Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

Forschungsprogramm

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Forschungsidee

Warum kleine Formen?

Die Klage über die ‚Flut‘ von Nachrichten, Informationen und Novitäten, die zur Kenntnis genommen werden wollen, ist spätestens seit der Frühen Neuzeit notorisch. Gegenwärtig gewinnt sie jedoch im Sog von medialen Mobilitätsschüben und digitalen Vernetzungsmöglichkeiten an Aktualität. In dem Maß, wie soziale Aufmerksamkeitsressourcen knapper und Interessenlagen von Individuen volatiler werden, wächst der Druck, der Überfülle des Wissbaren mit einer effizienten Organisation von Merkwelten zu begegnen und neue Kreativitätsspielräume ebenso rasch zu erkennen wie versiert zu nutzen.

Das macht kleine Formen des Schreibens und Notierens attraktiv, die bei der Buchführung über Beobachtungen und Ideen, bei der Vermittlung von Kenntnissen und bei der Lenkung von Neugierden helfen und zugleich den Umgang mit beschränkten Zeit- und Platzvorgaben erleichtern. Textsorten wie Skizzen, Abstracts, Notizen, Protokolle, Exzerpte, Essays, Artikel und Glossen können die Vorzüge des Kompakten, Kondensierten, schnell zu Überschauenden geltend machen, aber auch das Vorläufige, Flüchtige und Ergänzungsbedürftige des Festgehaltenen ausstellen und sich auf diese Weise als verlässliche Garanten von Verständigungsroutinen wie als Störer, als Quelle produktiver Irritationen empfehlen. Trotz der elementaren Bedeutung, die sie damit gerade für die Gebrauchskontexte von Forschung und Unterricht, Kunst und Medienöffentlichkeit besitzen, sind Genese und Evolution ihres Formenspektrums bislang jedoch nur punktuell erforscht.

Das Graduiertenkolleg wird die Literatur- und Wissensgeschichte solcher Formen im historischen Aufriss von der Antike bis zur Gegenwart untersuchen. Es richtet den systematischen Fokus auf die Praxisfelder von Literatur, Wissenschaft und Populärkultur und erforscht, welche Kleinformen des Schreibens und Darstellens sich innerhalb dieser Felder etablieren, wie mit ihrer Hilfe hier Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert, kritisiert und medienspezifisch kanalisiert werden. Des Weiteren gilt sein Interesse den Austauschdynamiken kleiner Formen zwischen diesen Feldern: den Wechselbeziehungen, die durch deren Trennungsgeschichte ermöglicht, aber auch blockiert werden.

Begriff „kleine Form“

Der Begriff „kleine Form“ ist elastisch und unterbestimmt, in der Literaturwissenschaft aber seit langem eingeführt. Begriffsgeschichtlich geht die Bezeichnung auf das ausgehende 19. Jahrhundert zurück. Damals bezog sie sich in erster Linie auf die mannigfaltigen Spielarten der Kurzprosa, die sich speziell im Feuilletonteil der Presse – in der optisch abgeteilten Randzone im unteren Drittel der Zeitungsseite – entwickelten, wobei ihr Duktus skizzenhaft, impressionistisch und flüchtig sein konnte, in anderen Fällen lyrisch verdichtet, gedanklich konzentriert und gleichnishaft.

Inzwischen wird der Begriff weiter gefasst und sowohl für Kürzestformen wie das Sprichwort und den Witz als auch für kleine Erzählgattungen – die Kurzgeschichte beispielsweise – verwendet. So überschneidet sich das Feld der „kleinen Formen“ einerseits mit dem der „einfachen Formen“, das André Jolles absteckte. Andererseits fallen unter diese Rubrik didaktische Gebrauchsformen wie das Exemplum oder die Fabel, die für den antiken Rhetorikunterricht genauso unentbehrlich waren wie in der christlichen Homiletik für die Moralpredigt oder später, im 18. Jahrhundert, für die Vernunfterziehung der Aufklärer. Derselben Tradition rhetorischer Topik entstammen die knappen Reflexionsformen mit Lehrsatz-, Sentenz- oder Maximencharakter, die anfangs als instruktive dicta gesammelt wurden, bevor sich die Kollekte auf Gedanken, Einfälle und Ideen aller Art ausdehnte, die durch die regelmäßige und minutiöse Privatbuchhaltung Eingang in Notiz- und Tagebücher fanden. Infolge dieser Praxis veränderten im 17. Jahrhundert nicht nur hergebrachte, aus der antiken Medizin hervorgegangene Textsorten wie der Aphorismus ihre Form. Sie führte auch zum Aufschwung neuer Genres wie des Essays, deren formale Offenheit später gerade auf die Feuilletonprosa ausstrahlte.

Als unbestritten gilt, dass sich das Spektrum dieser kleinen Formen vor allem seit der Neuzeit beträchtlich ausdifferenziert hat und in überwiegendem Maß von Spielarten der Kurzprosa geprägt wird, die auf Modernität Wert legen, ohne ihre Herkunft aus älteren Traditionen zu leugnen. Auch herrscht Konsens darüber, dass sich die Disparatheit des Felds kaum durch die rigide Definition von Ausschlusskriterien vermindern lässt, mit der die hier interessierenden Formaspekte etwa auf Fragen der Gattung – erst recht nicht der literarischen – verengt werden könnten. Gattungen setzen zwar Formkonventionen voraus, doch verfestigt sich nicht jede Form zu einer Gattung, und speziell an den kleinen Formen, denen das Interesse des Kollegs gilt, lässt sich beobachten, dass sie unterschiedliche Genres durchwandern. Diese generische Beweglichkeit hängt mit dem Umstand zusammen, dass die ‚Kleinheit‘ der Formen von vornherein nur relational bestimmt werden kann: in Wechselbeziehung zu größeren Komplexen. Kleinformen entstehen als Abbreviaturen, durch Selektion und Verdichtung; sie stimulieren durch ihre Partikularität aber gleichzeitig Ergänzungen, können rekombiniert und amplifiziert werden und sich als Formen auf diesem Weg ganz unterschiedlich zur Geltung bringen.

Dem trägt der Ansatz des Kollegs Rechnung, indem er von einer terminologischen Zwangsvereinheitlichung absieht und den Akzent auf praxeologische Gesichtspunkte verschiebt, indem er die Kleinformen als Produkt und Motor von Kommunikations- und Zirkulationsprozessen ins Zentrum rückt. Anstelle von fixen Merkmalen werden damit die Dynamiken fokussiert, die sie in ihren jeweiligen Gebrauchszusammenhängen entfalten.

Forschungsansatz: Ästhetik und Pragmatik kleiner Formen

Ziel des Kollegs ist die Klärung der Funktionen und Leistungen, die diese Formen insbesondere in epistemischen, schulischen, bildungshistorischen, publizistischen und literarischen Praxiskontexten erbringen. Dabei ist die These leitend, dass die Kleinformen am Erwerb von Kenntnissen, an der Weitergabe von Erfahrungen und der Lenkung von Neugierden aktiv beteiligt sind und zugleich durch die entsprechenden Prozeduren sowie durch die in sie involvierten Medien selbst geformt werden.

Der Ansatz impliziert, dass ästhetische und pragmatische Faktoren in ihrer jeweiligen Interdependenz beleuchtet werden müssen. Statt typologische Verschiedenheiten unter literarischen und nicht-literarischen Kleinformen bereits vorab vorauszusetzen, soll deshalb einerseits gefragt werden, durch welche ästhetischen Bearbeitungen derlei Differenzierungen hervorgebracht oder aber unterlaufen werden. Andererseits ist zu klären, welche pragmatischen Produktions-, Zirkulations- und Rezeptionsbedingungen kleiner Formen über die Weite ihrer ästhetischen Spielräume entscheiden und ihrem Erfolg entgegenkommen oder im Weg stehen.

Zur Erschließung dieses weitläufigen Felds soll das Graduiertenkolleg einen gewichtigen Beitrag leisten, indem es Genese und Evolution kleiner Formen in der historischen Breite untersucht: in einer von der Antike bis zur Gegenwart reichenden Perspektive.

Es richtet den systematischen Fokus auf die Praxisfelder von Literatur, Wissenschaft (unter Einbeziehung des Schulunterrichts) und Populärkultur (in ihren vormodernen und modernen Spielarten der oralen ‚Volkskultur‘ und multimedialen Massenkultur).

Dabei sollen die Studien die Karrieren kleiner Prosaformen und -formate in den Vordergrund stellen, um die Gegenstände der Untersuchung auf den Bezirk der größtmöglichen Schnittmengen zu konzentrieren.

Im Blick auf die drei Praxisfelder lauten die übergeordneten Forschungsfragen des Kollegs:

  • Welche Kleinformen des Erzählens, Räsonierens und Darstellens konnten und können sich innerhalb dieser Felder etablieren, und wie werden mit ihrer Hilfe Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert, kritisiert und medienspezifisch kanalisiert?
  • Welche Austauschbeziehungen lassen sich zwischen den Feldern beobachten? Welche Wechselbeziehungen ergeben sich im Zuge ihrer Trennungsgeschichte, welche werden durch sie blockiert?
  • Welche Parameter bestimmen die Interdependenz von kleinen Formen, Gebrauchskontexten und Wissensproduktion?
  • Welchen Beitrag leisten gerade die kleinen Formen für den kulturellen Relevanzgewinn der Prosa insgesamt?

Die nähere Charakterisierung der Kleinheit kann dabei nicht auf quantitative Kriterien der Knappheit fixiert bleiben, sondern muss qualitative Gesichtspunkte – Konzentration, Verdichtung, Formalität, Aperçuhaftigkeit, Flüchtigkeit, minderes Prestige etc. – berücksichtigen. Das Kolleg wird die Modalitäten der Beschränkung, die das „Kleine“ der Form bedingen, deshalb als Wechselbeziehung verschiedener Faktoren untersuchen und dabei vor allem drei Aspekte unterscheiden: nämlich ästhetische, ökonomische und ökologische Gesichtspunkte, aus denen sich die Forschungsfragen ableiten, die in den Arbeitsschwerpunkten des Kollegs (vgl. 2.1 bis 2.4) verfolgt werden.

A   Ästhetische Perspektive

In ästhetischer Hinsicht sind der Formcharakter und die repräsentative Kraft der Kleinprosa zu spezifizieren. Diese können sich heterogen darstellen und als Formstrenge ebenso ausprägen wie als Regellosigkeit, die selbst zur Regel wird. Dabei sind unterschiedliche Steuerungs- und Deregulierungsfaktoren im Blick zu behalten: die Rolle von Mustern und Vorbildern, Lehrwerken und Programmschriften in Prozessen der Normenbildung etwa, die Migrationen solcher Formen aber auch zwischen Wissenschaft, Literatur und Populärkultur. Hier ist danach zu fragen, welche Möglichkeiten der ästhetischen Bearbeitung solcher Orts- und Statuswechsel realisiert wurden (z.B. durch die Neubestimmung des Verhältnisses zur Rhetorik), welche hingegen ungenutzt geblieben sind.

In diesem Kontext bedürfen zudem die wissenschaftlichen Deutungsroutinen der damit verbundenen Transformationen einer kritischen Diskussion. Insbesondere betrifft das die Bewertung von Kleinformen als „einfach“ oder „komplex“, die konzeptgeschichtlich durch Jolles’ Einfache Formen nahegelegt wird. Zumeist sind mit der Zuschreibung von Komplexität Entwicklungshypothesen verbunden, die Steigerungen unterstellen: ob diese temporal begründet werden (als Modernisierung und Überwindung früherer Simplizitäten), sozial (als Hierarchisierung z.B. von höherer Kunst und primitiver Volks- und Massenkultur) oder personal (als Niveaugefälle zwischen Genies und Epigonen, ForscherInnen und LehrerInnen, SchriftstellerInnen und JournalistInnen, ExpertInnen und Laien). Gegenüber solchen Oppositionen, die ihrerseits simpel sind, wird das Kolleg auf die Interdependenzen von „einfachen“ und „komplexen“ Strukturen Wert legen müssen. So wenig die „Kleinheit“ der hier interessierenden Formen generell mit Schlichtheit gleichzusetzen ist, so wenig ist in genetischer Hinsicht von einsinnigen Ableitungen des Komplexen aus dem Einfachen auszugehen. Stattdessen ist im Blick zu behalten, dass Einfachheit nicht nur als Prämisse von Komplexitätssteigerung in Betracht kommt, sondern ebenso als Folge von Komplexitätsreduktionen. Darum muss typologisch differenziert werden, wie genau die jeweils beleuchteten kleinen Formen in diesem Spektrum einzuordnen sind, welche Komplexitätsgewinne sie ermöglichen, welchen Traditionsbrüchen und Neueinsätzen sie aber auch gerade durch absichtsvolle Vereinfachungen den Weg ebnen.

B   Ökonomische Perspektive

In ökonomischer Hinsicht sind die Techniken, Darstellungs- und Aufzeichnungsverfahren sowie die materiellen und organisatorischen Zugzwänge des Haushaltens zu reflektieren, die dafür sorgen, dass der sprachliche und stilistische Aufwand in Grenzen gehalten werden kann. Auch hier kann man verschiedene Ebenen unterscheiden: die rhetorisch beschreibbaren Mittel der Abbreviatur, der Ellipse, der Pointierung und der Figuration, die dabei zum Zug kommen; die damit verbundenen Nähen und Abgrenzungen zu alternativen Formen der Verdichtung – namentlich zu Versformen, doch genauso zu Bildern –; das Knowhow von Techniken und Requisiten des Exzerpierens, Notierens, Buchführens, Sammelns und Verwaltens; die mechanischen und medientechnischen Gerätschaften mitsamt der dafür vorgesehenen Anwendungen bzw. applications zum cut & paste; schließlich die Kalküle von Zeit-, Platz- und Geldkosten, die keine großen Umschweife zulassen und für die erfolgreiche Durchsetzung der Kleinformen in den jeweiligen Praxisfeldern essentiell sind. Die Untersuchung solcher Formökonomien schließt die Berücksichtigung der vielfältigen portable media ein, die durch ihre Kleinformate (Notizbücher, Broschüren, Groschenhefte, Taschenbücher usf.), ihre Handlichkeit auch als Werkzeuge für die Tasche (Bleistifte, Reisefüller, Mobiltelefone usf.) die Ausbildung von Kleinformen begünstigen.

C   Ökologische Perspektive

In ökologischer Hinsicht müssen schließlich die Umwelten beleuchtet werden, durch die das „Kleine“ der betreffenden Formen aufgewertet oder aber mit dem Stigma des Minderen und Inferioren belegt wird. Das beginnt bei den jeweiligen Textumgebungen, in denen kleine Formen produziert, in Umlauf gebracht und rezipiert werden und durch die sie ihren Stellenwert erhalten, von dem ihre funktionale Nützlichkeit wie ihre symbolische Wertschätzung abhängt. Wenn Texte – im Hinblick auf ihren Umfang wie unter Gesichtspunkten ihres normativen Gewichts – Größe beanspruchen, bilden sie Randzonen aus, über die sie als „Haupttexte“ definiert werden. So entstehen Paratexte, die sich ihnen unterordnen, indem sie Nebensächliches und Entbehrliches ausweisen, durch Titel und Kapitel, Kommentare und Glossen aber auch zu deren Konsolidierung beitragen, ihnen Autorität und Geltung verschaffen und sich durch die Wahrnehmung unterschiedlicher Funktionen von Textkritik – das Äußern von Dissens inbegriffen – selbst aufwerten. Andere intertextuelle Wechselbeziehungen ergeben sich, wenn kleine Formen unter sich bleiben oder das Ferment von Großformen (z.B. monographischen Studien, Biographien, Memoiren) bilden, die allererst aus ihnen hervorgetrieben werden.

