships between aesthetic, epistemic, and praxeological aspects of small forms. Further information about the group’s research program is available at: Forschungsschwerpunkte.

Application Requirements
The positions will be awarded to young researchers from the fields of literature, history, cultural and media studies. Applications from abroad are particularly encouraged. Applicants for a doctoral position must be able to demonstrate outstanding accomplishments, in particular in their university degrees (Master, Master of Education, state examinations for teachers, or equivalents).

Applications should include the following materials:

  • Summary of the research project (maximum 10 pages, timeline included)
  • Reading sample (excerpt from the master’s thesis, 15–20 pages)
  • Tabular curriculum vitae
  • Copies of academic transcripts
  • Applicants who are not native speakers of German or English will need to provide language certificates for German (C1 / DSH 2 / ZOP / TestDaF 4 / DSD II) or English (B2 / IELTS 5.0 / TOEFL 500-170-80 / Cambridge Examination CEA / 7 years English instruction on a German school)

Please submit your application preferably in electronic form (as a single PDF per email) by 16.4.2017 to the Speaker of the Research Training Group:

Prof. Dr. Joseph Vogl
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für deutsche Literatur
Unter den Linden 6
D-10099 Berlin

 

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Prof. Dr. Joseph Vogl (Sprecher)
Institut für deutsche Literatur

Prof. Dr. Philipp Felsch
Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Susanne Frank
Institut für Slawistik, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Stefan Kipf
Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Verena Lobsien
Institut für Anglistik und Amerikanistik, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Steffen Martus
Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Ethel Matala de Mazza
Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Helmut Pfeiffer
Institut für Romanistik, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Lena Rohrbach
Nordeuropa-Institut, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Hans-Jürgen Scheuer
Institut für deutsche Literatur, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Ulrich Schmitzer
Institut für Klassische Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Helga Schwalm
Institut für Anglistik und Amerikanistik, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Anke te Heesen
Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Assoziierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Prof. Dr. Volker Hess
Institut für Geschichte der Medizin, Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Frank Kelleter
John F. Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Christoph Hoffmann
Seminar für Kulturwissenschaften und Wissenschaftsforschung, Universität Luzern

Hon.-Prof. Dr. Lothar Müller
Süddeutsche Zeitung, Berlin-Redaktion

Hon.-Prof. Dr. Eef Overgaauw
Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung

Prof. Dr. Stephan Porombka
Universität der Künste Berlin, Textgestaltung

Hon.-Prof. Dr. Erdmut Wizisla
Akademie der Künste Berlin, Walter Benjamin Archiv

University of California at Berkeley Department of German
Cornell University Institute for German Cultural Studies,
Department of German Studies,
College of Arts and Sciences
Harvard University Department of Germanic Languages and Literatures
Princeton University German Department
Yale University Department of Germanic Languages and Literatures, Department of Comparative Literature, Program of Film and Media Studies, Department for the History of Medicine and the History of Science
King’s College London Department of English,
Faculty of Arts and Humanities
School of Philology an der Higher School of Economics Moskau
Deutsches Literaturarchiv Marbach
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin
Zentrum Geschichte des Wissens Zürich
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin
Deutschlandradio Kultur
Ullstein Verlage
Studienprogramm
Bewerbungsfrist für neu ausgeschriebene Promotionsstellen:

16.04.2017

Eröffnung des Kollegs:

vorauss. 21.4.2017 (bitte vormerken!)

Kontakt

Prof. Dr. Joseph Vogl (Sprecher des Graduiertenkollegs)

Institut für deutsche Literatur

Dorotheenstraße 24

D-10117 Berlin

 

Tel.: +49 (0)30 2093-9651

Sekretariat

Margret Smith, M.A.

Institut für deutsche Literatur

Dorotheenstraße 24

D-10117 Berlin

 

Tel.: +49 (0)30 2093-9739

 

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne per E-Mail zur Verfügung.

Impressum

Prof. Dr. Joseph Vogl

Institut für deutsche Literatur

Dorotheenstraße 24

D-10117 Berlin

 

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