Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen

DFG-Graduiertenkolleg 2190

Kalendergeschichte

Kalendergeschichte
22. Oktober 2018 Florenz Gilly

Kalendergeschichte

Seit Johann Peter Hebels „Rheinländischem Hausfreund“ gehört die Kalendergeschichte zum deutschen Kulturgut. Generationen von Schülern haben seinen ‚Kannitverstan‘ oder sein ‚Unverhofftes Wiedersehen‘ als Beispiele eines Genres analysiert, dessen Charakteristika vor allem in der Kürze der Erzählung und ihrer moralischen Pointe liegen. Doch sind gerade Hebels Texte mehr als das. Sie sind aus der besonderen Verbindung mit dem Kalender entstandene Sprachkunstwerke, deren poetische Kraft sich aus der medialen Einbettung heraus ergibt. Ihre pointierte Kürze und einfache Sprache, ihr lebensnaher Pragmatismus sind auch Folge der Vorgaben eines für die einfache Bevölkerung gemachten Mediums. Nur als Teil des Kalenders werden Hebels Erzählungen aus dem „Rheinländischem Hausfreund“, was sie sind: die ersten und letztlich auch die einzig wirklichen Kalendergeschichten.

Fabian Goppelsröder (*1977) ist Komparatist, freier Autor und Gastwissenschaftler im Graduiertenkolleg „Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen“. 2011 promovierte er am Comparative Literature Department der Stanford University mit einer Arbeit über das Verhältnis von Kalendergeschichte und fait divers.

 

Empfohlene Zitierweise

Goppelsröder, Fabian: Kalendergeschichte, in: Enzyklopädie der kleinen Formen [Audio-Enzyklopädie des Podcasts microform], abrufbar unter: www.kleine-formen.de/enzyklopaedie-kalendergeschichte, Berlin 2018.

 

Auswahlbibliographie

Verwendete Literatur:

Benjamin, Walter: Johann Peter Hebel. Zu seinem 100. Todestage, in: Walter Benjamin: Gesammelte Schriften, Bd. 1, hg. von Rolf Tiedemann und Herrmann Schweppenhäuser, Frankfurt/Main 1991, 277–280.

Bloch, Ernst: Nachwort, in: Johann Peter Hebel: Kalendergeschichten, Frankfurt/Main 1965, 135–149.

Landwehr, Achim: Geburt der Gegenwart. Eine Geschichte der Zeit im 17. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2014.

Hopwood, Elin Mererid: Johann Peter Hebel and the Rhetoric of Orality, Stuttgart 1994.

Rohner, Ludwig: „Nimm wahr der Zeit…”, in: Kalender im Wandel der Zeiten. Eine Ausstellung der Badischen Landesbibliothek zur Erinnerung an die Kalenderreform durch Papst Gregor XIII. im Jahr 1582, hg. v. der Badischen Landesbibliothek, Karlsruhe 1982, 7–32.

Rohner, Ludwig: Kalendergeschichte und Kalender, Wiesbaden 1978.

Voit, Friedrich: Vom Landkalender zum ›Rheinischen Hausfreund‹ Johann Peter Hebels. Das südwestdeutsche Kalenderwesen im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main u.a. 1994.

Ludwig, Ralph: Der Erzähler. Wie Johann Peter Hebel ein literarisches Schatzkästlein schuf, Berlin 2010.

Weiterführende Literatur:

Hebel, Johann Peter: Die Kalendergeschichten. Sämtliche Erzählungen aus dem Rheinländischen Hausfreund, hg. von Hannelore Schlaffer und Harald Zils, München 1999.

Goppelsröder, Fabian: Hebels Kalenderpoetik, in: Weimarer Beiträge 63 (2017), Heft 1, S. 78-100.

Helwig, Heide: Johann Peter Hebel. Biographie, München 2010.

Heidegger, Martin: Hebel der Hausfreund, Pfullingen 1957.

Knopf, Jan: Geschichten zur Geschichte. Kritische Tradition des Volkstümlichen in den Kalendergeschichten Hebels und Brechts, Stuttgart 1973.

Roth, Patrick: Johann Peter Hebels Hollywood oder Freeway ins Tal von Balzac, in: Patrick Roth: Riding with Mary. 10 mal Sehnsucht, Frankfurt/Main 2003, S. 9-33.

Viel, Bernhard: Johann Peter Hebel oder Das Glück der Vergänglichkeit, München 2010.

Siegert, Reinhart: Johann Peter Hebel als Genie der Popularität, in: Carl Pietzker, Günter Schnitzler (Hg.): Johann Peter Hebel. Unvergängliches aus dem Wiesental, Freiburg/Breisgau 1996, S. 47-102

von Matt, Peter: Der Zirkelschmied. Hebels letzter Gauner, in: Carl Pietzker, Günter Schnitzler (Hg.): Johann Peter Hebel. Unvergängliches aus dem Wiesental, Freiburg/Breisgau 1996, S. 195-212

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