Zur Ökologie der Kleinformen gehören des Weiteren die sozialen Umgebungen in Gestalt der Gruppen und Öffentlichkeiten, an deren Verständigung sie beteiligt sind und die sie – im mehrfachen Wortsinn – ‚unterhalten‘. Das Kolleg wird prüfen müssen, wo diese Kleinformen zur Erhöhung und zur Absenkung von Zugangsschwellen genutzt werden und dadurch exklusiv bzw. inklusiv wirken. Das macht eine genaue Untersuchung auch der Allianzen erforderlich, die diese Kleinformen mit den jeweiligen Kommunikationsmedien eingehen, über die sie zirkulieren. Greift man einen Vorschlag Niklas Luhmanns auf, so lassen Formen sich zunächst ganz generell als „feste Kopplungen“ von Elementen begreifen, die sich gegen die „losen Kopplungen“ von Medien differenzieren, wobei die Möglichkeiten des Mediums durch solche Formbildungen nicht nur verbraucht, sondern auch regeneriert werden. Luhmann diskutiert das Verhältnis von Form und Medium im Kontext der „Kunst der Gesellschaft“ und fasst dort seinen Medienbegriff allgemein, so dass er indifferent sowohl gegenüber den unterschiedlichen Ebenen der Materialität von Kommunikation – d.h. des Kanals und des Codes – bleibt als auch gegenüber der Verschiedenheit von Texttypen. Wenn man die Medienfrage dagegen konkreter auf Darstellungs- und Verbreitungsmedien sowie, damit verbunden, auf analoge und digitale Technologien zuspitzt, so müssen als formbildende Faktoren auch Prozesse der „Remediation“ – im Sinne der Adaptation eines Mediums durch ein anderes – berücksichtigt werden, genauso wie Phänomene der Regeneration kleiner Formen durch den Wechsel von Medien.

Indem das Kolleg die Genese und Evolution kleiner Formen über das je konkrete Zusammenwirken solcher ästhetischer, ökonomischer und ökologischer Faktoren nachzeichnet, trägt es dem Umstand Rechnung, dass diese Formen sich auf heterogene Texttypen und Paratextsorten der Kleinprosa verteilen, die weder in derselben Weise „klein“ sind noch einander als Formen ähneln, aber auf einer Beobachtungsebene zweiter Ordnung in eine gemeinsame Perspektive treten, sofern sie mit der Bandbreite ihrer Diminutivbildungen auf Praxisgebote, auf normative oder situative Zugzwänge zur Selbstbesch(n)eidung und Selektion reagieren.

Zur Strukturierung der Analysen wird das Kolleg vier Schwerpunkte setzen, die den Charakter von Querschnittthemen haben und Ebenen spezifizieren, auf denen kleine Formen in der Literatur- und Wissensgeschichte als Produkt und Motor von Kommunikations- und Zirkulationsprozessen virulent werden. So soll eine problemorientierte Untersuchung der Vorzüge und Leistungen gewährleistet sein, durch die sich diese Formen in Literatur, Wissenschaft und Populärkultur bewähren. Um den Nachweis zu führen, dass die betreffenden Kleinformen – im Sinne unserer Leitthese – am Erwerb von Kenntnissen, an der Weitergabe von Erfahrungen und der Lenkung von Neugierden aktiv beteiligt sind und sich in ihrer Prosa zugleich durch diese Praxiszwecke ästhetisch, ökonomisch und ökologisch ‚informiert‘ zeigen, bietet sich die Konzentration auf folgende Untersuchungsaspekte an:

  1. die Gebrauchsroutinen kleiner Formen in historischen Lehr-, Lern- und Forschungskontexten
  2. die Sammelaktivitäten, durch die sie verwaltet und (re-)generiert werden
  3. die Aktualitätsprogramme, mit denen sie auf Forderungen der Zeit reagieren
  4. die Theoriegeschichte kleiner Formen

Forschungsschwerpunkte

Gebrauchsroutinen – Lehren, Lernen und Forschen in kleinen Formen

Großen Bedarf an Kleinformen hat beizeiten schon die Rhetorik entwickelt, indem sie die Kunst des guten Sagens professionalisierte und damit auch auf die Poetik rückwirkte. Dichter sollten, wie Horaz riet, das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und ihr Publikum durch Lehrreiches erfreuen. Weil Poesie und Verskunst dabei allerdings – trotz früher Einsprüche Aristoteles’ – als synonym galten, standen Prosaformen in diesem Kontext lange Zeit gar nicht zur Debatte. Deren Konturen schärften sich zunächst in dem Maß, wie die Rhetorik systematisch Argumentationshilfen zum besten Redeerfolg erfasste. Für die kommunikative Vorratshaltung wurden Register angelegt, die den Rückgriff auf Gesagtes und Berichtetes, wo nötig auch Erdichtetes ermöglichten. Entwickelt waren diese Register als Archive von Mustern und Versatzstücken, die zur Weiterverwendung bereit standen. So erklärt sich die gezielte Kollekte kleiner Sentenzen und Historien, später auch von Beobachtungen, Gedanken und Einfällen, die gewährleisten sollten, dass der Aufwand der Beweisführung sich für ihre Nutzer in Grenzen halten ließ, indem sie ein rasches Herstellen von Evidenzen ermöglichten.

Ein erster Arbeitsschwerpunkt des Kollegs wird sich vor diesem Hintergrund den vielfältigen Dienstleistungen widmen müssen, die solche Kleinformen in der Unterrichts- und Erziehungspraxis, für den Bildungsbedarf, aber auch für Zwecke der Forschung, bei Invention und Improvisation erbringen. Für die Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen ihrer Ästhetik und Pragmatik werden insbesondere die folgenden Forschungsfragen leitend sein:

  • Welcher Art ist das Wissen, das durch sie gewonnen, vermittelt, gesichert oder erschüttert werden soll?
  • Welches Vorwissen, Unwissen oder Noch-nicht-Wissen setzen sie auf Seiten ihrer jeweiligen Nutzer und Adressaten voraus?
  • Welche Ökonomiegebote und ökologischen Zugzwänge ergeben sich daraus für die Ästhetik ihrer Form?
  • Wie wirkt die Ausdifferenzierung von Wissenschaft, Literatur und Populärkultur auf die Handhabung dieser Formen zurück?
  • Von welchen Faktoren wird eine Migration über deren Grenzen hinweg begünstigt?

Die Dissertationsprojekte können synchron oder diachron angelegt sein. Querverbindungen zu den anderen Forschungsvorhaben ergeben sich entweder über die typologische bzw. generische Affinität zwischen den Kleinformen, über historische Konvergenzen oder über die Analogie von Verfahrensrationalitäten. Den größten Gewinn für solche Verzahnungen versprechen wir uns von Projekten mit folgenden Akzentsetzungen.

Kleinformen als „little tools of knowledge“ I: Epistemologische Funktionen

Beispiele geben. Didaktische Kleinformen wie die Fabel und das Exemplum erteilen einer breiten Hörer- und Leserschaft Lektionen in Moral und Lebensklugheit, indem sie Geschichten – die im Fall des Exemplums historisch verbürgt sind – zu Lehrmeisterinnen des Lebens erheben. Prüft man die damit verknüpfte Epistemologie des Exemplarischen genauer, so erweist sich der Wechselbezug zwischen Beispiel und Regel, Einzelfall und Allgemeinheitsanspruch jedoch weder als konstant noch als trivial. Damit Exempel verlässlich als „autoritäre Fiktionen“ (Susan Suleiman) wirken, d.h. eine und nur eine Botschaft übermitteln, sind einige Zurüstungen nötig – und entsprechende Kunstfertigkeiten auf Seiten derer, die sie zur Überzeugungsarbeit brauchen. So erklärt sich die Prominenz dieser topischen Kleinerzählungen auch im Rhetorikunterricht selbst, wo sie über Jahrhunderte Paradebeispiele für die Einübung von Persuasionstechniken lieferten. De facto können sich aus dieser Praxis Kontinuitäten entwickeln, die zu den Regelbehauptungen quer stehen. Gerade an Fabeln lässt sich zeigen, dass die alten Erzählstoffe ein großes Beharrungsvermögen entwickelten, während die Lehren, deren zeitlose Geltung sie bestätigen sollten, laufend ausgetauscht wurden.

Aufzeichnungen machen. Das Ausmaß, in dem die Rhetorik Basis für die Wissensproduktion in Europa geblieben ist – durch das Training der eloquentia, aber auch durch die Steuerung von Mikroprozeduren im Ideenhaushalt – wird dabei womöglich noch immer unterschätzt. Wie jüngere Untersuchungen der Wissenschaftsgeschichte gezeigt haben, folgte gerade das Exzerpieren bis weit über das 17. Jahrhundert hinaus den Vorgaben einer gelehrten, durch Manuale vermittelten Technik. Konvolute wie Georg Christoph Lichtenbergs Sudelbücher kommen in diesem Licht weniger als Vorläufer des romantischen Aphorismus in Betracht denn als Exzerpthefte in der Tradition neuzeitlicher Notierpraktiken. Dagegen überwiegt in der Literaturwissenschaft die Tendenz, die seit dem 16. Jahrhundert rapide wachsende aphoristische Kleinprosa auf kritische Distanznahmen zu den Lehrsätzen rhetorischer Merkwelten zu durchmustern.

Um kleine Formen dieser Art – wie im Kolleg beabsichtigt – in ihrer Effizienz als „little tools of knowledge“ (Peter Becker / William Clark) zu erfassen, genügt es jedoch nicht, sie auf die Funktionen von Lehre und Kritik festzulegen. Es lohnt sich, auch die Verfahren des Suchens, Entwerfens und Erfindens zu erkunden, die sie organisieren und an Exerzitien und Beobachtungsrituale koppeln. Die historisch wechselnden Praktiken des Annotierens – aus denen Glosse und Fußnote hervorgehen, mit denen aber auch die Genese des Essays verknüpft ist – bieten dazu genauso ergiebiges Material wie Protokolle, Tabellen und Formulare, die für die Habitualisierung von Wahrnehmungsweisen und Denkstilen die nötige paper technology bereitstellen, oder Fragebögen und Interviews, mit denen empirisches Erhebungswissen generiert wird. Außerdem müssen Rezepte einbezogen werden, die Erfahrungswissen bündeln, gleichzeitig zum Experimentieren auf eigene Faust einladen.

Fakten schaffen. Mit der Präparation von Fakten wiederum verknüpft sich im späten 17. Jahrhundert, im Zuge einer Verlagerung der wissenschaftlichen Neugierde vom Wunderlich-Monströsen zum Unscheinbaren und Gewöhnlichen, eine prononcierte Rhetorik der Rhetorikvermeidung. Wenn Präzision, dem lateinischen Wortsinn von praecisio entsprechend, die „Abschneidung“ von Überflüssigem gebietet, so liefert dieses Ethos nicht nur eine Rechtfertigung für die Gradlinigkeit der Prosa (von prorsus, „geradewegs“), sondern lässt als Faktum überhaupt nur ein Artefaktum gelten, das erst durch die Reduktion aufs Knappe seinen nackten Kern enthüllt, sich aber genauso als Essenz und opaker Rest darstellen kann, der ein noch auszulotendes Entfaltungspotenzial in sich birgt. Im Eruieren solcher Potenziale liegt die Ratio von Skizzen und Notizen, die zwischen Einfall und Beobachtung, Gedankenspiel und nomothetischer Aussage, Faktographie und Epigrammatik changieren und in der Vielfalt ihrer Kleinformen an der Pluralisierung von Normen mitwirken, die Forschungsrationalitäten begründen. ‚Wahr‘ und ‚falsch‘ sind hier längst nicht die einzigen Urteilskriterien. Genauso erheblich ist für epistemische Prozesse die Abschätzung von ‚Fruchtbarkeiten‘, ‚Plausibilitäten‘ und ‚Anschlussfähigkeiten‘ angestellter Vermutungen und eingeschlagener Fährten.

Kleinformen als „little tools of knowledge“ II: Exemplarische Praxisfelder

Praxeologie der Geistes-, Human- und Sozialwissenschaften. Während Forschungen dieser Art auf dem Feld der Natur- und Humanwissenschaften bereits sehr differenziert sind – etwa hinsichtlich der Verfahren des Notizenmachens oder der vielfältigen Typen von Fallgeschichten –, stecken vergleichbare Studien zu den Geistes- und Sozialwissenschaften noch in den Anfängen. Welchen Beitrag gerade Kleinformen des Schreibens und Publizierens für die Bildung und Kohäsion von (Gelehrten-)Netzwerken, Schulen und ›Richtungen‹ leisten, bleibt an Rezensionen, Briefwechseln, Streitschriften und Pasquillen genauso aufzuarbeiten wie an Widmungen und Vorworten, an Motti, Grußadressen und Empfehlungsschreiben. Wenn außerdem die Hypothese stimmt, dass als Laboratorium der Philologie das Seminar zu betrachten ist, noch vor Bibliothek und Studierstube, dürfen akademische Lehr-, Übungs- und Prüfungsformate nicht ignoriert werden. Das betrifft die wechselnden Standards der Vortragspraxis genauso wie die von Klausurtypen, Hausarbeiten und Referaten.

Didaktik des Sprach- und Literaturunterrichts. Ähnliche Fragen stellen sich, mit verschobenen Akzenten, für die schulische Wissensvermittlung: beispielsweise beim Unterricht in alten und neuen Sprachen. Mit Blick auf die „kleinen Gattungen“ hat Manfred Fuhrmann schon früher daran erinnert, dass diese einst – angefangen mit den Disticha Catonis – eine erhebliche Rolle in der abendländischen Schule spielten. Was in der Antike gang und gäbe war, avanciert in späterer Zeit zur Trumpfkarte von Reformpädadogen. Man kann das an den Kanonisierungserfolgen von Autoren wie Herodot studieren, der als Chronist der Persischen Kriege rezipiert worden war, bevor ihn preußische Gymnasiallehrer um 1800 als begnadeten Erzähler leichter Anekdoten entdeckten. Unter inversen Vorzeichen ist dafür ebenfalls die Karriere aufschlussreich, die im 20. Jahrhundert die Kurzgeschichte im Deutschunterricht machte, da sie hierzulande, anders als im angelsächsischen Raum, mit der arte povera der Nachkriegsliteratur synonym war und so die heikle Auseinandersetzung mit Faschismus, Weltkrieg und Holocaust vereinfachte.

Ausgeweitet werden muss die Perspektive jedoch außerdem auf die kleinen Textsorten, mit denen Grundfertigkeiten des Erzählens und Argumentierens trainiert werden. Deren Vielfalt wuchs im 18. Jahrhundert mit Novitäten wie dem Schulaufsatz, der erst dank der Schiefertafel zu dem werden konnte, was er war: eine Schreibübung in individueller Autonomie, zu der die Schrift die Form, die Tafel jedoch – indem sie ein Löschen und Neuschreiben nach Gusto gestattete – die unabdingbare Mechanik lieferte. Inzwischen wird großer Wert auf Präsentationstechniken wie Poster oder PowerPoint-Folien gelegt. Da sich die Fachdidaktiken zunehmend empirisch ausrichten, könnte die wissenshistorische Analyse solcher Entwicklungen ein Ansatz sein, um den Dialog mit aktuellen Forschungen in der Literatur- und Kulturwissenschaft wieder aufzunehmen.

