Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

KF-Heinrich von Kleist

KF-Heinrich von Kleist

An Fräulein Ulrike von Kleist Hochwohlgeb. zu Frankfurt a. Oder.

Ich kann nicht sterben, ohne mich, zufrieden und heiter, wie ich bin, mit der ganzen Welt, und somit auch, vor allen anderen, meine teuerste Ulrike, mit Dir versöhnt zu haben. Laß sie mich, die strenge Äußerung, die in dem Briefe an die Kleisten enthalten ist, laß sie mich zurücknehmen; wirklich, Du hast an mir getan, ich sage nicht, was in Kräften einer Schwester, sondern in Kräften eines Menschen stand, um mich zu retten: die Wahrheit ist, daß mir auf Erden nicht zu helfen war. Und nun lebe wohl; möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit, dem meinigen gleich: das ist der herzlichste und innigste Wunsch, den ich für Dich aufzubringen weiß.

Dein
Heinrich.

Stimmings bei Potsdam

d. – am Morgen meines Todes

Quelle

Heinrich von Kleist: An Ulrike von Kleist [226]. In: Ders.: Sämtliche Werke und Briefe. Zweiter Band. Hg. von Helmut Sembdner. München: Hanser, 1961, S. 887.

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