Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

Über das Kolleg

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Das Graduiertenkolleg hat seine Arbeit am 1. April 2017 aufgenommen. Es bietet 13 DoktorandInnen, bis zu fünf durch Dritte geförderten assoziierten KollegiatInnen sowie einer/m PostDoc die Möglichkeit, sich in einem fachlich herausragenden Umfeld unter der Betreuung von Berliner WissenschaftlerInnen und unterstützt von internationalen Partnerinstitutionen zu qualifizieren.

Kleine Formen des Schreibens sind kein Novum unter den Texttypen und -genres, gewinnen aber gegenwärtig – angesichts von aktuellen Herausforderungen durch mediale Mobilitätsschübe und Vernetzungsmöglichkeiten – erhöhte Relevanz. Durch knapper werdende Aufmerksamkeitsressourcen wird es zur anspruchsvollen Aufgabe, kulturelle Merkwelten zu organisieren. Die Frage, wie Beobachtungen verwaltet, Ideen gesammelt, Kenntnisse vermittelt und Lernprozesse gelenkt werden, betrifft deshalb – über die Kapazitäten von Wissensspeichern hinaus – speziell die Routinen und Darstellungspraktiken, in denen die Produktion und Vermittlung von Wissen multiple Formen annimmt. Je unübersichtlicher die Fülle des Wissbaren wird, je zügiger Neuigkeiten registriert werden müssen und je höher die Anforderungen an die soziale Kommunikationsökonomie steigen, desto mehr sind Wege gefragt, um begrenzte Zeit- und Platzspielräume ebenso effizient wie kreativ zu nutzen. Für die Praxis von Forschung und Unterricht, Kunst und Medienöffentlichkeit sind Kleinformen des Schreibens wie Skizzen, Abstracts, Notizen, Protokolle, Exzerpte, Essays, Artikel und Glossen deshalb unentbehrlich. Ihre Genese und Evolution, mit der sie zugleich an der Erfolgsgeschichte der Prosa teilhaben, sind bislang jedoch nur punktuell erforscht.

Das Graduiertenkolleg wird dazu einen Beitrag leisten, indem es ihre Literatur- und Wissensgeschichte im historischen Aufriss von der Antike bis zur Gegenwart untersucht. Mit dem systematischen Schwerpunkt auf Literatur, Wissenschaft und Populärkultur wird es – erstens – sondieren, welche Kleinformen des Schreibens und Darstellens innerhalb dieser Felder entstehen und wie mit ihrer Hilfe Verständigungsprozesse gesteuert, reflektiert, kritisiert und medienspezifisch kanalisiert werden. Zweitens richtet es den Fokus auf die Austauschdynamiken von kleinen Formen zwischen diesen Feldern.

Studien- und Betreuungsprogramm sind auf fachliche wie auf historische Breite angelegt und schaffen einen Rahmen für die Ausbildung von DoktorandInnen auf höchstem methodischem Standard und internationalem Niveau. Das Qualifizierungskonzept gewährleistet die Durchführbarkeit des Programms, indem es erfolgreich erprobte Betreuungsformen – bestehend aus Seminaren, Kolloquien, Workshops und Retreats – mit berufsnahen Studienangeboten kombiniert. Bestandteil der Ausbildung ist darum im zweiten Förderjahr eine Praxiswerkstatt, in der die KollegiatInnen einerseits mit praxeologischen Forschungsansätzen vertraut gemacht werden, andererseits Einblicke in die Arbeitswelt von ZeitungsredakteurInnen und Online-JournalistInnen, BibliothekarInnen und ArchivarInnen erhalten, die mit kleinen Formen umgehen.

 

About the research training group

Small forms are no newcomers among textual types and genres, but in the effort to cope with and exploit advancing media-technological reticulation and mobility they have acquired new prominence – as well as new urgency for research in the philosophy and history of science. The organisation of cultural memory has become increasingly difficult even as attentional resources are dwindling. The impact of this development on the management of observation, the accumulation of ideas, the dissemination of knowledge, and the guidance and control of learning processes cannot be understood without investigating the routines and practices of representation that differentially format the production and mediation of knowledge. The expansion of the realm of attainable knowledge, as well as the concomitant dispersal of attention and the relentless acceleration of the speed at which new discoveries must be recorded, demand new efficiency and creativity in the use of limited time and space. Outlines, abstracts, notes, protocols, previews, essays, articles etc. have thus become indispensable in the practice of research and education as well as in media and the arts. Thus far, however, the genesis and evolution of these forms, which are integral to the larger success story of prose, have received only selective attention.

This graduate program will advance the analysis of small forms by exploring their literary and epistemic history in broad historical scope from antiquity to the present. With its systematic focus on literature, science and popular culture, the program seeks – firstly – to determine what small forms emerge within each domain with its particular writerly and representational procedures, examining how these forms serve to control, reflect, criticize and (media-specifically) channel processes of communication. Secondly, the program will analyse the development and circulation of small forms through exchange between these fields.

Both in research and supervision, the program is set up for historical and disciplinary breadth and offers an ideal framework for training doctoral students at the highest methodological levels and international standards. Our qualification procedures guarantee the feasibility of the program by combining methods of supervision that have been employed successfully in the PhD-network »The knowledge of literature« – including seminars, colloquia, retreats and a writing workshop – with course offerings relevant to professional careers. The curriculum thus includes a »Praxiswerkstatt« in the second year, which introduces students not only to praxeological research but also to the work of newspaper and online journalists, librarians, and archivists professionally concerned with small forms.