Wissens- und Wissenschaftspopularisierung. Kleine Formen können Zugangshürden gering halten und Fach- und Sachwissen als Gemeingut verbreiten. Im 19. Jahrhundert erklärt das die Popularität des Tableaus, das Ästhetiken der Genremalerei für die Kleinprosa adaptiert. In Form von „Naturgemälden“ oder „Geologischen Bildern“ führt es bildungshungrige Leser an Erdkunde und Botanik heran und macht es Volkskundlern leicht, Regionalsitten und -gebräuche in Kulturbildern festzuhalten. Derzeit ist eine Konjunktur von Spielformen zu beobachten, die kleine Prüfungsrituale mit sportlicher Kompetition verquicken. In diesem Rahmen kann das Prinzip des prodesse aut delectare noch Formate des Kurzauftritts vom Typ der Science-Slams legitimieren, in denen Vortragende – meistens NachwuchswissenschaftlerInnen – unter hartem Zeitdiktat Sachverstand und Entertainer-Qualitäten beweisen. Im Glücksfall können sich daraus Blitzkarrieren ergeben, die in der Universität mit ihren epischen Bewährungszeiten unmöglich wären, dank YouTube aber Wirklichkeit werden: so im Fall der Medizinstudentin Giulia Enders, die 2014 mit ihrem Buch Darm mit Charme auf Anhieb einen Bestseller landete.

Arbeiten, die Fragen der hier umrissenen Art behandeln, werden in ihren Untersuchungen Ergebnisse von Forschungen zur „Materialität der Kommunikation“ berücksichtigen müssen, zu Kulturtechniken sowohl des Redens, Schreibens und Lesens wie des Zählens (im Hinblick auf Seiten, Kapitel, Zeilen, Verse, Bände, Fuß- oder Endnoten, Spalten, Listen etc.) und des Buchens (Tage- oder Hausbuchführung). Genauso sind medienhistorische Umbrüche in Rechnung zu stellen, die mit der Ausbreitung analoger, elektronischer und digitaler Medientechnologien einhergehen, schließlich sozial- und bildungsgeschichtliche Zugangsbedingungen zu Lehranstalten und Lernmedien.

Sammelaktivitäten – kleine Formen in größeren Corpora

Ein zweiter Arbeitsschwerpunkt des Kollegs ist mit den Praktiken und Medien des Sammelns verbunden, durch die kleine Formen verwaltet, gesichert und für die historische Überlieferung präpariert werden. Je kleiner die Form – so unsere Hypothese –, desto weniger verträgt sie den Singular, und desto eher ist sie in ihrer Ökonomie auf die Ökologie von Kollektionen und die Einlagerung in Großformen angewiesen. Zu untersuchen sind deshalb die medialen, materialen, generischen und editorischen Kontexte, in denen solche Formen gehortet, tradiert und rearrangiert, aber auch selbst zum Ferment für generische Evolutionen werden. Die Forschungsfragen lauten:

  • Welche Nachbarschaftsbeziehungen gehen die Kleinformen in solchen Kompilationen, Enzyklopädien, Werkkomplexen, Serien und Alben ein, inwieweit werden selektive Rezeptionen damit befördert oder erschwert?
  • Welche Folgen haben diese Kollektions- und Adaptionspraxen für die Formökonomie, Theoretisierung und Ästhetisierung der betreffenden Kleinprosa?
  • Welche Wissenstypen profilieren sich mit solchen Sammlungen?
  • Welche historischen Kontinuitäten zwischen Kleinformen werden durch solche Praxen gestiftet, welche Traditionsbrüche und Neueinsätze vorbereitet?
  • Wie werden über die Varianten der Kleinprosa hermeneutische Großzusammenhänge entwickelt oder unterlaufen?

Im Interesse größtmöglicher Synergieeffekte zwischen den Projekten sollen Dissertationen auf diesem Feld den Fokus einerseits auf die Ratio der Ordnungsverfahren richten, die für die Praxis der Kompilation und Edition grundlegend sind. Andererseits bietet sich die Untersuchung ausgewählter Sammlungen an, die Kleinformen in paradigmatischen Werkkomplexen verorten und darüber legitimieren, kanonisieren und privilegieren. Das gibt den folgenden Aspekten Vorrang.

Kleinformen als Sammlungsobjekte I: Funktionen des Hortens und Ordnens

Wissensreichtum anhäufen. Archive, Bibliotheken und Wunderkammern sind in den letzten Jahren vermehrt ins Blickfeld der Forschung geraten, und eingehend wurde an Speichertechnologien (von der Aktenablage über Registraturen, Karteisysteme und Zettelkästen bis hin zu Digitalisaten und elektronischen Datenbanken) gezeigt, wie diese zugleich an der (Re-)Produktion von Wissen, an der Stimulation literarischer Kreativität beteiligt sind. Damit sind wichtige Vorarbeiten geleistet, an die das Kolleg anknüpfen kann. Eine besondere Herausforderung stellen die frühneuzeitlichen Thesauri, Analecta, Commonplace-Books und Aeraria poetica dar, die von der Literaturwissenschaft lange gemieden wurden, seit einiger Zeit aber auf reges Interesse stoßen. Es handelt sich dabei um Sammlungen von Gleichnissen, Sprichwörtern, Adagia und Sentenzen, die als „Schatzkammern“ rhetorischer Topoi für die inventio angelegt sind. Typologisch halten diese Kollektaneen die Mitte zwischen generisch enger festgelegten Formen der Kompilationsliteratur einerseits und dem Sektor der „Buntschriftstellerei“ anderseits, in der Disparatestes nach dem Prinzip unterhaltsamer Varietät vermischt wird: im Sinne des Römers Aulus Gellius, der seine Noctes Atticae – das spätantike Paradigma solcher Kompilatorik – als Darbietungen einer „varia et miscella et quasi confusanea doctrina“ charakterisierte.

Da die enorme Bandbreite dieser Mischliteratur bislang erst in Ansätzen erforscht worden ist – auch in ihrer Kontinuität zu mittelalterlichen Sammelhandschriften und ebenso zu aktuellen Thesauri im Netz –, kann das Graduiertenkolleg hier in größerem Maßstab Erschließungsarbeit leisten. Neben der Unterscheidung von homogenen und „bunt“ angelegten Kompilatoriken dürfte es ratsam sein, verschiedene Typen von Kleinformen auseinanderzuhalten. Man wird solche Formen, die bereits als selbständige Kleingenres in die Sammlungen eingehen – Spruchweisheiten, Maximen, Scherzfragen, Rechtsformeln, Legenden –, von anderen unterscheiden müssen, die durch Abbreviaturen, durch Isolation und selektives Zitiert-Werden überhaupt erst entstehen: als Exempel, Apophthegmata, Exzerpte oder ›verdaulich‹ portionierte Auszüge in Anthologien vom Stil des „Reader’s Digest“ oder der „Beauties of…“.

Wissenstypen differenzieren. Zu untersuchen ist ferner, wie diese Sammlungscorpora zur Ausdifferenzierung von Wissenstypen – nach Weisheiten, Erfahrungsregeln, Erfolgsrezepten, kanonischem, häretischem oder esoterischem Wissen, offenen und intimen Geheimnissen – beitragen. Davon hängt ab, inwieweit dieses Wissen privat bewahrt oder publik werden soll. Anekdotensammlungen etwa zehren davon, dass sie Geschichten kolportieren, die Historikern als zu heikel oder nichtig gelten. Ihre Basis ist das Historem, verstanden als „smallest minimal unit of the historiographical fact“ (Joel Fineman). Anlass für das Ausbreiten von Randständigem anderen Typs – in Gestalt von Paralipomena, Exkursen, Quaestiones – wiederum bieten seit der Zeit des Humanismus Kommentare, in denen einzelne Gemeinplätze Aufhänger sein können für ein eklektisches Allerlei von Wissenswertem unterschiedlichster Provenienz.

Wissenserwerb leicht machen. Weil solche Kompilationen sowohl in einem Konkurrenz- als auch in einem Allianzverhältnis zu Enzyklopädien und Romanen wie zu Zeitungen und Zeitschriften stehen – darauf verweist bereits die Mehrdeutigkeit des Magazinbegriffs, der ursprünglich einen Stauraum bezeichnet –, muss außerdem geklärt werden, in welcher Weise solche Kompilationen nicht nur das selektive Interesse ihrer Verfasser und Redakteure bedienen, sondern auch das der Leserschaft. Zum einen betrifft das deren Lese-, Auslese- und Nichtlese-Gewohnheiten, die durch die Textökonomie und materiale Gestaltung der Sammelwerke und Magazine bedient werden (Typographie, Bild-Text-Verhältnis, Layout, Papier- und Buchformat) und erst kürzlich in den Mittelpunkt einer Begriffsgeschichte des Mediengebrauchs gerückt sind. Hinzu kommen zum zweiten die sozialen Gesprächsrituale und mündlichen Kanäle des ›Geredes‹, an denen solche Thesauri ausgerichtet sind. In barocken Kompilationswerken wie den „Conférences“ (Théophraste Renaudot) oder „Gesprächsspielen“ (Georg Philipp Harsdörffer) z.B. wird enzyklopädisches Wissen spielerisch vermittelt, im Rahmen einer inszenierten Unterhaltung, die ebenso geistreich wie „kurzweilig“ sein und durch ihre Gesprächsstoffe auch die Konversationskultur der LeserInnen befördern soll.

Von dort führt ein direkter Weg sowohl zu den apostrophierten „Conversations-Lexika“ des 18. und 19. Jahrhunderts, die ein „kurz gefaßtes Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der älteren und neueren Zeit“ (Untertitel des Brockhaus von 1809) liefern wollen, als auch zu den nachmaligen Sammlungen des mündlichen Zitatwissens von Zeitgenossen: Büchmanns „Geflügelten Worten“ oder Flauberts Dictionnaire des idées reçues, in dem Geflügelte Worte relativ rar sind, dafür aber der realistische Roman als Archiv bourgeoiser Gemeinplätze ausgebeutet wird. Des Weiteren kann man an die „-ana“-Literatur denken, in der die Buntschriftstellerei älteren Typs als residuales Spielfeld von Eigenbrötlern überlebt – vorzugsweise von Professoren und Künstlern – und Zeugnisse von deren geistiger Zerstreutheit anhäuft, aus denen die Restwelt ihre Anekdoten bezieht.

Kleinformen als Sammlungsobjekte II: Paradigmatische Werkkomplexe

Referenzwerke. Unter den Sammelwerken besitzen jene Corpora einen besonderen Rang, die durch ihren Aufbau, ihre In- und Exklusionen eine Referenzfunktion gewonnen haben und für die Pflege von Professionen und Künsten sowie für die Hegung von Disziplinen konstitutiv geworden sind. Ohne Thora, Bibel und Koran gäbe es keine Theologien, ohne Gesetzeskodices kein Recht, ohne Beispielsammlungen keine Kasuistik, ohne Magazine von Fallgeschichten oder Sammlungen von Märchen, Sagen und Mythen keine Erfahrungsseelenkunde und Kriminologie, keine Volkskunde, Ethnologie und Psychoanalyse. Einen analogen Status können für die Einweisung in Künste – die Koch- oder Arzneikunst z.B., aber auch die Rede- und die Dichtkunst – Rezeptsammlungen beanspruchen, die ein lokal gehütetes Praxiswissen auf den Punkt von Maßen und Formeln, Regeln und to do-Listen bringen, um auf diese Weise dessen kontrollierte Weitergabe zu ermöglichen.

Verbunden mit dieser Erfassung von Kleinformen als Exempel, Regeln, Fälle usf. sind in den betreffenden Kollektionen redaktionelle Eingriffe und zielgerichtete ›Reinigungen‹, die sicherstellen, dass die Einzelstücke wahlweise als integrale Teile eines gegliederten Ganzen, als repräsentative Muster, als typische Exemplare, ersetzbare Proben, Überlieferungsreste oder als Unica zur Geltung kommen und die Sammlungen entweder als geschlossene – vollständige – Corpora oder als offene – zu fortgesetzter Akkumulation einladende – Aggregate adressiert werden. Auswahl, Anordnung und Sequenzbildung können dabei ihrerseits dem Vorbild anderer historischer oder zeitgenössischer Sammlungen abgeschaut sein und Traditionsbezüge herstellen oder kappen. Gefragt werden muss deshalb nach den Redaktions- und Kompositionsprinzipien solcher Referenzwerke; nach den dadurch gestifteten Formparadigmen für die Kleinprosa; schließlich nach ihrem Autoritätsanspruch und ihrer Rezeptionslenkung.

Collected Works. Ein anderer Stellenwert wächst Kleinformen im Kontext von Sammlungen zu, die Lebenswerke bilanzieren, Charakterstudien anstellen oder über die Entwicklung von Subjekten Buch führen. Das Spektrum solcher Sammlungen reicht von staatstragenden Enzyklopädien wie der Biographia Britannica – einem Archiv kompakter Lebenslauf-Darstellungen von „most eminent persons“ im Dienst der englischen Nationalgeschichtsschreibung – über Kurzporträt-Reigen vom Typ der Brief Lives John Aubreys bis hin zu Tagebuchnotizen, Essays und Briefwechseln als Kleinformen einer écriture de soi. Diese lassen für introvertierte Meditationen ebenso Raum wie für Sprünge von Witz und Laune, auch für spontane Eingebungen in der jeweiligen „Schreibszene“ (Rüdiger Campe).

Eigene Studien verdienen in diesem Kontext Editionsprojekte, die das Schriftwerk Einzelner gebündelt darbieten, geleitet durchaus von werkpolitischen Kalkülen. Im 19. Jahrhundert kommt es zu einer enormen Verbreiterung der Palette von Collected Works, an deren Spitze die Gesamtausgaben einzelner Autoren stehen. Dass solche Ausgaben nicht nur unter allerhand kleinen Schriften anschwellen, sondern auch mit verworfenen Varianten sowie anderweitigen Bruchstücken aus dem Nachlass aufwarten – letztere oft auratisiert durch Faksimiles der Handschrift –, macht auf Seiten der Leserschaft die Würdigung solcher Aufzeichnungen nicht nur bequem möglich, sondern regelrecht zur hermeneutischen Pflicht. Eine andere Möglichkeit, Zerstreutes – jetzt im Sinn verstreut publizierter Kleinigkeiten – zusammenzutragen, bietet sich AutorInnen durch den narrativen Einschluss in Prosawerke zweiter Ordnung. Man kann das an Novellensammlungen im Stil des „Decameron“ zeigen, die im 19. Jahrhundert häufig durch Zweitverwertungen von Erzählungen zustande kommen, inseriert nun in Rahmenhandlungen, die deren Erzählt-Werden nachträglich motivieren, und zwar wiederum durch Gesprächsspiele.

Zugleich bleiben solche Konstruktionen fragil und lassen die Disparatheit der kleinen Geschichten in der Großerzählung keineswegs aufgehen. Inwieweit kleine Formen Anlass geben, um grands récits überhaupt mit Skepsis zu begegnen und Subsumtionen abzuweisen, steht nicht nur in der Literatur zur Debatte, sondern spätestens im 20. Jahrhundert auch in der Geschichtsschreibung. Ausdruck epistemologischer Skrupel werden dann Ansätze wie die microstoria sein, die aus partikularen Fallgeschichten, die anderen eine Fußnote wert sind, ganze Monographien heraustreibt. Dem entspricht im New Historicism der programmatische Rekurs auf Anekdoten, in der Sozialgeschichtsschreibung der Literatur – die damit ebenfalls wissenschaftlichen Reformbedarf anmeldet – der Verzicht auf Individualmonographien einsamer Fachgrößen zugunsten von Sammelbänden mit verteilter Autorschaft.

Serien – Alben – Netzwerke. Von solchen Kompilationen abzuheben sind die Verkettungsprinzipien von Serien, die insbesondere für die populäre Medien- und Wissenskultur prägend sind. Auf Kleinformate abonniert – die nicht umsonst in Groschenheften und Taschenbüchern zirkulieren –, entwickeln sie eine Vielzahl von Verfahren, um ihr Publikum für Fortsetzungen zu interessieren, die keine sequels sein müssen, sondern auch durch Reihen, Remakes oder transmediale Adaptionen garantiert werden können. Ähnlicher Beliebtheit erfreuen sich Alben, die als Bücher im Potentialis Freiraum für provisorische und reversible Kombinationen von Kleinformen und -bildern lassen, aus denen kein Werk hervorgehen muss.

Mit ihrer Ordnung der Wiederkehr stimulieren solche Alben im Kleinen, was das World Wide Web im Großen umsetzt, in dem es auf elaborierter technologischer Basis unendlich viele Verknüpfungsmöglichkeiten von posts ermöglicht. User werden durch solche neo-enzyklopädischen Strukturen zum cut & paste animiert, sind aber auch – in den Grenzen, die ihnen Programme und apps setzen – zur Kollaboration aufgefordert. Zu beobachten ist, dass kleine Formen dadurch nicht allein mit produktiven, sondern auch mit destruktiven Konsequenzen Auftrieb erhalten. Auf Zeitungs- und Nachrichtenforen etwa entwickelt sich der Leserbrief im Diminutiv des kurzen ‚Kommentars’ zum Ventil für rüde Pöbeleien.

Das Kolleg wird solche Gegenwartsentwicklungen zum Anlass nehmen müssen, um die Prädisposition der kleinen Form für kleine Formlosigkeiten auch in ihren reflexionsbehindernden Effekten zu bedenken. Zur Wissensgeschichte solcher Formen gehört – gerade im Zeitalter der Wissensgesellschaft – auch die Züchtung von Ignoranz. Aufgeworfen wird damit aber zugleich die Frage nach den Möglichkeiten der Protektion von Kommunikationssphären innerhalb der Netzwelt. Im Kontext des Kollegs sind insbesondere die technischen und ästhetischen Ökonomien jener little tools von Interesse, die User unaufdringlich, aber effizient einem Minimaltest unterziehen – als Passwörter bzw. passphrases und Captchas (Akronym für „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“) –, damit Schreibräume vor unerwünschten menschlichen MitleserInnen genauso geschützt bleiben wie vor mitlesenden Maschinen.

Aktualitätsprogramme kleiner Formen

Ein dritter Arbeitsschwerpunkt des Kollegs liegt auf den ästhetischen, medientechnischen und ökonomischen Spielräumen, die kleine Formen ausschöpfen, um auf Aktualitätsforderungen zu reagieren. Leitend für die gemeinsame Arbeit sollen die folgenden Forschungsfragen sein:

  • Welche Kleinformen kommen dem Anspruch auf Zeitgemäßheit im Gefolge medialer Innovationsschübe besonders entgegen, und wie verändern und erweitern sich dadurch die Kriterien des Wissenswerten?
  • Welchen ökonomischen Diktaten werden sie dadurch unterworfen?
  • Mit welchen ästhetischen Verfahren operieren sie, um sich dem damit entstehenden Zeitdruck – durch Neuigkeiten, verkürzte Zeittakte und knappe Aufmerksamkeitsressourcen – zu beugen oder zu widersetzen?
  • Mit welchen Kleinformen und Medien treten sie in einen Aktualitätswettbewerb, und welche Synchronien und Asynchronien gestehen sie sich in diesem Umfeld zu?
  • Inwiefern sind kleine Formen damit zugleich an der Modellierung, Korrektur und Unterminierung von Geschichtsbegriffen beteiligt?
  • Wie wirkt die Emergenz neuer Kleinformen auf das Repertoire überkommener Kleinformen zurück?

Die hier verfolgten Dissertationsprojekte stehen in zwangsläufiger Kontinuität zu den Forschungen der bereits erläuterten Arbeitsschwerpunkte, verschieben den Fokus thematisch jedoch auf das zeitkritische Potenzial kleiner Formen und nehmen deren Evolution in Gebrauchskontexten in den Blick, die sich aus Medieninnovationen ergeben. Ins Zentrum rücken damit die Funktionalität und Attraktivität solcher Formen für die Information und Reflexion der Gegenwart über sich selbst.

Kleinformen als Zeitsonden I: Innovationsleistungen

Zeitschichten differenzieren. Mit der Neuzeit setzt, so die in der Forschung verbreitete Annahme, eine rege Proliferation kleiner Formen ein, in der sich eine Dominanz des Aktuellen und Ephemeren manifestiert. Kleine Formen gelten als große Nutznießer, Zeugen und Schrittmacher einer Moderne, zu deren Signaturen die Beschleunigung gehört – nicht zuletzt, weil Presse, Photo- und Phonographie, Telefon, Funk, Fernsehen und digitale Medien das Begehren nach immediacy steigern. Befördert wird dadurch zugleich eine intensive, philosophisch dominierte Reflexion des Prosabegriffs, die eine Neubestimmung seiner Semantik zur Folge hat. Ist der Terminus vor 1800 noch durch die Rhetorik geprägt – und in diesem Kontext gleichnamig mit der oratio soluta, der metrisch ungebundenen Rede –, so wird er nun zum Generalnenner für die „eigentliche Natur der Modernen“ (Friedrich Schlegel, Über das Studium der griechischen Poesie) und avanciert zum Angelpunkt von Zeitdiagnosen, die an den Veränderungen der Gegenwart zugleich deren Kontingenz konstatieren, wenn sie diese mit Attributen des Zerfalls verbinden. Vorgegeben sind damit jedoch vorerst Deutungsmuster mit geschichtsphilosophischem Weitwinkel. Zum Inbegriff moderner Verhältnisse erhoben, kommt die Prosa dort wahlweise als Revers eines Verlusts stabiler Ordnungen in Betracht oder als Resultat historischer Prozesse der Komplexitätssteigerung, die mit Rationalisierungs-, Technisierungs- und Verwissenschaftlichungsschüben erklärt werden.

Das Kolleg wird diese grands récits der Moderne schon deshalb einer Re-Lektüre unterziehen müssen, weil die Forschungsbeiträge zur neuzeitlichen Kleinprosa darauf vielfach zurückgreifen. Allerdings lassen sich damit Ungleichzeitigkeiten innerhalb der betreffenden Zeitalter sowie Kontinuitäten über die Epochenbrüche hinweg kaum erfassen. Im Blick auf die empirische Fülle an neuzeitlicher Kleinprosa soll deshalb untersucht werden, welches Zeitwissen ihre vielfältigen Formen transportieren, indem sie sich als up to date, als avantgardistisch, anachronistisch oder zeitlos profilieren und auf diese Weise auch ihre Affinität oder Distanz zu den jeweiligen Aktualitätsstandards ausstellen, die mit der Erscheinungsfrequenz und Übertragungsgeschwindigkeit der Verbreitungsmedien gesetzt werden, in denen sie auftreten.

Trends verzeichnen. Die Hausse neuer Kleinformen kommt im 15. Jahrhundert durch die Druckerpresse in Gang, die Kalender und Flugblätter en masse unters Volk bringt, um saisonal Relevantes oder Tagesaktuelles zu kolportieren und zu illustrieren. Zum Inbegriff kleiner Formen sind aber speziell jene Spielarten der Kurzprosa avanciert, die seit dem späten 18. Jahrhundert in Zeitschriften und Zeitungen gepflegt wurden. Das beginnt bei Romantiker-Fragmenten, die sich in ihrer ausgestellten Vorläufigkeit auf Prozesse des Werdens hin entwerfen, und führt über die journalistische „Zeitschriftstellerei“ von Autoren, die sich als „Geschichtstreiber“ statt als „Geschichtsschreiber“ (Ludwig Börne, Briefe aus Paris) begreifen, bis hin zu kurzlebigen Modeberichten, physiologies des Pariser Gesellschaftslebens, tagespolitischen Karikaturen und Großstadtfeuilletons. Alfred Polgars Apologie der „kleinen Form“, die 1926 betont, ihre „episodische Kürze“ sei „der Spannung und dem Bedürfnis der Zeit gemäß“ (Polgar, Orchester von oben), erhebt die Feuilletonminiatur zum paradigmatischen Genre für all jene, die sich, im Sinne Charles Baudelaires, als „Maler des modernen Lebens“ betätigen.

In den bisherigen Studien zur kleinen Prosa der Großstadt kommt neben der Ästhetik des Feuilletons die Pragmatik der gleichnamigen Zeitungsrubrik meist zu kurz. Dort finden noch immer vorrangig Essays und Denkbilder Beachtung, die sich durch ihre philosophische Dichte aus der Menge impressionistischer Skizzen herausheben. Das hat deren Abwertung zur minderen Dutzendware verschärft. Es bleibt ein Desiderat der Feuilletonforschung, in einer vergleichenden, über die Profile einzelner Autoren hinausgehenden Perspektive zu sondieren, wie divers die Kleinformen sind, die sich der Zeitgeistphysiognomik verschreiben, und wie sie mit den Produktions-, Vertriebs- und Rezeptionsbedingungen der Zeitung, aber auch mit der Informationspolitik ‚über dem Strich‘ interagieren – z.B. durch eigene Formate der Serienbildung. Zu fragen ist außerdem, wie solche Textformen im Internet und in E-Books neu kultiviert werden. Dann ist zu klären, wie darin ältere Textsorten (Brief, Reisebericht, Legende, Kommentar, Rezension) im Interesse der Aktualität zitiert, abgewandelt und umfunktioniert werden. Was Medienhistoriker als Remediation beschrieben haben – als Übersetzung und Integration eines Mediums in ein anderes –, lässt sich analog für generische Formprozesse geltend machen.

Neuigkeiten notieren. Die Beschleunigung und Erleichterung von Telekommunikationen bringt auch eine Erweiterung des Spektrums der Faktographie mit sich. Im journalistischen Tagesgeschäft erhält die Notiz eine neue Funktion. Aufgezeichnet werden jetzt keine Beobachtungen und Einfälle, sondern Vorfälle. Durch die knappe Mitteilungsform ist ein Minimalabstand zwischen Geschehen und Meldung garantiert, der nicht nur die Kolportage von Neuem, sondern von „Neuestem“ erlaubt. Eine systematische Dimension gewinnt die Sicherstellung von Aktualität durch Updates dort, wo die Korrelation von kleiner Form und Neuigkeit definiert, was Information heißt.

Als Neuigkeit wird das journalistische Faktum – das unterscheidet es von der wissenschaftlichen Tatsache – nicht für spätere Verwertungen festgehalten. Es fordert Aufmerksamkeit dadurch, dass es „das Infinitivische einer noch unabgeschlossenen Gegenwart in das Partizip Perfekt des Faktischen überführt und in dieser vorläufig definitiven oder definitiv vorläufigen Form zur Kenntnis bringt“ (Juliane Vogel). „Tatsachen“ vom Typ der faits divers – deren Konjunktur nicht von ungefähr steigt, als Presseagenturen für den raschen Umschlag von Telegrafiemeldungen aus aller Welt auf dem Nachrichtenmarkt sorgen – sind das Paradebeispiel für Kleinstnotizen, mit denen sich das Wissenswerte auf die Merkwürdigkeiten des Alltags ausdehnt und das Wunderbare neben dem Monströsen im Gewöhnlichen aufscheint: in Lottogewinnen, glücklichen Rettungen, Unfällen, Gaunereien oder mysteriösen Todesfällen. In der Rubrik des „Vermischten“ sammelt die Presse allerlei bunte Realitätssplitter auf, die sich auch in dem Sinn als nackte Tatsachen darstellen, dass sie sonst nichts preisgeben und mithin ungewiss bleibt, ob dahinter eine Geschichte steckt, die ausgegraben zu werden lohnt.

Kleinformen als Zeitsonden II: Hotspots der Aktualitätsbewirtschaftung

Novellistik. Literarisch profitiert vom enormen Wachstum des Faktenmarkts zunächst die Novelle, die von den Stoffvorräten der tradierten historia abrückt, von der Lizenz zur blanken Fiktion aber selten Gebrauch macht und dem Erfinden das Vorfinden vorzieht. Unter verschobenen Vorzeichen kommen Prinzipien der rhetorischen inventio dort neu zur Geltung. Näher zu untersuchen ist aber in synchronen und diachronen Studien, wie die Novellen selbst die Fasslichkeit ihrer Form verteidigen, indem sie sich einerseits ein Anschwellen zu epischer Breite versagen, andererseits bei der Schilderung unerhörter Begebenheiten ins Detail gehen. Man kann dabei – wiederum – alle möglichen Anverwandlungen von anderen Kleinformen beobachten: von rhetorischen Formularen des Exemplums z.B., die oft jedoch contre cœur verwendet werden, wenn die Moraldidaxe primär als Alibi für ein Erzählen herhält, das die neugierige Leserschaft lieber unterhalten als belehren will. Auch trifft man auf Fallgeschichten, die zur Gegendarstellung genutzt werden. Als Quelle „unwahrscheinlicher Wahrhaftigkeiten“ (Heinrich von Kleist), die gegen die Wahrscheinlichkeit der Geschichte in Stellung gebracht werden, erhält außerdem die Anekdote beträchtlichen Kredit. Ebenso begierig saugt die Novellistik das mündliche Gerede auf und kolportiert die Geschichten, die dort zirkulieren. Selbst alte Sagen. Wenn man das nicht als Regression beargwöhnen oder, umgekehrt, der Progressivität einer Erzählliteratur zugutehalten will, die ihr höheres Niveau beweist, indem sie die Einfachheit oraler Formen ‚vorführt‘, so wird man die komplexen zeitgenössischen Nachrichtenlagen eingehend studieren müssen, in die sich die Novellen einschalten – nicht zuletzt, weil sie ihr Publikum selbst über Zeitungen und Zeitschriften erreichen.

Avantgarden. In den Avantgarden seit 1900 findet die Lakonik der kleinen Faktenprosa einen eigenen Resonanzraum. Einerseits springen hier experimentelle Schreibweisen und Ästhetiken des Minimalismus ins Auge, in denen sich Lyrik und Prosa – wie zuvor schon in Baudelaires wegweisenden Petits poèmes en prose (1857) – einander annähern. Im Gegenzug wächst damit der Rätselcharakter der Kleinformen. Es entstehen Texturen an der Grenze der Unverständlichkeit, in denen auch das Banalste bizarr wirkt und Skurriles normal erscheint. In spanischen und lateinamerikanischen microrrelatos, amerikanischen Formen der sudden fiction oder flash fiction sowie skandinavischen „Punktromanen“ aus den 1990er Jahren (Merete Morken Andersen, Helle Helle, Christina Hesselholdt, Hanne Ørstavik u.a.) finden solche Mikroerzählungen jüngere Nachfolger.

Andererseits motiviert der Anspruch, an der Radikalverfremdung der Wirklichkeit zu arbeiten, um das Neue an ihr freizulegen, kollektive Sammelaktivitäten im Interesse des Dokumentarischen. Sergej Tret’jakov zum Beispiel beginnt im revolutionären Russland, knappste „očerks“ (Skizzen) anzufertigen, um auf dem Weg des reflexionslosen Schnellschreibens die eigene Wahrnehmung zu entautomatisieren. Wenn zur selben Zeit die Aktivisten des DADA zur Schere greifen, um das Material ihrer Collagen aus Zeitungsabfällen zu generieren, so stehen hinter diesen cut & paste-Techniken hingegen maliziöse Zeitbeobachter, in deren Montagen die Restwelt ihre eigene Absurdität sehen soll. Derzeit kommt dem zumindest dem Verfahren nach eine Popliteratur nahe, die Songfetzen, Werbeslogans und Markennamen aufliest und Romane als Enzyklopädien von Zitaten mit generationellem Signalcharakter anlegt. Hier sind neue Archivisten am Werk, deren Arbeitsformen sich als Aktualisierungen älterer Exzerpierpraktiken studieren lassen – wobei die Notationen nun Kommunikationen festhalten, die sich „gerade eben jetzt“ (Eckhard Schumacher) ereignen.

Plattform Internet. Wer ein Smartphone besitzt, kann solche Rückkopplungen der Gegenwart mit sich selbst inzwischen nicht nur schreibend und lesend, sondern auch audiovisuell und telekommunikativ produzieren – an jedem Ort und zu jeder Zeit. Als Kurznachrichtendienste sind Live-Ticker, Twitter und SMS auf Updates im Sekundentakt eingestellt und rechnen mit schreibenden followers, die ihre timeline ständig im Auge haben. Daraus ergeben sich Kommunikationsgewohnheiten, die bisher geltende Form- und Funktionsdifferenzen einebnen, sie zumindest in operativer Hinsicht belanglos machen. Im Gezwitscher von Tweets und Re-Tweets gehen Mündlichkeit und Schriftlichkeit nahtlos ineinander über. Ebenso kollabiert der Unterschied zwischen schriftlicher und bildlicher Aufzeichnung. Integriert in Mobiltelefone, können Digitalkameras alles Mögliche per Knopfdruck aufnehmen und ermöglichen ihren BenutzerInnen stets und überall das Produzieren, Versenden, Revidieren und Rekonstellieren von Filmen, wobei das „Teilen“ oft wichtiger ist als das Mitteilen.

Das Kolleg wird sich vor diesem Hintergrund nicht nur mit jenen Typen von posts beschäftigen müssen, die durch rigide Zeichen- und Zeitvorgaben auf Kürzestformate festgelegt sind – dazu zählen mittlerweile auch Plattformen wie Vine oder Instagram, auf denen Filme von 60 bzw. 15 Sekunden hochgeladen werden können –, sondern auch die Strukturen der Serialität zu diskutieren haben, die durch sie hervorgebracht werden. Wenn Bilder ihre Wirksamkeit vor allem in Prozessen entfalten und jeder Tweet mit seiner Verdrängung durch den nächsten rechnen muss, lässt sich von ‚kleinen‘ und ‚großen‘ Formen kaum mehr trennscharf sprechen. Tatsächlich stimuliert Twitter sowohl den spielerisch-kompetitiven Umgang mit pointierten Schreibweisen bzw. Bildsequenzen, die eine Nähe zum Aphorismus und Witz haben, als auch ein instantanes Schreiben im Dauerfluss und mit dem Selbstverständnis eines filterlosen, unentwegten dumb writing, bei dem jede Ambition des Scharfsinns nur stört. Welche Formen der Faktographie davon begünstigt werden, bleibt zu sondieren.

Theoriegeschichte kleiner Formen

Die Aufarbeitung der Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen muss die Erforschung der Theoriegeschichte von Formkonzepten einschließen. Darin kommen die kleinen Formen sowohl als Gegenstände der Reflexion in Betracht wie als Formen, in denen solche Reflexionen – auch über große Formen – sich vollziehen. Die Untersuchung soll von folgenden Forschungsfragen ausgehen:

  • Welche historischen Formbegriffe aus dem Kontext von Rhetorik, Poetik und Literaturtheorie sind vorauszusetzen bzw. zu aktualisieren, um den Formcharakter der jeweils beleuchteten kleinen Formen zu kennzeichnen? Welches analytische Vokabular bieten die AutorInnen bzw. HerausgeberInnen von sich aus an?
  • Welche aktuellen Formkonzepte sind für die theoretische Beschreibung der Formtypen nützlich?
  • In welchem Verhältnis stehen die jeweiligen Formkonzepte zu Gattungs- und Medienbegriffen? Unter welchen Prämissen sind Gleichsetzungen möglich, wo differenzieren sie sich gegeneinander aus?
  • Welche Aufwertungen bzw. Stigmatisierungen sind mit ihrer Adressierung als kleine Formen verbunden?
  • Welche Vorzüge bzw. Defizite gegenüber großen Formen werden dabei geltend gemacht?
  • In welcher Weise wird das „Kleine“ in solchen Kontexten zum Gegenstand literaturtheoretischer Programmatik?

Auch hier können Dissertationsvorhaben synchron oder diachron angelegt sein, wichtige Theoriepositionen behandeln oder Debattenkontexte aufarbeiten. Nahe liegt eine besondere Berücksichtigung der folgenden Bereiche.

Rhetorik. Die griechische und römische Rhetorik theoretisiert kleine Formen im Teilbereich der Topik und erfasst sie dort als Gemeinplätze für den kommunikativen Wiedergebrauch. Die Begründungen für den Aufbau solcher Inventare verquicken Desiderate der inventio mit Maßgaben der elocutio, die sich etwa aus den virtutes narrationis – in denen das brevitas-Ideal eine Rolle spielt – oder der Dreistillehre und ihren Angemessenheitskriterien für die Gattungen der Rede ergeben. Welche Kleinformen dank solcher Stilideale Mustergültigkeit erlangen und in welcher Weise historische Unterrichtswerke mit ihren Abschreibesystemen zu deren Konstitution und Stabilisierung als Formen beitragen, ist in historischen, auf das Mittelalter und die Frühe Neuzeit ausgreifenden Analysen jedoch weiter zu klären. Dabei muss zugleich sondiert werden, wie sich kleine Vers- und Prosaformen gegeneinander profilieren. Ebenso lohnenswert erscheint es, historische Debattenschauplätze aufzusuchen, an denen solche Kleinformen in die Kritik geraten bzw. an denen ausgehandelt wird, durch welche Neulegitimationen und daraus abgeleiteten Reformanstrengungen sie das vorgebliche Ende der Rhetorik überdauern.

Poetik und Ästhetik. Auf dem Fundament der Rhetorik basierend, sind es vor allem die im 16. und 17. Jahrhundert in Italien, Frankreich und England entstehenden Poetiken, die im Interesse der Sicherung gelehrten Regelwissens an der Zusammenstellung eines Katalogs von Normen – jetzt bezogen auf poetische Gattungen im engeren Sinn – arbeiten. Dass die Regulierungseffekte dieser Lehrwerke auf Europas Literatur sich tatsächlich in Grenzen gehalten haben dürften, tut der Langzeitwirkung keinen Abbruch, mit der diese Poetiken den geschmacksrichterlichen Diskurs über Dichtung und Literatur geprägt haben. Kleine Formen sind darin keineswegs ausgespart. Sie bleiben aber eben auf die Versgattungen beschränkt – und werden hier sogar mit Vorrang behandelt. Schon für die Kunstbegriffe der Antike setzen Elegie, Satire und Epigramm höchste Maßstäbe, weil ihr beschränkter Umfang die wahren Meister verlangt. Dagegen kommt die kleine Prosa in diesen Verständigungen nicht in Betracht. In den alteuropäischen Ordnungen des Redens und Schreibens bleibt ihr Stellenwert trotzdem solange unangefochten, wie ihr durch die Rhetorik pragmatische Funktionen und klar bezeichnete soziale Einsatzorte zugewiesen sind.

Das ändert sich, als die Verbindlichkeit der Redekunst und ihrer Regeln und Erfolgsrezepte erodiert und Ästhetiken entstehen, die zwar die Prosa neu bewerten, dabei aber vor allem auf den Roman Bezug nehmen. „Hierdurch wird die Kleine Prosa gleich mehrfach ausgegrenzt: sie ist keine große Prosa, und sie ist keine kleine Lyrik“ (Thomas Althaus / Wolfgang Bunzel / Dirk Göttsche). Nicht nur die emergierenden Formen der Kleinprosa selbst, sondern auch die Reflexionen über sie und ihren Formcharakter sind deshalb darauf angewiesen, sich auf Ränder, Schwellen und Zwischenräume zu verlagern. So erklärt sich die Bedeutung, die Briefe, Vorworte, Rezensionen usf. für die Verständigung über die Vorzüge und Grenzen solcher Formen gewinnen. Als Paratexte werden sie zur Plattform für die Kommentierung anderer Formen und Genres. Als Produkte eines Schreibens, deren Formen und Stile nur individuell zu kennzeichnen sind, charakterisieren sie sich aber auch selbst.

Evident ist das insbesondere bei der philosophischen Gedankenprosa und experimentellen Kurzprosa, die mit anspruchsvollen, emphatisch vertretenen Formkonzepten aufwartet. So schwer sich diese Texttypen begrifflich auf einen Nenner bringen lassen – Aphorismen sind als „Réflexions“ (La Rochefoucauld) oder „Pensées“ (Pascal) verzeichnet und in „Sudelbüchern“ (Lichtenberg) notiert, Feuilletons als „Spaziergänge“ und „Seifenblasen“ (Walser) betitelt –, so sehr muss sich ihr Selbstverständnis im Medium ihrer selbst erläutern: als Reflexion der kleinen Form in praxi. Friedrich Schlegels Fragmente sollen in ihrer Partikularität zugleich die Unverfügbarkeit des Ganzen ausstellen, das sie anvisieren. Die Erkundungen des Essays als Form brauchen bei Lukács, Bense und Adorno notwendig die Form des Essays. Auch viele Feuilletons handeln vom Feuilletonschreiben, wenngleich oft aus apologetischen Gründen: zur Abwehr des Verdachts der Banalität. „In der AUFZEICHNUNG (so wie ich sie verstehe), komprimieren sich das NOTARE und das FORMARE“, notiert Roland Barthes über die von ihm geschätzte Kleinform der Notiz (Die Vorbereitung des Romans).

Weitere Konturen können diese Formbegriffe, die im Zuge dieser Diskussionen entwickelt und verteidigt werden, durch ihre theoriehistorische Einordnung gewinnen. Darum ist herauszuarbeiten, von welchen traditionellen und gegenwärtig favorisierten Formkonzepten sie sich absetzen. Erforderlich ist dazu nicht nur eine Rekapitulation der Ein- und Ausschlüsse, die Referenzwerke in Poetik und Ästhetik dekretieren. Aufgearbeitet werden muss genauso, wie in den betreffenden Reflexionen die kleinen Formen zueinander ins Verhältnis gesetzt werden, welche immanenten Hierarchiebildungen in der Rezeption daraus erwachsen und welche genealogischen Beziehungen auf diese Weise verschüttet werden. Dabei ist die vergleichende Betrachtung der Diskussionen wichtig, die in den verschiedenen Disziplinen – häufig unter Missachtung der jeweils anderen – geführt werden.

Theorieprogramme des 20. Jahrhunderts. An den jüngeren Theorieprogrammen fällt die Regelmäßigkeit auf, mit der sie sich auch vormodernen Kleinformen zuwandten. Prononcierter gerieten die Strukturen dieser Kleinformen in den Blick, als die Literaturtheorie der 1960er Jahre Linguistik und Poetik miteinander engführte. In der Folge des linguistic turn verlagerte sich das Interesse von der Hermeneutik individueller Kreationen auf typische Erzählgrammatiken, die zugleich die Grundlage schufen, um den Literaturbegriff zu erweitern und auf die ‚Texte‘ und Formenrepertoire der Massenkultur auszudehnen. Den Anstoß dazu gaben Formalisten und Strukturalisten, die Volksmärchen, Mythen und Bibellegenden minutiös sezierten. Deren Ergebnisse wurden durch eine umfassende Kultursemiotik aufgenommen, an die inzwischen narratologische Makromodelle anknüpfen.

Untersucht wurden „einfache Formen“ – darunter wiederum Märchen und Mythe – aber zuvor schon bei André Jolles, der sie 1930 ins Zentrum einer Morphologie auf anthropologischer Basis stellte. Wie seit dem 18. Jahrhundert häufig zu beobachten, kreuzt sich die Literaturtheorie hier mit der Geschichte anderer Humanwissenschaften, die für die Begriffsbildung Konzepte anbieten, von der Literaturtheorie im Gegenzug aber auch mit deren Hypothesen über ›den‹ Menschen, seine Natur- und Kulturhistorie beliefert werden. Das lässt es lohnenswert erscheinen, speziell die einfachen Kleinformen als Leitfossilien einer Wissenschaftsgeschichte der Literaturwissenschaft ernst zu nehmen, die aufklärt, welche Form-Konjunkturen und -Theorien sich hier durch die Koevolution von Volkskunde, Ethnologie und Anthropologie entwickeln.

Eigene Studien verdienen schließlich die theoretisch-programmatischen Reflexionen kleiner Formen, die von Nietzsches Perspektivismus – als Hintergrund seiner Aphoristik – und Musils Essayismus bis hin zu gegenwärtigen Poetiken des Kleinen reichen. Hier ist etwa an das Konzept der „kleinen Literatur“ zu denken, das nach wie vor eine hohe politische Strahlkraft besitzt. Aus Kafkas Notizbüchern entlehnt, haben Gilles Deleuze und Félix Guattari den Term in den 1970er Jahren auf Idiome aller Art bezogen, die „minoritär“ sind, sofern sie von einer hegemonialen Form abweichen und mit dem Stigma des Minderen behaftet bleiben. In jüngeren Globalisierungsdebatten ist das auf (National-)Literaturen gemünzt worden, die keine internationale Marktmacht besitzen. Theoriepolitisch motivierte das Konzept aber auch einen minoritären Publikationstypus, der zur Formulierung dissidenter Positionen einlud: kleine Bücher; Separatdrucke von Aufsätzen, Einzelvorlesungen und öffentlichen Interviews; Bände mit rhizomatischem Aufbau, in denen „tausend Plateaus“ miteinander kommunizieren. Man kann darin Remediationen des Essays als Theorieform erkennen, die sich strengen Systemidealen entzieht. Schreibweisen des Zeitalters digitaler Vernetzungen, mit denen sich zugleich bestimmte online-Foren profilieren – gerade von Theorieverlagen und Zeitschriften mit ambitionierten Programmen der Gegenwartsreflexion –, können sich hier problemlos antizipiert sehen.

Research Program

Research Concept

Why Small Forms?

Complaints about the “flood” of news, information, and novelties demanding our attention have been notorious since, at the latest, the Early Modern Period. In the wake of contemporary medial advances in mobility and digital networking possibilities, they have become even more timely. To the degree that the resources of social attention have become scarcer and the interests of individuals more volatile, the pressure has increased to counter the abundance of what can be known with an efficient organization of perceptual worlds and to both recognize and adeptly use new spaces for creative play.

For this reason, small forms of writing and note-taking are appealing that help with the bookkeeping of observations and ideas, the communication of knowledge, and the steering of curiosity, and that at the same time ease our handling of constraints of time and space. Such text types as sketches, abstracts, notes, protocols, excerpts, essays, articles, and glosses can make a case for the advantages of the compact, the condensed, the quickly surveyed, but they can also reveal the provisional, the ephemeral, and the need for supplementation of what has been noted and can, in this way, suggest that they are both trustworthy guarantors of communication routines and disturbances, sources of productive irritation. Despite the elementary meaning that they hold for their use in research and teaching, art and public media, the genesis and evolution of the spectrum of their forms has up to now only been studied selectively.

The research training group will study the literary and epistemic history of such forms in historical outline, from antiquity to the present. Its systematic focus is on the praxis fields of literature, science, and popular culture, and it analyzes which small forms of writing and representation have established themselves within these fields, how with their help processes of communication are controlled, reflected upon, criticized, and channeled in specific media. Furthermore, the group investigates the dynamic exchange of small forms between these fields: the interactions that are both facilitated and obstructed by the history of their separation.

The Concept of the “Small Form”

The term “small form” is elastic and underdetermined, but it was already introduced into literary studies a while ago. Within the history of concepts, the term can be traced back to the end of the nineteenth century. Back then it referred primarily to the manifold varieties of short prose that were specially developed in the feuilleton section of print media, in the optically separated marginal zone in the bottom third of the newspaper page: its style could be sketchy, impressionistic and ephemeral in some cases; in others it could be lyrically dense, conceptually concentrated, and allegorical.

Meanwhile, the term has broadened and refers to some of the shortest of forms, such as the proverb and the joke, as well as small narrative genres – for instance, the short story. Hence, on the one hand, the field of “small forms” overlaps with that of “simple forms” as defined by André Jolles. On the other hand, useful didactic forms, such as the exemplum or the fable, also fall under this rubric; they were as indispensible for ancient rhetorical instruction as they were for sermons in Christian homiletics, or later for the rational education of enlighteners in the eighteenth century. Pithy forms of reflection with the character of a tenet, aphorism, or maxim derived from the same tradition of rhetorical topoi, which initially were compiled as instructive dicta before being extended to thoughts, inspirations, and ideas of all types that found their way into notebooks and diaries through a practice of private bookkeeping that was regular and minute. As a result of this praxis, conventional forms of text types that arose from ancient medicine, such as the aphorism, transformed in the seventeenth century. But they also led to a wave of new genres such as the essay, whose formal openness later had a radiating effect on feuilleton prose.

It is widely accepted that the spectrum of these small forms has diversified considerably in modern times and is predominantly shaped by the varieties of short prose that emphasize their modernity without denying their origin in older traditions. There is also a consensus that the disparateness of the field cannot easily be diminished by rigidly defining exclusionary criteria to narrow the aspects of form that are of interest here to questions of genre – and certainly not to mere literary genre. To be sure, genres may presuppose conventions of form, but not every form solidifies into a genre, and what is special about the small forms in which the research training group is interested is that they wander among different genres. This mobility of genre is linked to the circumstance that the “smallness” of forms can only be determined relationally from the outset: in interaction with larger complexes. Small forms emerge as abbreviations through selection and condensation; through their particularity, however, they simultaneously stimulate supplementations, can be recombined and amplified, and can in this way bring themselves to the fore in totally different ways.

The research training group’s approach accounts for this by refraining from a compulsory unification of terminology and placing the accent on a praxeological view towards small forms as products and motors of processes of communication and circulation. In lieu of fixed traits, the focus thereby lies on the dynamics that unfold in respective contexts of use.

Research Approach: Aesthetics and Pragmatics of Small Forms

The research training group’s goal is to clarify the functions and achievements of these forms in epistemic, school, educational, journalistic, and literary contexts of praxis. It is guided by the claim that small forms are actively engaged in the acquisition of knowledge, the transmission of experiences, and the steering of curiosity, as well as themselves formed by the corresponding procedures and involved media.

This approach implies that aesthetic and pragmatic factors have to be elucidated in their respective interdependency. Instead of presupposing typological differences among literary and non-literary small forms from the start, we will therefore inquire on the one hand into which aesthetic procedures bring about or undermine such differentiations. On the other hand, we have to clarify which pragmatic conditions for the production, circulation, and reception of small forms determine the range of their aesthetic scope and can either accommodate or prevent their success.

In order to open up this vast field, the research training group will provide a significant contribution by investigating the genesis and evolution of small forms in historical breadth: in a perspective that ranges from antiquity to the present. It directs the systematic focus on the praxis fields of literature, science (including school instruction) and popular culture (in its pre-modern and modern varieties of “folk culture” and multimedia mass culture). At the same time, the careers of small prose forms and formats will be at the forefront of our investigations, in order to concentrate on the largest possible cross-section.

With a view to the three praxis fields, the overarching research questions of the research training group are:

  • Which small forms of narration, argumentation, and representation could have and still might establish themselves within these fields, and how are processes of communication and negotiation steered, reflected upon, criticized, and channeled in specific medial ways?
  • Which relationships of exchange can be observed between the fields? Which interactions are facilitated and which are prevented in the course of the history of their separation?
  • Which parameters determine the interdependency of small forms, contexts of usage, and the production of knowledge?
  • How do small forms contribute to prose’s rise in cultural relevance?

A closer characterization of smallness cannot, however, remain fixed by quantitative criteria of brevity, but must take into account qualitative viewpoints – concentration, condensation, formality, the trait of being an apercu, ephemerality, low prestige, etc. The group will therefore study the modalities of limitation that condition the “smallness” of the form as an interrelation of different factors. In the process, it will distinguish primarily between three aspects: namely, aesthetic, economic, and ecological viewpoints, from which the research questions are derived, that will be pursued as the focus of the group’s work (see 2.1 to 2.4).

A   Aesthetic Perspectives

Small prose’s representative power and character as a form have to be specified in an aesthetic sense. They can be heterogeneous and take shape as a stringency of form as well as an unruliness that itself becomes the rule. Different factors of control and deregulation have to be considered: for example, the role of patterns and models, textbooks and programmatic writings in processes of constructing norms, but also the migration of such forms between science, literature, and popular culture. Here we seek to inquire into how the possibilities for aesthetic processing of such changes of place and status have been realized (e.g. through the redefinition of the relationship to rhetoric), and in contrast, which have remained unused.

In this context, moreover, the scholarly and scientific routines for interpreting the related transformation require a critical discussion. This pertains, in particular, to the assessment of small forms as “simple” or “complex” whose conceptual history has already been proposed by Jolles’ Simple Forms. Mostly connected with the ascription of complexity are hypotheses of development that assume escalation or increase: whether they are temporally based (as modernization and the overcoming of previous simplicities), social (as hierarchization, for instance of higher art and primitive popular or mass culture) or personal (as a decline in standards between geniuses and epigones, researchers and teachers, writers and journalists, experts and laypersons). In contrast to such oppositions, which are for their part simplistic, the research training group will attach importance to the interdependencies of “simple” and “complex” structures. As little as we can equate the “smallness” of the forms under consideration with simplicity, all the less can we presume a unidirectional genesis of the complex out of the simple. Instead, we have to regard simplicity as not merely a premise of increased complexity but also as a consequence of the reduction of complexity. For this reason, we have to typologically differentiate how all of the small forms can be classified in this spectrum, how they might benefit complexity, as well as which breaks in tradition and new applications they pave the way for through intentional simplifications.

B   Economic Perspectives

With respect to economics, it is necessary to consider the techniques, procedures of representation and recording, as well as the material and organizational pressures of economizing that keep linguistic and stylistic expenditure in check. Here, too, we can distinguish between different levels: the rhetorically describable techniques of abbreviation, ellipsis, emphasis, and figuration, that come into play; the related proximities and demarcations vis-à-vis alternative forms of condensation or densification – namely, to verse forms but also to images; the know-how of techniques and requisites of excerpting, notating, accounting, collecting, and administering; the mechanical and media-theory devices along with their prescribed applications for cut & paste; finally, the calculation of expenditures of time, space, and money that do not allow for circumlocutions and are essential to the successful implementation of small forms in their given fields of praxis. The study of such economies of form includes a consideration of diverse portable media that, through their small formats (notebooks, brochures, pulp magazines, paperbacks, and so on), their handiness, and also as instruments for the pocket (pencils, fountain pens for travelling, mobile phones, and so on), favor the development of small forms.

C   Ecological Perspectives

With respect to ecology, it is also necessary to illuminate the environments in which the relevant forms are judged as “small” or are afflicted with the stigma of being minor and inferior. This begins with the respective textual environs in which small forms are produced, circulated, and received and through which they acquire the importance upon which their functional usefulness and symbolic value depend. When texts – with respect to their length as well as their normative weight – claim greatness, they create marginal zones by which they define themselves as the “main text.” This gives rise to paratexts that are subordinate to them insofar as they display things considered ancillary and dispensable, through title and chapter headings, commentaries and glossaries and glosses, but also contribute to their consolidation, lend them authority and validity, and showcase themselves through the perception of different functions of text criticism – including the utterance of dissension. Other intertextual relations arise when small forms remain among themselves or large forms (e.g., monographs, biographies, memoires) have fermented out of them.

An additional component of the ecology of small forms are the social environs in the form of groups and publicities in which they participate and which they – in several meanings of the term – “entertain.” The research training group will have to study where these small forms are used to increase and decrease thresholds of access and thereby have exclusive or inclusive effects. This requires a precise analysis of the alliances that these small forms enter into with the different media of communication through which they circulate. If we take up a suggestion by Niklas Luhmann, forms can at first and very generally be conceived of as the “tight couplings” of elements that distinguish themselves from the “loose couplings” of media, where the possibilities of the medium are not only exhausted but also regenerated by such formations. Luhmann discusses the relationship between form and medium in the context of the “art of society” and conceives his concept of media in general terms so that he remains indifferent to both the different levels of the materiality of communication – that is, to the conduit and the code – and the differences among text types. If, however, we sharpen the media question more concretely to media of representation and dissemination and, relatedly, to analog and digital technologies, processes of “remediation” – in the sense of the adaptation of one medium by another – have to be taken into account, as do phenomena of the regeneration of small forms through the change of media.

By tracing the genesis and evolution of small forms through the concrete interactions of aesthetic, economic, and ecological factors, the research training group takes into account that these forms are distributed among heterogeneous text types and paratexts of short prose that are neither “small” in the same way nor similar to one another as forms. Yet these forms appear within a common perspective on the level of second-order observation, insofar as they react with their range of diminutive constructions to the dictates of praxis, to normative or situational pressures for self-modesty, self-truncation, and selection.

To structure the analysis, the research training group will emphasize four main areas that have the character of cross-cutting topics and specify the levels on which small forms become virulent as products and motors in communication and circulation processes in the history of literature and knowledge. The aim is to provide a problem-oriented investigation of the advantages and accomplishments enabling these forms to assert themselves in literature, science, and popular culture. In order to demonstrate that the pertinent small forms – in the sense of our main thesis – are actively involved in the acquisition of knowledge, in the proliferation of experiences and the guidance of curiosity, and at the same time appear aesthetically, economically, and ecologically “informed” by these practical purposes, we propose to analyze the following aspects:

  1. die routines of usage of small forms in historical contexts of teaching, learning, and researching
  2. die activities of collection, through which they are managed and (re)generated
  3. die topicality programs, with which they react to the demands of the time
  4. die history of the theory of small forms.

Main Areas of Research

Routines of Usage – Teaching, Learning, and Researching in Small Forms

Rhetoric had already developed a high demand for small forms soon enough by professionalizing the art of speaking well and in this way also had an effect on poetics. Poets should, as Horace advised, combine the pleasant with the useful and please their audience by being informative. Because, however, poesy and prosody – despite Aristotle’s early objections – were treated as synonyms, prose forms were for a long time never a point of debate. Their contours first sharpened to the extent that rhetoric provided systematic argumentative support for the sake of successful speech. For the purpose of this kind of communicative stockpiling, indexes were created that enabled reference to what had been said and reported, and whenever necessary, even fabricated. These indexes were developed as archives of patterns and moveable pieces that could be used again. This explains the targeted collection of short sentences and histories, later also observations, thoughts, and inspirations, whose purpose was to limit the expenditure of proof for their users by enabling the quick production of evidence.

A first research area of the research training group will therefore have to be dedicated to the diverse services that such small forms perform in instructional and educational practice, for educational demands as well as for research purposes, when it comes to invention and improvisation. In order to investigate the interrelations between their aesthetics and pragmatics, the following research questions are paramount:

  • What type of knowledge is supposed to be acquired, communicated, guaranteed or unsettled by them?
  • What prior knowledge, lack of knowledge, or not-yet knowledge do they presuppose among their respective users and addressees?
  • Which economic dictates and ecological pressures have results for the aesthetics of their form?
  • How does the differentiation of science, literature, and popular culture affect the handling of these forms?
  • Which factors favor migration beyond their borders?

The dissertation projects can be either synchronic or diachronic. Connections to the other research projects will arise either through typological or genre affinities among the small forms, through historical convergences, or through analogous operational rationalities. Projects with the following emphases hold the greatest potential benefit for such interlocking:

Small Forms as “Little Tools of Knowledge” I: Epistemological Functions

Providing Examples. Didactic small forms, such as the fable and the exemplum, provide lessons in morality and everyday wisdom for a wider audience and readership by elevating stories – which in the case of the exemplum are historically authentic – to the schoolmasters of life. If we examine more closely the related epistemology of the exemplary, the interrelation between example and rule, individual case and claim to generality, proves to be neither consistent nor trivial. In order for exempla to be reliably taken as “authoritarian fictions” (Susan Suleiman), that is, to convey one and only one message, some mobilizations are necessary – as well as artistry on the part of those that are indispensible for their effort to convince. This explains the prominence of these topical short narratives in rhetoric instruction itself, where for over centuries they have delivered classic examples for the practice of techniques of persuasion. Out of this practice, de facto continuities can develop which defy the rules. Precisely the fable reveals that the old narrative materials developed inertia while the teachings they were supposed to confirm were continually replaced.

Making Records. The extent to which rhetoric has remained a basis for the production of knowledge in Europe – through the training of eloquentia, but also by guiding micro-procedures in the economy of ideas – is probably still underestimated. As recent studies in the history of science have shown, the practice of excerpting followed the guidelines of a technique communicated through manuals even after the seventeenth century. Seen in this light, sets of documents such as Georg Christoph Lichtenberg’s Sudelbücher (Waste Books) appear much less as precursors to the Romantic aphorism as collections of excerpts in the tradition of modern practices of notation. Yet in literary studies there is a tendency to glean in the rapidly growing aphoristic short prose since the sixteenth century a critical distancing to the precepts of rhetorical worlds of note-taking.

In order to grasp small forms of this type – as the research training group aims to do – in their efficacy as “little tools of knowledge” (Peter Becker/William Clark) it is not enough, however, to pin them to the functions of instruction and criticism. It is also worth exploring the operations of searching, designing, and inventing that organize them and couple them with excerption and rituals of observation. The historically changing practices of annotation – out of which glosses and footnotes emerge, and with which the genesis of the essay is connected – provide just as fruitful material as protocols, tables, and formulas that supply the necessary paper technology for the habitualization of modes of perception and styles of thought; or questionnaires and interviews that help generate empirical survey knowledge. Moreover, we have to include recipes that tie together experiential knowledge and at the same time invite one to experiment for oneself.

Creating Facts. The preparation of facts in the late seventeenth century, in the course of a shift in scientific curiosity from the miraculous and monstrous to the inconspicuous and usual, is connected with a pronounced rhetoric of the avoidance of rhetoric. When precision, in correspondence with the Latin literal sense of praecisio, dictates the “truncation” of the superfluous, this ethos supplies not only a justification for the straightforwardness of prose (from prorsus = straight), but also only allows an artefactum to be a factum when it reveals its naked core through reduction to the succinct in a way that enables it to represent itself as an essence and opaque remainder that contains within itself a potential to unfold that has to be explained. It is in the elicitation of such potential that the ratio of sketches and notes resides that oscillate between hunch and observation, mind game and nomothetic statement, factography and epigrammatics, and in the diversity of their small forms participate in the pluralization of norms that ground rationalities of research. “True” and “false” are by no means the only criteria of judgment. For epistemic processes, it is just as important to gauge the “fecundities,” “plausibilities,” and “connectibilities” of the assumptions employed and the paths taken.

Small Forms as “Little Tools of Knowledge” II: Exemplary Fields of Praxis

Praxeology of the Humanities, Human and Social Sciences. While research of this type is already quite differentiated within the field of the natural sciences and the humanities – for instance, with regard to operations of taking notes or the diverse types of case studies – comparable studies on the humanities and social sciences are only just beginning. Which contribution small forms of writing and publishing in particular make for the creation and cohesion of (scholarly) networks, schools, and “orientations” still needs to be elaborated with reference to reviews, letter exchanges, polemics, and lampoons, as well as to dedications and prefaces, mottos, salutations, and letters of recommendation. If, moreover, the hypothesis is correct that the seminar can be regarded as a laboratory of philology, even more than the library and study room, we cannot ignore academic formats of instruction, exercises, and examination. That pertains to the changing standards of lecturing as well as those for types of exams, homework, and presentations.

Didactics of Language and Literature Instruction. Similar questions arise, with different emphasis, for the communication of knowledge in schools: for example, in the instruction of old and modern languages. With a view to the “small genres,” Manfred Fuhrmann has already reminded us that they once – beginning with the Disticha Catonis – played a significant role in Western schools. What was common practice in antiquity later developed into a trump card of pedagogical reformists. We can see this in the successful canonization of authors like Herodotus, who had been received as a chronicler of the Persian Wars, before Prussian high school teachers discovered him as a talented narrator of easy anecdotes. Under inverted headings the career of the short story in the twentieth century is also instructive, since here in Germany, in contrast to the Anglo-Saxon world, it was synonymous with the arte povera of postwar literature and in this way was said to simplify the difficult confrontation with fascism, world war, and the Holocaust.

The perspective has to be enlarged, however, to the small text types used to train basic skills of narration and argumentation. Their diversity increased in the eighteenth century with novelties such as the school essay, which could come into its own thanks to the blackboard: as a writing exercise in individual autonomy provided, however, by the indispensible mechanics of the blackboard – to the extent that it made it possible to erase and rewrite as much as one pleased. Great value has meanwhile been placed on presentation techniques like posters or power-point slides. Since teaching methodologies are becoming more empirical, an analysis in terms of the epistemic history of such developments could be a way to continue the dialogue with current research in literary and cultural studies.

Popularization of Knowledge and Science. Small forms can minimize the hurdles to access and disseminate specialized knowledge as common property. This explains the popularity, in the nineteenth century, of tableaus that adapted aesthetics of genre painting to short prose. In the form of “nature paintings” or “geological pictures,” it introduced curious readers to geography and botany and made it easy for folklorists to capture regional mores and customs in cultural images. At the moment there is a boom of variations that combine little ritual tests with athletic completion. Within this framework, the principle of prodesse aut delectare can still legitimate forms of the short performance such as the science-slam in which presenters – mostly aspiring young scholars – prove their competency and quality as entertainers under strict time constraints. With a stroke of luck, this can give rise to meteoric careers that were impossible in the university with its epic qualifying period but thanks to YouTube have become reality: as in the case of the medicine student Giulia Enders, who with her book Darm mit Charme [Charming Bowels] landed a bestseller over night in 2014.

Projects concerned with questions of the type sketched here will have to take into account the results of research on the “materiality of communication,” on cultural techniques such as speaking, writing, and reading as well as of counting (with regard to pages, chapters, lines, verses, volumes, foot- and endnotes, columns, lists, etc.) and of bookkeeping (journal- or house book-keeping). Also to be considered are upheavals in media history that accompany the proliferation of analog, electronic, and digital media technologies, and finally the historical social and educational conditions of access to institutions of learning and instructional media.

Activities of Collection – Small Forms in Larger Corpora

A second main area of research for the research training group is tied to the practices and media of collection through which small forms are administered, safeguarded, and prepared for historical transmission. The smaller the form – according to our hypothesis – the less does it tolerate the singular and all the more is it reliant in its economy upon the ecology of collections and storage in large formats. Therefore, we need to study the medial, material, genre, and editorial contexts in which such forms are stockpiled, passed down, and rearranged, but also themselves become enzymes for generic evolutions. The research questions are the following:

  • What types of neighboring relations do small forms enter into in such compilations, encyclopedias, work complexes, series, and albums and to what extent do they encourage or discourage selective reception?
  • What consequences do these practices of collection and adaption have for the form economy, theoretization, and aestheticization of the pertinent short prose?
  • What types of knowledge proliferate with such collections?
  • What historical continuities are established among small forms through such practices, what breaks in tradition and new approaches do they prepare?
  • How are large hermeneutic contexts fostered or undermined through variants of short prose?

In the interest of the greatest possible synergy among the projects, dissertations in this area should be focused, on the one hand, on the rationalities of ordering procedures that are fundamental to the praxis of compilation and edition. On the other hand, they could also study selected collections that situate small forms in paradigmatic work complexes and in this way legitimate, canonize, and privilege them. That gives priority to the following aspects.

Small Forms as Objects of a Collection I: Functions of Storing and Ordering

Accumulating a Wealth of Knowledge. Archives, libraries and cabinets of curiosities have in recent years increasingly become more an area of interest for researchers, and studies have shown in detail how storage technologies (from the filing cabinet to registries, filing systems and notecard boxes, to digital copies and electronic databases) at the same time participate in the (re)production of knowledge and in the stimulation of literary creativity. The research training group can build on this research. Posing a particular challenge are the early-modern thesauri, analecta, commonplace books, and Aeraria poetica, which literary studies had avoided for some time but is now paying more attention to. These are collections of parables, sayings, adages, and maxims stored as “treasure troves” of rhetorical topoi for the inventio. Typologically, these commonplaces occupy the middle between narrowly defined generic forms of compilation literature on the one hand and the cross-section of collections of extracts on the other hand, in which the most disparate pieces are combined according to the principle of entertaining variety: in the sense of the Roman, Aulus Gellius, who characterized his Noctes Atticae – the paradigm of such compilation in late antiquity – as showcasing “varia et miscella et quasi confusanea doctrina.”

Because the enormous range of this mixed literature is only beginning to be studied – also in its continuity with medieval manuscript collections and with current thesauri on the internet – the research training group can contribute in a large degree to the indexing of these materials. Besides the distinction between homogeneous and “colorfully” stored compilations, it would be advisable to separate different types of small forms. We would have to distinguish such forms that already enter into collections as small independent genres – proverbs, maxims, riddles, legal formulas, legends – from others that only arise through abbreviations, isolation, and selectively being cited in the first place: as exempla, Apophthegmata, excerpts, or “digestibly” portioned passages in anthologies in the style of Reader’s Digest or Beauties of…

Differentiating Types of Knowledge. Furthermore, we seek to study how these corpora of collections contribute to a differentiation of types of knowledge – according to lore, rules of thumb, formulae for success, canonical, heretical, or esoteric knowledge, open and intimate secrets. This depends on the extent to which such knowledge shall be kept private or made public. Collections of anecdotes, for instance, feed on the fact that they spread stories which historians consider too thorny or invalid. They are based on the historeme, understood as the “smallest minimal unit of the historiographical fact” (Joel Fineman). On the other hand, since the time of humanism, commentaries have led to the proliferation of marginalia of other types – in the form of paralipomena, excursus, quaestiones – in which individual truisms can provide hooks for an eclectic mix of interesting things to know of the most diverse provenance.

Enabling the Acquisition of Knowledge. Because such compilations are in both competition and alliance with encyclopedias and novels, as well as with newspapers and journals – as indicated by the polyvalence of the concept of the magazine, which originally designated a storage room – we also have to clarify in which ways such compilations serve not only the selective interest of their authors and editors but also those of their readerships. This pertains, on the one hand, to the habits of selection, reading and not-reading that is attended to by the text economy and material design of compilations and magazines (typography, image-text relations, layout, paper and book formats) and have only recently come into the focus of a conceptual history of media use. Additionally to be considered, on the other hand, are the social rituals of conversation and oral channels of “chatter” around which such thesauri are oriented. In baroque compilations such as “Conférences” (Théophraste Renaudot) or “conversation games” (Georg Philipp Harsdörffer), for example, encyclopedic knowledge is playfully communicated within the framework of a staged conversation that is supposed to be as witty as it is “amusing” and promote the conversation culture of readers through its conversation topics.

A direct path leads from them to both the apostrophized “Conversations-Lexica” of the eighteenth and nineteenth centuries which aim to deliver a “concise handheld dictionary for subject matter from the sciences and arts that arise in social conversation, with constant regard for the events of ancient and modern times” (subtitle of the Brockhaus Dictionary of 1809) as well as to future collections of recitable knowledge by contemporaries: Büchmann’s “Dictums” or Flaubert’s Dictionnaire des idées recues, in which dictums are relatively rare but the realistic novel is all the more exploited as an archive of bourgeois commonplaces. Furthermore, we can call to mind the “-ana”-literature in which the older miscellany survives as a residual playground for mavericks – preferably for professors and artists – and evidence of their intellectual distraction amasses, from which the rest of the world draws its anecdotes.

Small Forms as Collection Objects II: Paradigmatic Work Complexes

Reference Works. Among compilations, corpora which have acquired a reference function through their construction, their inclusions and exclusions, enjoy a special status. They have become constitutive for the maintenance of professions and arts as well as for the nurturing of disciplines. Without the Torah, the Bible, and the Koran there would be no theologies, without law codes no law, without compilations of examples no casuistry, without magazines of case studies or compilations of fairy tales, legends, and myths no experiential psychology and criminology, no ethnology, anthropology and psychoanalysis. Recipe collections can lay claim to an analogous status fur instruction in the arts – for example, of cooking or medication, but also of speaking and creative writing – which put locally guarded practical knowledge into a nutshell of measurements and formulas, rules and to-do lists, in order to facilitate its controlled dissemination.

Tied to this acquisition of small forms as exempla, rules, cases, and so on, are editorial interventions and goal-oriented “purifications” that guarantee that the individual pieces selectively come to the fore as integral parts of an organized whole, as representative patterns, typical exemplars, replaceable samples, relics, or as unica. Such interventions also ensure that the collections are addressed either as closed and hence complete corpora or as open aggregates inviting continual accumulation. Selection, arrangement, and sequencing can, for their part, borrow from the model of other historical or contemporary collections and either produce or sunder links to tradition. We therefore need to inquire into the editorial and compositional principles of such reference works, into the formal paradigms for short prose that are thereby produced, and finally into their claims to authority and the ways in which they steer reception.

Collected Works. Small forms acquire another significance in the context of collections that account for life works, undertake character studies, or keep records of the development of subjects. The spectrum of such collections extends from encyclopedias which support the state such as the Biographia Britannica – an archive of compact representations of the curriculum vitae of “most eminent persons” meant to serve the writing of England’s national history – to short portraits like Brief Lives by John Aubrey, to diary notes, essays, and correspondences as small forms of an écriture de soi. They create space for introverted meditation as well as for flashes of wit and mood and spontaneous inspiration in a given “scene of writing” (Rüdiger Campe).

Worthy of study in this context are individual analyses of editorial projects that bring together written work by individuals under the guidance of a calculated politics of the work. The nineteenth century saw an enormous spread of the assortment of collected works, headed by the complete editions of individual authors. That such editions not only swell up under all sorts of small writings but also come up with discarded variants as well as other fragments from a writer’s papers – often invested with an aura by facsimiles of the handwriting – creates for readers both an easy appreciation for such records and a hermeneutic duty. Another possible way to bring together the scattered materials – in the sense of scattered, smaller publications – available to authors is through narrative inclusion in prose works of a second order. We find this taking place in novella collections in the style of the Decameron that in the nineteenth century frequently arise through the secondary usage of narratives, now inserted into framework narratives that retrospectively motivate their being narrated, namely through conversation games.

Yet such constructions remain fragile and do not fully incorporate the disparateness of the short stories in the master narrative. The extent to which small forms provide opportunities to counter grands récits with skepticism and to refuse being subsumed is not only an issue in literature but also in historiography since at least the twentieth century. Approaches such as microstoria become then an expression of epistemological scruples: they make entire monographs out of particular case studies which are only worth a footnote to others. The pendant to this in new historicism is the programmatic recourse to anecdotes; in the social historiography of literature – which thereby also announces a need for scholarly reform – it is the renunciation of individual monographs by solitary specialists in favor of edited volumes with shared authorship.

Series – Albums – Networks. To be contrasted with such compilations are the principles of serial linkage that are especially formative for popular media and epistemic cultures. Subscribing to small formats – which circulate in dime novels and paperbacks for a reason – they develop a plethora of procedures in order to spark interest among their audience in their continuations, which do not have to be sequels but can also be guaranteed by series, remakes, or transmedial adaptations. Albums also enjoy a similar popularity. As books in the conjunctive, they provide leeway for provisional and reversible combinations of small forms and images that do not necessarily have to give rise to a work.

With their order of return, they stimulate such albums in miniature that the World Wide Web implements on a large scale by enabling on an elaborate technological basis infinite combinational possibilities of posts. Such neo-encyclopedic structures animate users to cut & paste and prompt them – within the limits imposed on them by apps – to collaborate. We have to consider that small forms are thereby buoyed up with not only productive but also destructive consequences. In news and newspaper forums, for instance, the letter from the reader has developed in the diminutive of the short “commentary” into an outlet for vulgar remarks.

The research training group will have to take such contemporary developments as an opportunity to also consider the small form’s propensity for small formlessness and the hindrance of reflection. The cultivation of ignorance – precisely in the age of the knowledge-based society – is also a part of the history of knowledge of such forms. This also raises questions about possibilities for protecting communication spheres within the online world. The research training group will particularly be interested in the technical and aesthetic economies of little tools which unobtrusively put users to a minimal test – as passwords, or passphrases and CAPTCHAS (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) – so that spaces of writing remain just as much protected from unwanted human readers as from eavesdropping machines.

Programs/ Schemes for the Timeliness of Small Forms

A third focal point of the research training group’s work lies on the aesthetic, media-technical, and economic maneuverability that small forms utilize in order to react to demands that they be timely. The following research questions shall guide our collaboration:

  • Which small forms meet requirements of timeliness in the wake of innovations in media, and do criteria for what is considered worth knowing thereby change and expand?
  • To what economic dictates are they subjected in the process?
  • With which aesthetic procedures do they operate in order to bend to or to resist the resultant time pressure that has arisen through novelty, abbreviated units of time, and scarce resources of attention?
  • With which small forms and media do they enter into a competition for timeliness, and which synchronies and asynchronies do they grant themselves in this environment?
  • To what extent do small forms thus participate in the modeling, correction, and undermining of concepts of history?
  • How does the emergence of new small forms affect the repertoire of traditional small forms?

The dissertation projects being pursued here inevitably build a continuity with the research of the focal points discussed above, but they shift the thematic focus to the time-sensitive potential of small forms and consider their evolution within the contexts of use in which media innovations arise. In this way, the functionality and attractiveness of such forms for the present’s information and reflection over its self come to the fore.

Small Forms as Time Probes I: Innovation Capacities

Differentiating Layers of Time. With modernity, according to a widely held scholarly assumption, a vigorous proliferation of small forms ensues, in which the current and the ephemeral reign. Small forms are considered great beneficiaries, witnesses and trendsetters of a modernity among whose signatures acceleration is one – not the least because the press, photography, phonography, telephone, radio, television, and digital media increase the desire for immediacy. At the same time, this promotes an intensive reflection, predominant in philosophy, over the concept of prose, leading to new semantic determinations of the term. If before 1800 the term is still shaped by rhetoric – and in this context synonymous with the oratio soluta, i.e. metrically unbound speech – it subsequently becomes the common denominator of the “proper nature of modernity” (Friedrich Schlegel, Über das Studium der griechischen Poesie [On the Study of Greek Poetry]) and advances to the linchpin of diagnoses of the times, which note the contingency of present changes while connecting them to attributes of decline. These diagnoses provide provisional interpretative patterns using the wide-angle of philosophical history. Elevated to the epitome of modern relations, prose is either considered the flipside of a loss of stable orders or the result of historical processes of increased complexity that are explained by advances in rationalization, technicization, and scientification.

The research training group will have to subject these grands récits of modernity to a re-reading due to the very fact that much research on modern short prose relies on them. For they do not allow us to account for non-synchronicities within the periods in question and continuities above and beyond epochal breaks. With a view to the empirical plenitude of modern short prose, we shall thus investigate what knowledge of their times these diverse forms transport insofar as they make their mark as being up to date, as avant-garde, anachronistic, or timeless. It is in these ways that they showcase their affinity or distance to the given standards of being current that are set by the publication frequency and transmission speed of the media of dissemination in which they appear.

Registering Trends. The boom in the many new small forms was set into motion in the fifteenth century by the printing press, which brought calendars and pamphlets en masse to the people in order to circulate and illustrate matters of seasonal relevance or daily news. Advancing to the epitome of small forms, however, were specifically those varieties of short prose that have been cultivated in newspapers and journals since the late eighteenth century. They begin with the fragments by romantics that, in their showcased provisionality model themselves on processes of becoming, and lead to “mere journalistic writing” (Zeitschriftstellerei) by authors who understand themselves as “movers of history” rather than as “writers of history” (Ludwig Börne, Briefe aus Paris [Letters from Paris]), and on to fleeting fashion reports, physiologies of Parisian social life, caricatures of contemporary politics, and metropolitan feuilletons. Alfred Polgar’s apology for the “small form,” which emphasized in 1926 that its “episodic brevity” is “appropriate to the tension and the requirements of the time” (Polgar, Orchester von oben [Orchestra from Above]), elevates the feuilleton miniature to the paradigmatic genre for all who are active, in Charles Baudelaire’s sense, as “painters of modern life.”

In previous studies of the short prose of the metropolis, the pragmatics of the feuilleton miniature are for the most part inadequately discussed alongside its aesthetics. Such studies are primarily concerned with essays and thought images whose philosophical density stands out among the multitude of impressionistic sketches. This has exacerbated their devaluation as a second-rate, mass-produced commodity. Research on feuilletons has yet to explore, in a comparative manner and beyond the profiles of individual authors, just how diverse the small forms are which are devoted to a physiognomy of the zeitgeist. Nor has the extant research on the topic explained how they interact with the conditions of production, distribution, and reception of the newspaper, but also with information politics “above the line”– for instance, through their own formats of serialization. Moreover, we have to investigate how such text forms are re-cultivated in the internet and in e-books. Then we have to clarify how old text types (letter, travel report, legend, commentary, review) are cited, modified, and repurposed in the interest of being up to date. What media historians have described as remediation – as translation and integration of one medium into another – can be applied analogously to the formal processes of genre.

Taking Note of News. The acceleration and facilitation of telecommunications entails an expansion of the spectrum of factography. In the daily bustle of journalism, the note acquires a new function. Recorded are not observations and thoughts, but incidents. The short communicational form guarantees a minimal distance between an event and a report, which allows the circulation not only of something new but of the “newest” something. The assurance of being current acquires a systematic dimension through updates at the point where the correlation of a small form and news defines what is information.

As news – and that distinguishes it from scientific fact – the journalistic fact is not retained for later use. It demands attention insofar as it “converts the infinitive of a still uncompleted present into the past participle of the factical and makes us aware of it in this provisionally definitive or definitively provisional form” (Juliane Vogel). “Facts” of the fait divers type – which not without reason are on the rise, as press agencies see to the rapid turnover of telegraphic reports from around the world on the news market – are a prime example of the smallest notes with which the newsworthy is extended to include the oddities of everyday life and the marvelous and the monstrous appear in the ordinary: in lotteries, fortunate rescues, accidents, swindles, or mysterious deaths. Under the rubric of “miscellany,” the press scoops up all types of colorful slivers of reality that represent themselves as naked facts, in the sense that they do not otherwise reveal anything and hence remain uncertain as to whether a story lurks behind them that might be worth digging up.

Small Forms as Time Probes II: Hot Spots of Managing Currentness

Novellas. Initially it was the novella that profited from the enormous growth of the market for facts. Distancing itself from the topical stockpiles of traditional historia, it nonetheless does not make use of the blank license for fiction and prefers discovery to fabrication. It takes up principles of the rhetorical inventio anew under different headings. Requiring more close analysis in synchronic and diachronic studies, however, are the ways in which novellas themselves defend the comprehensibility of their form, on the one hand by denying epic breadth and on the other hand by representing unheard of events in detail. We can observe, in turn, all kinds of adaptations of other small forms: from rhetorical formulas of the exemplum which, for example, are often used contre cœur whenever moral didactics serve as an alibi for a narration that would rather entertain than instruct a curious readership. We also encounter case studies that are used as rebuttals. As a source of “improbable veracities” (Heinrich von Kleist) that are positioned against the likelihood of history, the anecdote receives considerable credit. Novelllas just as avidly absorb idle chatter and spread the stories that circulate within it. Even old legends. If we do not wish to discredit that as regression or, conversely, take pride in the progressivity of narrative literature that proves its higher standard by “showcasing” the simplicity of oral forms, then we would need to closely study the complex contemporary news situations into which novellas intervene – not the least because they themselves reach their public via newspapers and journals.

Avant-Gardes. The laconic character of small factual prose has resonated within the avant-gardes since 1900. On the one hand, experimental modes of writing and aesthetics of minimalism show up, in which lyric and prose – as already was the case in Baudelaire’s pathbreaking Petits poèmes en prose (1857) – converge. In turn, there is an increase in the enigmatic character of small forms. Textures arise at the border of incomprehensibility in which even the most banal things come across as bizarre and weird things seem normal. Spanish and Latin-American microrrelatos, American forms of sudden or flash fiction, as well as Scandinavian “punktromanen” of the 1990s (Merete Morken Andersen, Helle Helle, Christina Hesselholdt, Hanne Ørstavik, and others) are the more recent descendants of such micronarratives.

On the other hand, the aspiration to bring about a radical defamiliarization of reality, in order to uncover what is new, motivates collecting in the interest of the documental. Sergej Tret’jakov, for example, begins in revolutionary Russia to produce the most succinct “očerks” (sketches) in order to de-automate perception through rapid and unreflective writing. If at the same time DADA activists reach for the scissors, in order to generate the material for their collages out of newspaper scraps, they do so as malicious observers of the times, lurking behind techniques of cut and paste, in whose montages the rest of the world is supposed to see its own absurdity. A current form of pop-literature comes close to them, at least in procedure, which gathers up song snippets, advertising slogans, and brand names and creates novels as encyclopedias of quotes with the character of a signpost for a generation. New archivists are at work here, whose forms of labor can be regarded as updating older practices of excerption – although now the notations capture communications that take place “only just now” (Eckhard Schumacher).

Platform Internet. Whoever owns a smartphone can meanwhile produce such feedback loops of the present with its self not only through reading and writing but also through audiovisuals and telecommunications – at any time and place. As short messaging systems, Live-Ticker, Twitter, and SMS are configured for updates at any second and factor in followers writing who have an eye on their timeline at all times. This gives rise to communication habits that level out previously valid differences of form and function, rendering them irrelevant at least in an operational sense. In the chirping of tweets and re-tweets, orality and textuality merge seamlessly with one another. The difference between the written and pictorial record equally collapses. Integrated into mobile phones, digital cameras can photograph everything with one click and enable their users constantly and anywhere to produce, send, revise, and re-constellate films, although “sharing” is often more important than communicating.

Against this backdrop, the research training group will have to be concerned not only with those types of posts that, through rigid limitations of characters and time, are set to the shortest of formats – including meanwhile such platforms as Vine or Instagram, where films with a length of 60 or 15 seconds can be posted – but will also have to discuss the structures of seriality they bring about. If the efficacy of pictures unfolds primarily in processes, and every tweet has to count on being ousted by the next, we can hardly refer any longer or with any certainty to “small” and “large” forms. In fact, Twitter stimulates both the playfully competitive comportment with pointed modes of writing or image sequences that resemble aphorisms and jokes and an instantaneous writing in continual flow and with the self-conception of an unfiltered and steadfastly dumb writing for which all aspirations of acumen are only a disturbance. We have to explore the forms of factography that are fostered in the process.

History of the Theory of Small Forms

A reappraisal of the literary and epistemic history of small forms has to include an investigation of the history of the theory of forms. We have to consider small forms as both objects of reflection and forms in which such reflections – even about large forms –are undertaken. This investigation will take the following questions as its starting point:

  • Which historical form-concepts from the context of rhetoric, poetics, and literary theory have to be presupposed or actualized in order to describe the form-character of the respective small form being examined? What analytic vocabulary do authors or editors themselves offer?
  • Which current concepts of form are useful for a theoretical description of form types?
  • What is the relationship between a given concept of form and concepts of genre and media? Under what conditions can they be equated, where do they set themselves apart?
  • Which valorizations or stigmatizations are tied to their being addressed as small forms?
  • What pluses or minuses vis-à-vis large forms come into play?
  • In which ways does “the small” become a programmatic object of literary theory in such contexts?

Here, too, dissertation projects may be structured synchronically or diachronically, can treat important theoretical positions, or reappraise contexts of debate. The following areas in particular are worthy of consideration.

Rhetoric. Ancient Greek and Roman rhetoric theorizes small forms within the subfield of topoi and defines them as commonplaces for communicative reuse. Arguments for constructing such inventories combine desiderata of inventio with stipulations of elocutio as they arise from the virtutes narrationis – in which the brevitas ideal plays a role – or the tripartite doctrine of style and its criteria of appropriateness for the genres of speech. However, we need to further clarify, in historical analyses extending back to the middle ages and the early modern period, which small forms obtain exemplariness as a result of such ideals of style and in which way historical instructional works with their systems of copying contribute to their constitution and stabilization as forms. At the same time, we have to explore how small verse and prose forms distinguish themselves from one another. It seems equally rewarding to discover historical scenes of debate where such small forms were criticized or the new legitimations and reform efforts derived from them were negotiated, leading to them outlasting the alleged end of rhetoric.

Poetics and Aesthetics. Drawing on the fundaments of rhetoric, it is primarily the poetics which arose in the sixteenth and seventeenth centuries in Italy, France, and England that work on the compilation of a catalogue of norms – now related to poetic genres in a narrower sense – in the interest of securing a scholarly knowledge of rules. That the regulatory effects of these textbooks on European literature was in fact limited, does not diminish the long-term effect that these poetics had on the discourse of judgment and taste regarding literature. Small forms are by no means omitted. But they are restricted to the verse genres – and are even given priority in them. Already for the concepts of art in antiquity, the elegy, satire, and epigram set the highest standards because their limited length requires true mastery. Small prose, in contrast, is not considered during these collaborations. In the ancient European orders of speaking and writing, its value nonetheless remains for so long undisputed as do the pragmatic functions and clearly defined sites of social deployment that are assigned to it by rhetoric.

That all changes when the validity of the art of speech and its rules and recipes for success erode and a discourse of aesthetics arises that, to be sure, reassess prose but does so primarily with reference to the novel. “Small prose is thereby excluded in manifold ways: it is neither great prose nor small lyric” (Thomas Althaus/ Wolfgang Bunzel/ Dirk Göttsche). Not only the emerging forms of small prose themselves but also the reflections on them and their formal character are therefore pushed into margins, thresholds, and interstices. This explains the importance that letters, prefaces, reviews, and so on gain for negotiations over the advantages and limitations of such forms. As paratexts, they serve as a platform for commenting upon other forms and genres. However, they also characterize themselves as products of a writing whose forms and styles can only be identified on an individual basis.

This is particularly evident in philosophical thought prose and in experimental short prose that come up with demanding and emphatically represented concepts of form. As difficult as it is to find a common denominator for these text types – aphorisms are listed as “Réflexions” (La Rochefoucauld) or “Pensées” (Pascal) and quoted in “Waste Books” [“Sudelbücher”] (Lichtenberg), feuilletons are titled “Walks” and “Soap Bubbles” (Walser) – all the more must their self-understanding be explained through their medium itself: as a reflection of the small form in praxis. Friedrich Schlegel’s fragments aim, in their particularity, to concurrently put on display the unavailability of the whole for which they strive. For Lukács, Bense, and Adorno, explorations of the essay as form necessarily have to take the form of the essay. Many feuilletons are about writing for the feuilleton, even if often for apologetic reasons: as a defense against the charge of banality. “In Notation (in my conception of it) there’s a condensation of Notare and Formare,” Roland Barthes remarks with regard to the small form of the note, which he held in high esteem (Preparation of the Novel).

These concepts of form, developed and defended over the course of such discussions, gain additional contours through theoretical classification. We therefore need to discern which traditionally and presently favored concepts of form they contrast with. On the one hand, we have to grasp the inclusions and exclusions decreed by reference works in poetics and aesthetics; on the other hand, we equally have to examine how small forms are related to one another in the reflections under consideration, which immanent hierarchical constructions arise in their reception, and which genealogical relationships are buried in the process. And yet also of importance is a comparative perspective on the discussions being held within different disciplines – often without regard for one another.

Theory Programs of the 20th Century. Within recent theory programs, the regularity with which they turn to pre-modern small forms is striking. The structures of these small forms came more into focus as the literary theory of the 1960s brought linguistics and poetics closer together. In the wake of the linguistic turn, interest in the hermeneutics of individual creations shifted to typical narrative grammars that at the same time created a basis on which to expand the concept of literature and extend it to the formal repertoire of mass culture. Formalists and structuralists provided the impetus. They minutely dissected popular fairy tales, myths, and Biblical legends. Their results were then taken up by a comprehensive cultural semiotics onto which narrative macro-models have meanwhile latched.

However, André Jolles had already investigated “simple forms,” among them, fairy tales and myths. In 1930, he placed them at the center of a morphology that stood on firm anthropological ground. As we can frequently observe since the eighteenth century, literary theory intersects here with the history of other human sciences, which offers concepts for literary theory and in return is supplied by literary theory with hypotheses about “the” human being, its natural and cultural history. For this reason, it is worthwhile to take simple small forms seriously as the index fossils of a history of the science of literary study that explains which economies and theories of form develop here through the coevolution of folklore, ethnology, and anthropology.

Finally, theoretical and programmatic reflections of small forms, extending from Nietzsche’s perspectivism – as the background to his aphorisms – and Musil’s essayism, to contemporary poetics of the small, are worthy of studies all their own. We might think here of the concept of “minor literature,” which still contains a high degree of political radiance. Borrowed from Kafka’s notebooks, Gilles Deleuze and Félix Guattari applied the term in the 1970s to all sorts of idioms that are “minor” insofar as they deviate from a hegemonic form and are afflicted with the stigma of being inferior. In more recent debates about globalization, the term has been applied to (national) literatures that do not enjoy an international market. In terms of the politics of theory, moreover, the concept has motivated a minoritarian type of publication that encourages the formulation of dissident positions: small books, separately published essays, individual lectures, and public interviews; volumes with a rhizomatic structure in which “a thousand plateaus” communicate with one another. We can identify in them a remediation of the essay as a form of theory that resists strict ideals of systematicity. They anticipate modes of writing in the age of digital networking through which certain online-forums concurrently make a name for themselves – including theory presses and journals with ambitious programs for reflecting on the present.